Täglicher Nachrichtenüberblick
Präsidenten Zeman und Fischer zweifeln an EU-Türkei-Deal
Staatspräsident Miloš Zeman und sein österreichischer Amtskollege Heinz Fischer haben Zweifel an den Erfolgschancen des EU-Flüchtlingspakts mit der Türkei. Es gebe etliche Gründe, mit vorschnellem Optimismus vorsichtig zu sein, sagte Fischer am Montag im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen. Zeman übte deutlich schärfere Kritik: Er sprach mit Blick auf die geplanten Milliardenzahlungen der EU an Ankara von einer „Erpressung“ seitens der Türkei. Das Abkommen sieht die Rückführung von Migranten von Griechenland in die Türkei vor. Zugleich sollen bis zu 72.000 syrische Flüchtlinge aus der Türkei nach Europa gebracht werden.
Uneinigkeit herrschte bei dem Präsidententreffen auf Schloss Lány bei Prag in der Frage eines dauerhaften Umverteilungssystems für Flüchtlinge in Europa. Zeman lehnt dies mit der Begründung ab, dass „sowieso alle nach Deutschland“ wollten. Fischer betonte, dass kein Land, auch Deutschland nicht, diese Probleme alleine lösen könne. Der 77-Jährige war zuvor mit dem Zug zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Tschechien eingetroffen.
Landwirtschaftsminister verteidigt EU-Sanktionen gegen Russland
Landwirtschaftsminister Marian Jurečka hat die Sanktionen der EU gegen Russland verteidigt. Tschechien dürfe nicht den Einsatz für die Menschenrechte aufgeben, um wieder Waren nach Russland exportieren zu können. Dies sagte Jurečka am Sonntag im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen. Der Christdemokrat reagierte damit auf Aussagen des Präsidenten der Agrarkammer, Miroslav Toman. Dieser hatte gefordert, dass die EU ihre Sanktionen gegen Russland aufheben solle.
Die Europäische Union hat ihre Sanktionen im Sommer 2014 als Reaktion auf die russische Aggression in der Ostukraine verabschiedet. Jurečka erklärte, er verstehe zwar die Meinung der Agrarkammer. Es sei aber nicht möglich, Menschenrechte für den Export von Agrarprodukten zu opfern. Hierzulande habe man in den Jahren 1938 und 1968 negative Erfahrungen gemacht, so der Minister. Tschechien müsse wie die EU vorgehen, sagte Jurečka.
Immer mehr Tschechen beurteilen Ausländer mit Skepsis
Die Skepsis gegenüber Ausländern hat in Tschechien einer Umfrage des Umfrageinstitutes Stem zufolge deutlich zugenommen. Mehr als zwei Drittel der Befragten ist der Ansicht, dass es in Tschechien relativ starke bis sehr starke Spannungen zwischen In- und Ausländern gibt. Vor drei Jahren hatte dies nur die Hälfte der Befragten so gesehen. Daran sei zu sehen, wie die Flüchtlingskrise und die Terrorangriffe in europäischen Städten die öffentliche Meinung in unserem Land beeinflussen, urteilten die Meinungsforscher. Vor allem junge und weniger gebildete Bürger bewerteten demnach die Beziehungen zu Ausländern als angespannt.
In dem EU- und Nato-Staat Tschechien leben rund 467.000 Ausländer, was rund 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Die meisten von ihnen stammen nach Angaben des Statistikamts aus der Ukraine, der Slowakei und Vietnam.
Tschechien will wohl doch Tal der Elbe in Richtung Sachsen unter Naturschutz stellen
Tschechien wird wahrscheinlich doch das Tal der Elbe zwischen Ústí nad Labem / Aussig und der deutschen Grenze unter Naturschutz stellen. Wie der Tschechische Rundfunk in seinen Inlandssendungen berichtete, empfiehlt Umweltminister Richard Brabec (Partei Ano) mittlerweile, diesen Teil der Elbe sowie Auwiesen bei Přelouč als sogenannte Natura-2000-Fächen auszuweisen. Brabec weist auf mögliche hohe Verluste von Fördergeldern hin, die Europäische Kommission verlangt bereits seit längerem den Naturschutz für beide Gebiete. Bisher hatte sich die tschechische Regierung gesträubt, weil sie jeweils die Elbe an diesen Stellen für den Schiffsverkehr ausbauen will. In Děčín / Tetschen soll eine umstrittene Staustufe entstehen und bei Přelouč ein Seitenkanal.
