Angst, Krieg und Literatur – das Prager Festival der Autoren

Am Freitag beginnt in Prag das Festival der Autoren. Neun Schriftsteller aus aller Welt sind eingeladen, aus ihrem Werk zu lesen und über das Thema Angst zu diskutieren.

Michael March  (Foto: YouTube)
Zum 25. Jubiläum punktet das Prager Autorenfestivals nicht so sehr mit großen Namen, sondern mit einem großen Thema: der Angst. Keine leichte Kost. Aber eine durchaus offensichtliche Wahl, meint der Gründer und Leiter des Festivals, Micheal March:

„Angst ist ein allgegenwärtiges Gefühl, sie ist überall. Wir interessieren uns dafür herauszufinden, welche Angst natürlich ist, und welche unnatürlich oder fabriziert ist. Das ist sehr wichtig. Schon bei unserer Geburt sind wir ängstlich: Wir weinen. Das ist nichts Neues. Eine neue Entwicklung aber ist, dass Regierungen und Konzerne eine Atmosphäre der Angst künstlich herstellen.“

Marek Šindelka  (Foto: Martina Pavloušková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Diskussionsthema soll hauptsächlich dieses neue Phänomen, die fabrizierte Angst, sein. Neun Autoren aus aller Welt sind dazu eingeladen. Einer von ihnen ist der tschechische Schriftsteller Marek Šindelka. Er schreibt derzeit an einem Roman über die Angst vor dem Fremden:

„Die Menschen haben Angst vor dem Fremden und sperren sich selbst ein. Das ist absurd: In Gefängnissen wird Isolation als Bestrafung benutzt. Und wir wünschen uns das jetzt für uns selbst. In der Isolation beginnen wir uns zu deformieren. Die Angst vor dem Fremden wird in uns durch die Medien hervorgerufen. Kaum jemand hat in Tschechien tatsächlich einen Migranten gesehen. Es ist eine fiktive Angst.“

Festivalleiter Micheal March hofft, dass die Autoren über ihre eigenen Erfahrungen und Zugänge zum Thema Angst sprechen und über die Probleme in ihrem jeweiligen Herkunftsland:

„Ich interessiere mich für die Angst der Autoren, für ihre persönlichen Erfahrungen. Es kommen Autoren aus dem Iran, dem Irak, aus Israel, aus den USA, um wirklich über ihre persönlichen Erfahrungen zu diskutieren.“

Das zweite große Thema des Festivals – eng mit der Angst verbunden – ist der Krieg. Micheal March:

Vietnamkrieg  (Foto: Public Domain)
„Wir bringen Autoren zusammen, die aus antagonistischen Ländern kommen, aus Ländern die gegeneinander Krieg führen. Bei dem Festival wollen wir über Angst sprechen; das andere große Thema ist Krieg. Was ist wirklich passiert im Iran-Irak-Krieg? Wo befinden sich diese Länder jetzt? Was war die Rolle Israels in diesem Krieg? Und natürlich Israel und Palästina. Und die USA im Vietnamkrieg. Was ist in diesen Kriegen wirklich passiert? Wer steht hinter den Kriegen? Sie haben natürliche Auswirkungen auf Handel und Wirtschaft und die Kommerzialisierung von Krieg.“

Von 6. bis 9. November findet das Prager Autorenfestival statt. Neun Autoren diskutieren über Angst und Krieg. Der Festivalleiter Micheal March ist sich dessen bewusst, dass er damit eines der ältesten Themen der Literaturgeschichte aufgreift:

„Im Leben geht es darum, Angst zu überwinden. Die Angst vor den ganzen Verlusten, die das Leben bringt, auch die Angst vor dem Tod. In der Literatur gibt es immer diese Spannung zwischen Leben und Tod.“

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