Dichter mit wenig Verständnis für "Revolution" hat es auch gegeben
Nach einer Zeit sorgte wieder mal einer der berühmtesten tschechischen Schriftsteller der Gegenwart für Schlagzeilen. Diesmal ging es jedoch um keine Neuninszenierung von Milan Kundera - wie es vor kurzem im Prager Schauspielklub der Fall war – sondern um eine Tat aus seiner Jugend. Durch Zufall stießen Historiker, die die Geschichten eines Regimegegners aus den 50er Jahren bearbeiteten, auf ein Dokument, demzufolge der Student Kundera im Jahre 1950 einen Mann bei der Polizei angezeigt hatte. Für den Mann hatte dies schwerwiegende Folgen: Er verbrachte insgesamt 14 Jahre in kommunistischen Gefängnissen.
Nach einer Zeit sorgte wieder mal einer der berühmtesten tschechischen Schriftsteller der Gegenwart für Schlagzeilen. Diesmal ging es jedoch um keine Neuninszenierung von Milan Kundera - wie es vor kurzem im Prager Schauspielklub der Fall war – sondern um eine Tat aus seiner Jugend. Durch Zufall stießen Historiker, die die Geschichten eines Regimegegners aus den 50er Jahren bearbeiteten, auf ein Dokument, demzufolge der Student Kundera im Jahre 1950 einen Mann bei der Polizei angezeigt hatte. Für den Mann hatte dies schwerwiegende Folgen: Er verbrachte insgesamt 14 Jahre in kommunistischen Gefängnissen. Nachdem der Kundera nun alles als Lüge bezeichnete, ist in den Zeitungen sowie auf den verschiedensten Internetseiten eine heftige Diskussion entbrannt. Oft wird dabei Kundera mit Günter Grass verglichen, der vor zwei Jahren zugegeben hat, dass er bei Kriegsende bei Waffen-SS gedient hatte.
Ähnlich wie vielleicht auch der junge Grass könnte der Student Kundera sein Handeln einst nur für seine patriotische Pflicht gehalten haben. Denn wenn ein junger passionierter Kommunist 1950 von jemandem Unbekannten hörte, dass er aus dem Westen kommt, hielt er es für nichts Unwürdiges, diese Tatsache sofort zu melden – mit anderen Worten also, denjenigen zu denunzieren, selbst wenn diesem dann die Todesstrafe drohte.
Kundera selbst ließ mal verlauten, dass im Februar 1948 die bessere Hälfte der Nation auf der Seite der „Revolution“ gestanden habe. Schriftsteller Pavel Tigrid war über diese Bemerkung so aufgebracht, dass er eine ganze kritische Nummer des im Exil erschienenen Magazins „Svědectví“ Kundera gewidmet hat.
Während der Diskussion über die Schuld oder Unschuld des berühmten Autors sollte nicht vergessen werden, dass es in der Zeit, als Student Kundera die Errungenschaften des Kommunismus bewunderte, auch Dichter gab, die die Errungenschaften der kommunistischen Haft zu spüren bekamen. Es fällt mir beispielsweise das Schicksal von Jan Zahradníček (1905-1960) ein. Auch wenn die Kritiker ihn für einen der besten tschechischen Dichter halten, ist er nie so bekannt geworden, wie er es verdienen würde. Die langen Jahre, die er im kommunistischen Gefängnis verbrachte, trugen wesentlich dazu bei, dass er heute so gut wie unbekannt ist. Er gehörte offensichtlich nicht zu der von Kundera einst erwähnten „besseren Hälfte der Nation“ mit Verständnis für die Revolution.







