Exklusiv für Radio Prag – the world´s DJ Nr. One: Paul van Dyk

Paul van Dyk (Foto: Martina Stejskalová)

Paul van Dyk ist ein deutscher Trance und Techno-DJ, Musikproduzent und Radiomoderator. Er gilt, wenn es so etwas gibt, als der beste DJ der Welt. Seine internationalen Preise und Auszeichnungen zeugen davon. Geboren im ostdeutschen Eisenhüttenstadt, aufgewachsen in Ost-Berlin, hat Paul van Dyk seit den 90er Jahren in der Musikbranche eine Traumkarriere hingelegt. Den Namen Paul van Dyk kennt man von Kentucky bis Kalkutta. Christian Rühmkorf hat Paul van Dyk im September dieses Jahres wenige Stunden vor seinem Prager Auftritt exklusiv für Radio Prag interviewt.

Paul van Dyk  (Foto: Martina Stejskalová)
Herr van Dyk, Sie sind DJ, Produzent, Radiomoderator, eigentlich ´Musikmanager´ – was davon ist Ihnen persönlich am wichtigsten?

„Das gehört ja alles irgendwie zusammen. In erster Linie bin ich Musiker. Meine Lieblingsmusik ist elektronische Musik und die wird eben in Form von DJ-ing präsentiert. Das Radiomachen zum Beispiel, das hat ja auch im weitesten Sinne etwas mit Dj-ing zu tun. Insofern gehört für mich das alles zusammen. Und solange ich spielen kann, worauf ich Lust habe, ist das alles ok.“

„Ich nehme mir eben die Elemente, die ich am tollsten finde und daraus kreiere ich halt das, was viele Leute als den „Paul-Sound“ bezeichnen. Und der ist sehr energetisch auf der einen Seite, hat aber auch diese atmosphärischen Tiefenmomente und ich glaube, diese Spannung ist auch das, was dann im positiven Sinne durch den Abend treibt.“

Paul van Dyk  (Foto: Martina Stejskalová)
Ein DJ legt Platten auf, wie jeder weiß. Was machen Sie? – Was machen Sie anders?

„Ich bin da halt – ich weiß nicht, ob man sagen kann – einen Schritt weiter. Es ist halt eine andere Form, wo ich mich hinentwickelt habe. Ich bin in aller erster Linie auch Musiker. Und ich habe über die letzten 15 Jahre auch den selben Enthusiasmus für das Musikmachen entwickelt, wie für das Auflegen. Und als dann vor 5 Jahren die Möglichkeit war, das erste Mal auch Studio-Equipment auch ins DJ-Geschäft zu integrieren – da gab´s dann so die ersten Effekte an irgendeinem Mixer oder so – das war für mich natürlich toll. Und mittlerweile ist es so: Ich stehe mit zwei Computern auf der Bühne, die sind miteinander verbunden über Interfaces. Ich habe einen speziell für mich gemachten Mixer mit einem eigenen Midi-Mapping, ich habe Midi-Keyboards auf der Bühne, ich habe ganz viele Software-Syntesizer im Rechner, wo ich sehr sehr viel auch spiele. Das ist also eine Kombination – das ist so live wie es irgend geht als Ein-Mann-Show.“

Sie sind der „populärste DJ“ der Welt – wie konnte das passieren, wie wird man als DJ zum Star? Früher konnten das nur Leute mit einer Gitarre in der Hand!

