Nobelpreisträger Orhan Pamuk zu Gast beim Prager Schriftstellerfestival

Orhan Pamuk, foto: ČTK

Das Prague Writers’ Festival hat am Mittwoch bereits zum 23. Mal in der tschechischen Hauptstadt begonnen. Wegen Budgetkürzungen bietet das renommierte Literaturfestival ein eingeschränktes Programm an: weniger Festivaltage und weniger Autoren. Doch trotzdem gelang es, einen berühmten Gast zu gewinnen: der türkische Schriftsteller und Nobelpreisträger Orhan Pamuk ist seit Mittwoch in Prag.

Orhan Pamuk, foto: ČTK
Fünf Jahre lang haben die Organisatoren des Festivals versucht, den türkischen Schriftsteller nach Prag zu bringen. In diesem Frühling ist es gelungen. Orhan Pamuk ist für drei Tage in Prag, um aus seinen Werken zu lesen und mit seinen Lesern zu diskutieren. Er gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller seines Landes. In seiner Erzählkunst vermittelt er zwischen dem modernen europäischen Roman und der mystischen Tradition des Orients. Aber auch wegen seines politischen Engagements wird über seine Werke diskutiert. In einem Interview aus dem Jahr 2005 hatte Pamuk direkt darauf hingewiesen, dass es in der Türkei einen Massenmord an den Armeniern gegeben hat. Daraufhin betrieben türkische Nationalisten eine Kampagne gegen ihn. Er wurde wegen der so genannten „öffentlichen Herabsetzung des Türkentums” angeklagt, das Strafverfahren wurde allerdings später eingestellt. Im Tschechischen Fernsehen sprach er über die Rolle des Schriftstellers in der Gesellschaft:

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„Schriftsteller, die als Stimmen ihrer Völker gelten, werden in Ländern ohne Meinungsfreiheit geboren. In Ländern unter sowjetischem Einfluss waren es früher eben nur die Künstler, die zumindest ab und zu die Wahrheit andeuten durften. Das war auch der Fall in der Tschechischen Republik. Die Schriftsteller werden somit zum politischen Symbol. Ich war zunächst kein politischer Schriftsteller, geriet dann aber in politische Probleme in der Türkei. Ich war ein international bekannter Autor, daher hat man mich zu verschiedenen Sachen gefragt. Ich habe dann geantwortet, was ich dazu denke, und so nahm ich eine politische Position ein. Ich denke aber nicht erstrangig an die Politik, sondern daran, einen möglichst schönen Satz zu schreiben.“

Von allen Genres bevorzugt Orhan Pamuk den Roman:

„Die Vollständigkeit und das Geheimnis der Welt können nur in einem Roman erfasst werden. Die Kunst, Romane zu schreiben, ist die größte Entfindung der Menschheit in den letzten 200 Jahren. Der Roman hat alle anderen Ausdrucksformen, wie Poesie, Drama oder den Essay, überwunden. In den Romanen liegt das gesamte Leben und deswegen werden sie alltäglich von Millionen Leuten auf der ganzen Welt gelesen.“

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In Tschechien sind sieben von Pamuks Romanen bekannt. Fünf davon – unter anderem „Schnee“ und „Das Museum der Unschuld“, wurden von Petr Kučera ins Tschechische übersetzt.

„Pamuk schreibt sehr kompliziert. Er nutzt lange, weit verzweigte Sätze, die er selbst Barocksätze nennt. Sehr schwierig sind auch verschiedene kulturelle Referenzen. Er wechselt auch sehr oft den Stil. Für einen Übersetzer ist es sehr anspruchsvoll, seine Sätze und Satzgefüge ins Tschechische zu überführen, da die Sprache völlig anders als das Türkische aufgebaut ist.“

Die erste tschechische Übersetzung eines Werkes von Pamuk, „Istanbul – Erinnerung an eine Stadt“, ist 2006 erschienen, als ihm der Nobelpreis verliehen wurde. Kučera:

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„Der Nobelpreis hat zur Ausgabe seiner Bücher sicher sehr beigetragen, dennoch bin ich überzeugt, dass seine Bücher auch ohne den Preis erschienen wären. Pamuk war bereits vor dem Nobelpreis ein bekannter Name, und die Verleger haben sich schon früher für ihn interessiert. Der Verlag Argo hat den Vertrag für die Romane mit Pamuks Agenten bereits vor der Verleihung des Nobelpreises unterzeichnet.“

Während seines ersten Treffens mit tschechischen Lesern am Mittwochabend hat Orhan Pamuk aus dem Roman „Rot ist mein Name“ gelesen. Am Freitag wird er im Buchpalast Luxor seine Bücher signieren.