Regierung gibt grünes Licht für Industriegebiet mit Flughafen bei Přerov
Die tschechische Regierung hat grünes Licht gegeben für den Bau eines strategisch wichtigen Industriegebiets bei Přerov / Prerau. Das betreffende Areal ist Teil eines ehemaligen Hubschrauberstützpunkts. Insgesamt sind 330 Hektar zur Bebauung vorgesehen. Dabei ist der nördliche Teil als allgemeines Industriegebiet geplant. Der südliche Teil soll für die Luftfahrtindustrie reserviert sein. Der sich auf dem Gebiet befindende Flugplatz soll aus planungstechnischen und rechtlichen Gründen erhalten bleiben.
Für das Industriegebiet ist ein weiterer Ausbau der Autobahn D1 um Přerov notwendig. Mit dem Bau eines Abschnitts ist bereits letztes Jahr begonnen worden. In der Gegenrichtung verhindern fehlende Grundstücke den Baubeginn.
Streit um „Slawisches Epos“: Enkel von Maler Mucha verklagt Prag
Im Streit um den Bilderzyklus „Slawisches Epos“ hat der Enkel von Maler Alfons Mucha die Stadt Prag verklagt. Laut John Mucha hat sein Großvater das „Slawische Epos“ nicht der Stadt Prag, sondern dem tschechischen Volk vermacht. Damit wendet sich John Mucha gegen eine Ausstellungsreihe in Asien, auf die der Prager Magistrat den Zyklus schicken will. Der Enkel des Jugendstilkünstlers befürchtet, dass bei der geplanten einjährigen Tour die Bilder beschädigt oder verloren gehen könnten.
Das „Slawische Epos“ besteht aus 20 großformatigen Bildern. Alfons Mucha malte sie zwischen 1911 und 1928. Damit sie in Prag ausgestellt werden können, hatte der Maler den Bau einer eigenen Galerie gefordert. Da dies immer noch nicht geschehen ist, sind die Gemälde seit 2012 nur vorübergehend im Messepalast zu sehen.
Prager Verkehrsbetriebe ermöglichen Kartenzahlung in der Straßenbahn
Auf zwei Prager Straßenbahnlinien kann ab sofort mit Karte bezahlt werden. Die Kartenzahlung ist sowohl in der Bahn, als auch an den Haltestellen möglich. Es handelt sich vorerst um ein Pilotprojekt und betrifft nur zwei Straßenbahnlinien, unter anderem die Linie 22. Diese Linie ist bei Touristen besonders beliebt. Erst müsse das Interesse der Fahrgäste geprüft werden, sagte der stellvertretende Bürgermeister Petr Dolínek (Sozialdemokraten). Die Geräte werden von der Firma Mikroelektronika bereitgestellt und finden an mehreren Haltestellen bereits Verwendung.
Zusätzlich zu den neuen Zahlungsmöglichkeiten hatten die Verkehrsbetriebe eine weitere gute Nachricht für die Fahrgäste: Die Baumaßnahmen an der Vršovická-Straße wurden beendet, und die Straße ist wieder frei für den Straßenbahnverkehr. Das Großprojekt kostete insgesamt 290 Millionen tschechische Kronen (über 10 Millionen Euro).
Pavel Benedikt Stránský neuer Bischof der Altkatholischen Kirche in Tschechien
Pavel Benedikt Stránský wird ab Juli die Altkatholische Kirche in Tschechien leiten. Er wurde am Freitag im Prämonstratenserkloster Želiv / Seelau von der tschechischen Wahlsynode zum neuen Bischof gewählt. Stránský löst Bischof Dušan Hejbal ab, der am Tag seines 65. Geburtstags am 16. Juli in den Ruhestand tritt.