Paul van Dyk  (Foto: Martina Stejskalová)
Ach weiß ich nicht. Ganz ehrlich, das ist ja auch immer so eine Projektion von außen auf jemanden. Also ich selber sehe mich ja nicht unbedingt als Star. Ich bin sicherlich sehr erfolgreich, bei dem, was ich mache, das hängt aber auch damit zusammen – das sehe ich natürlich noch viel mehr, als Leute von außen – das hat sehr viel mit viel Arbeit zu tun, mit einem sehr sehr guten Team zu tun, auch mit viel Disziplin zu tun und natürlich mit einem unglaublichen Enthusiasmus für die Musik. Das ist das, was man in dem Moment vermittelt. Also, ich habe noch nie ein Hotelzimmer zerkloppt, wenn das der maßgebliche Standard ist, ob jemand ein Rockstar oder ein Popstar oder was auch immer ist.“

Als DJ und Produzent von Techno und House lebt man davon, dass die Leute in Trance geraten, sich selbst und ihre Umgebung vergessen. Manche helfen dem auch mit Drogen nach. Sind Sie selbst ein disziplinierter Mensch? - Sie haben es ja immerhin zum „best international DJ“ gebracht!

„Ja, ich bin auch ein sehr verantwortungsbewusster Mensch. Ich weiß ganz einfach, dass ich mich heute Abend zum Beispiel nicht irgendwohin abschießen kann, weil ich morgen auch wieder einen wichtigen Gig habe und die Leute dort auch von mir erwarten könne, dass ich da hundert Prozent gebe und auch als ein Stück ankomme. Und insofern bin ich, was das betrifft, schon sehr sehr diszipliniert. Die andere Sache, auch jetzt in Bezug auf Drogen: Ich bin über das Radio in Kontakt gekommen zu dieser Musik, in der DDR, in Ost-Berlin. Das heißt, da gab es gar keine Drogen. Mich hat einfach diese Musik fasziniert, so, wie sie aus diesem kleinen Radio kam. Und es hat mich auch nie in irgendeiner Art und Weise gereizt oder tangiert, da jetzt dieses Gefühl irgendwie zu verändern durch irgendwelche Substanzen. Insofern bin ich da, was das betrifft, relativ rein unterwegs, mache aber auch niemand anderem tatsächlich einen Vorwurf, wenn er der Meinung ist, er muss es tun. Ich finde, das ist ein gesellschaftliches Problem. Die Frage ist immer, warum Leute versuchen, sich irgendwie wegzuschießen, aus ihrer Realität zu entfliehen. Sicherlich, weil die Realität nicht so lebenswert ist, wie sie es sich wünschen. Und das ist ein gesellschaftliches Problem. Das kann kein Musiker, das kann auch kein musikalischer Stil in irgendeiner Art und Weise ändern, sondern das müssen schon alle tun. Und insofern wäre es sinnvoller über Prävention, über Information Leute davor zu bewahren zum Beispiel vor Überdosen, oder was sie überhaupt ihrem Körper antun, ihnen das mal mitzuteilen. Viele wissen das ja gar nicht.“

Paul van Dyk  (Foto: Martina Stejskalová)
Sie haben vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit bzw. vom Land Berlin den Verdienstorden erhalten – Verdienste um die Hauptstadt, soziales Engagement. Wofür genau haben Sie den Orden bekommen?

„Ich habe gemeinsam mit dem ´Haus der Familie´ in Berlin ein Projekt gegründet, das ´Rückenwind´ heißt. Wir kümmern uns um Kinder aus Familien, wo es nicht so richtig stimmt, entweder, was die finanziellen Verhältnisse betrifft oder ganz einfach auch das Soziale innerhalb der Familie und für dieses Engagement gab es letztendlich diese Auszeichnung.“

Paul van Dyk  (Foto: Martina Stejskalová)
Sie haben es ja schon erzählt, Sie kommen aus Ost-Berlin. War das dann West-Musik, die Sie damals gehört haben?

