„Mythos Václav Havel“ – der Altpräsident als Museumsstück
Präsident Václav Klaus müht sich derzeit, die Weichen für eine zweite Amtszeit zu stellen. Sein Vorgänger ist demgegenüber bereits in zeitlosere Sphären entrückt – jedenfalls wenn es nach dem Titel einer neuen Ausstellung geht. „Václav Havel – ein tschechischer Mythos“ heißt sie, die Eröffnung war am Montag. Mit der Schau tritt die neu entstehende Václav-Havel-Bibliothek erstmals an eine breite Öffentlichkeit.
Neben einer erweiterten Ausstellung soll die Bibliothek in Zukunft das umfangreiche Archiv Václav Havels dokumentieren und für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich machen. Einige teils kuriose, teils wertvolle Kostproben daraus sind bereits jetzt in der Ausstellung zu sehen, so Projektleiterin Radka Neumannová:
„Für mich persönlich ist die größte ´Sensation´, wenn ich das so sagen kann, die Zeit der Kindheit. Hier können die Besucher Kinderzeichnungen von Václav Havel sehen oder Briefe, die er als kleiner Junge in der Nachkriegszeit an seinem Vater geschrieben hat.“
Dokumente aus der Dissidentenzeit sind ebenso zu finden, wie Erinnerungen an die Revolution und die nachfolgenden Jahre an der Spitze des Staates. Prunkstück ist Václav Havels Schreibtisch aus der Präsidentenkanzlei und seine Ernennungsurkunde, ergänzt durch Dutzende weitere Stücke aus Havels Privatbesitz. Die Ausstellung bietet so gleichermaßen einen Blick in den Salon wie auf den Dachboden von Václav Havel. Das bestätigt auch seine Ehefrau, die Schauspielerin Dagmar Havlová, die an den Vorbereitungen maßgeblich beteiligt war.„Die Exponate haben wir lange zusammensuchen müssen – zum Teil waren sie im Wochenendhaus in Hradeček, zum Teil in unserer Wohnung; viele Dinge waren auch noch in den Kisten, in die sie beim Auszug aus der Präsidialkanzlei verpackt worden sind. Das war nicht leicht, da das auszuwählen, was für eine breite Öffentlichkeit am interessantesten ist.“
Und was hat es mit dem Ehrfurcht gebietenden Titel der Ausstellung auf sich? „Václav Havel – ein tschechischer Mythos“, das sei natürlich halb ironisch gemeint, versichert der Altpräsident mit einem Augenzwinkern.