Der neue Bischof der Altkatholischen Kirche war früher Pressesprecher der Polizei im Kreis Zlín. Außerdem war er seit 2003 Pfarrer der altkatholischen Gemeinde in Zlín.
Prager Nationalmuseum eröffnet neue Ausstellung über Antonín Dvořák
Das Nationalmuseum eröffnet am Montag im Prager Antonín-Dvořák-Museum eine neue Ausstellung mit dem Titel „Antonín Dvořák als Interpret“. Sie zeigt den Komponisten in den weniger bekannten Rollen als Dirigent, Pianist, Organist und Bratschist. Zu sehen sind unter anderem einzigartige Musikinstrumente, es handelt sich um zwei Bratschen und das Klavier der Marke Bösendorfer, das dem Komponisten gehörte.
Skisaison in Tschechien geht zu Ende
Die Skisaison in Tschechien geht zu Ende. Am Montag sind zum letzten Mal die Skilifte in Harrachov / Harrachsdorf im Riesengebirge in Betrieb. Am Dienstag wird der Pistenbetrieb auch im Ort Ovčárna im Altvatergebirge eingestellt. Bereits am Wochenende wurde die Skisaison in Špindlerův Mlýn / Spindlermühle und in Pec pod Sněžkou / Petzer im Riesengebirge sowie am Klínovec / Keilberg im Erzgebirge beendet. In den meisten weiteren Wintersportzentren laufen die Lifte bereits seit Ostern nicht mehr.
Eishockey: Jágr produktivster Tscheche in der NHL-Punktespielsaison
Die Punktespielsaison der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL ist zu Ende, ab Donnerstag geht es in die Playoffs um den Stanely-Cup. Produktivster tschechischer Spieler in der NHL war Altstar Jaromír Jágr, der 44-jährige Stürmer ist bei den Florida Panthers unter Vertrag. In 79 Spielen sammelte er 66 Punkte für 27 Tore und 39 Assists. In der NHL-Tabelle der Saison liegt Jágr auf Rang 22. Zweitbester Tscheche war David Krejčí von den Boston Bruins mit 63 Punkten und drittbester Jakub Voráček von den Philadelphia Flyers mit 55 Punkten.
Insgesamt kamen 39 Tschechen während der Punktespielsaison zum Einsatz. Dies ist dieselbe Anzahl wie in der Saison 2014 / 2015. Zum ersten Mal überhaupt spielten in der NHL die Stürmer Radek Faksa für die Dallas Stars, Tomáš Nosek für die Detroit Red Wings, Dominik Simon für die Pittsburgh Penguins und Pavel Zacha für die New Jersey Devils, die Verteidiger Jakub Nakládal für die Clagary Flames und Vojtěch Mozík für die New Jersey Devils und Torwart Roman Will für die Colorado Avalanche.
Tennis: Šafářová und Mattek-Sands scheitern im Doppel-Finale in Charleston
Lucie Šafářová und die US-Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands (USA) haben das Doppel-Finale beim Tennisturnier in Charleston verloren. Eine Woche nach dem Sieg in Miami unterlag das tschechisch-amerikanische Duo den Französinnen Caroline Garcia und Kristina Mladenovic mit 2:6 und 5:7.
Das Wetter am Dienstag, 12. April
Nach Auflösung örtlicher Frühnebelfelder ist es am Dienstag in Tschechien meist bewölkt. Örtlich kann es zu Schauern und Gewittern kommen. Ab dem Nachmittag wird es von Südwesten her freundlicher, vereinzelt kann die Wolkendecke vollständig verschwinden. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei Werten zwischen 14 und 18 Grad Celsius, in Höhenlagen um 1000 Meter maximal 10 Grad. Der Wind weht schwach aus westlicher Richtung.