„Ein Stück weit ja schon. Letztendlich war ja alles irgendwie West-Musik, es sei denn man wollte die Puhdys hören. Das war jetzt nicht unbedingt meine Musik. Tatsächlich die erste Band, die mich so richtig gekickt hat, das war eine Band aus Manchester – The Smiths. Ich weiß noch: Ich saß zu Hause und habe Hausaufgaben gemacht, war 10 Jahre alt und plötzlich lief was ganz anderes im Radio, ich fand´s total toll. (lacht) Und von da an war es dann um mich geschehen. Ich bin ein totaler Freak, wenn es um Musik geht. Aber es war schon eben auch immer Musik, die vielleicht nicht unbedingt das normale Pop-Ohr frequentiert. Und bei elektronischer Musik hat mich eben gerade diese offene Charakteristik, diese pure Energie gereizt, die ich toll fand und insofern war es natürlich auch eine Westmusik, weil es das im Osten ja gar nicht gab.“

Am 3. Oktober 2005 haben sie beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit gespielt. Was bedeutet der Tag für Sie als Ostberliner?

„Ganz persönlich verbindet mich damit der Frust, dass wir genau eine Woche vorher aus der DDR ausgereist sind, das heißt, dass wir in dem Moment alles verloren haben - oder vielmehr meine Mutter alles verloren hat, was sie in 40 Jahren Leben aufgebaut hat in der DDR. Insofern war das natürlich schon erst mal der Gedanke: ´So ´ne Kacke aber auch, jetzt haben wir die ganzen Idioten, vor denen wir wegwollten, wieder auf der Backe!´ Also, das war tatsächlich so der allererste Eindruck. Natürlich ein sehr individueller. Der wird auch der geschichtlichen Bedeutung dessen nicht ganz gerecht. Aber: Ich bin durch und durch von Demokratie getrieben, insofern ist das für mich natürlich ein ganz ganz wichtiger Tag. Die Demokratie hat ganz einfach gesiegt über eine Diktatur - und das friedlich. Und etwas Besseres kann es gar nicht geben!“

Paul van Dyk  (Foto: Martina Stejskalová)
Die Trance/House-Musik-Szene bestimmt man in den USA und in England. Was bedeutet es für Sie, eine Nacht im mittelosteuropäischen Prag aufzulegen?

„Es ist ja elektronische Musik und da gehören ja diese beiden Genres, die sie erwähnt haben dazu. Das ist ein globales Phänomen. Also man kann nicht sagen, das kommt von da oder von hier. Auch in Kalkutta machen Leute elektronische Musik und ich höre deren Musik und ich spiele auch Sachen von ihnen. Auch aus Prag zum Beispiel. Deshalb ist das für mich einfach kein großer Unterschied. Für mich ist immer der nächste Gig der allerwichtigste. Daher ist der wichtigste Gig, den ich irgendwie spielen kann, heute Abend dieser für mich. Und ich werde da wie immer die hundert Prozent geben, die ich abrufen kann und bin halt – wie gesagt – sehr sehr enthusiastisch bei all dem, was ich da so mache und freu mich drauf. Auf der anderen Seite muss ich auch sagen, ich war schon 1993 auch in Prag und hab da natürlich noch im wesentlich kleineren Rahmen aufgelegt. Und hier gab es auch schon immer eine tolle Szene.“

Paul van Dyk  (Foto: Martina Stejskalová)
Welcher Club war das?

„´Radost FX´ hieß der.“

Waren Sie da schon mal wieder?

„Lange nicht, nein.“

Man sieht ja, mit welchem Engagement Sie auf der Bühne stehen, Sie kommunizieren mit dem Publikum. Spüren Sie also, ob Sie in Prag, New York oder Berlin auf der Bühne stehen?

„Jedes Publikum ist anders. Da würde ich noch gar nicht mal den Unterschied zwischen Prag, New York, Berlin machen. Selbst wenn ich zum Beispiel in New York in zwei unterschiedlichen Locations auflege - oder selbst in derselben Location an zwei unterschiedlichen Abenden - ist das Publikum anders. Es ist immer ganz wichtig - und das ist für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil dessen - ich hab eine sehr klare Vorstellung von der Musik, die ich mag, von dem, was ich vermitteln will und was ich am Ende, quasi als Signal musikalisch stehen lassen will, wenn ich geh. Und der Weg dahin ist immer abhängig von der Interaktion mit den Leuten und die ist immer anders.“