Neues aus der Radiokunst

r_2100x1400_radio_praha.png
0:00
/
0:00

Radio ist ein schon über 100 Jahre altes Medium. Genau darum sind immer wieder neue Idee gefragt. Das Spermfestival, ein Musik- und Medienfest, bietet mit der Radioausstellung Here2Hear diesen Ideen eine Plattform. Das ganze gibt es diese Woche im Prager Roxy zu sehen und zu hören. Andrea Nehr berichtet.

Ein Raum mit sechs kleinen Radiostationen. Jede von ihnen ist ein Gerät, das Töne und Geräusche sendet. Der Besucher leiht sich einen tragbaren Radioempfänger. Und jetzt kanns losgehen: Die einzelnen Radiostationen haben jeweils eine Frequenz. Die kann man an dem tragbaren Radio einstellen, hören und sich damit im Ausstellungsraum bewegen. Die Besucher müssen zwar etwas Geduld für das Suchen der einzelnen Sender mitbringen, aber wenn es dann geschafft ist, klingt das zum Beispiel so. Doch nicht nur zuhören kann der Besucher beim Here2Hear, sondern auch selbst mitmachen. Die Wirkung der Ausstellung und der Besucher selbst sollen im Mittelpunkt stehen und nicht nur der Tonkünstler oder Radiomacher. Eine der kleinen Radiostationen, an denen man aktiv werden kann, hat Hannes Hölzl mit seiner Kollegin Echo Ho von Eearweego aus Köln gestaltet.

"Das ist hier eine Installation, die sehr viele Saiten oder Fäden hat. Sie sieht wie eine Harfe oder ein Webstuhl aus und damit kann man dann ein Musikinstrument bedienen, das unter dem Tisch verborgen liegt. Es geht hier nicht um das Instrument, sondern wie die Besucher, die es berühren, seinen Klang verändern können."

Die entstandenen Töne und Geräusche können mit dem tragbaren Radiogerät empfangen werden. Der Besucher kann also sein eigenes Radioprogramm schaffen. Eine andere der sechs Mini-Radiostationen kommt von Knut Aufermann und der Künstlerin Sarah Washington. Sie machen Radio ein wenig anders als gewöhnlich.

"Zum Beispiel indem man eine Rückkopplung, ein Feedback schafft zwischen Radiotransmitter und Radioempfänger. Der Radiosender hört praktisch sein eigenes Programm wieder, fängt an rückzukoppeln und macht dann von alleine Musik, obwohl er dafür ja eigentlich gar nicht gedacht war."

Beim Here2Hear sind deutsche und tschechische Radiokünstler vertreten. Der Organisator Pavel Sterec erzählt, wie es zu der gemeinsamen Radioausstellung gekommen ist:

"Wir arbeiten sehr eng mit dem Internetradio Lamurie zusammen und dort haben wir deutsche Partner. Und ich denke, in Deutschland gibt es eine viel längere Tradition der Radiokunst. Wir haben am RadioRevolten-Festival teilgenommen und Radio Corax aus Halle ist jetzt bei diesem Festival unser Partner."

Und was ist für die deutschen Tonkünstler und Radiomacher das Reizvolle nach Prag zu fahren und hier etwas zu machen. Hannes Hölzl:

"Natürlich finde ich die ganze Gegend hier spannend, weil man hier das Gefühl hat, es passiert etwas Neues. Im alten Deutschland passiert ja nie etwas Neues."