Wer das nicht isst...

triko_napis_de.jpg
0:00
/
0:00

Werte, Kultur, Gemeinschaftsgefühl beim Sport, das sind nur einige Zutaten, die es braucht, um eine Nation zu backen. Die Tschechen haben dem Gemeinschaftsgefühl noch den Gemeinschaftsdruck beigegeben. "Wer nicht springt" - schreit es aus tschechischen Kehlen bei nationalen Sportereignissen - "wer nicht springt, ist kein Tscheche". Darüber hat schon meine Kollegin Bara Prochazkova berichtet.

Seit kurzem sieht man deshalb in den Kantinen öffentlicher Einrichtungen ein Plakat mit der Aufschrift:

Da aber - beim Sport nämlich - da hat es bei den Tschechen in der letzten Zeit nicht mehr so recht funktionieren wollen. Und das, obwohl das ganze Land gesprungen ist, bis sich die Balken bogen. Erst die 0:2-Fußball-Schmach im heimischen Stadion gegen Deutschland und dann, erst vergangene Woche, - die Wunde nässt also noch - eine Niederlage in der tschechischen Königsdisziplin, dem Eishockey. Abermals gegen Deutschland, einen echten Eishockey-Zwerg. Mit viel Springen ist nun also Schluss. Und man singt: Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist. A propos "isst" - Essen ist ein wirklich beständiger Wert in Tschechien. Anders als der Sport. "Kdo to neji, neni Cech!" - Wer das nicht isst, ist kein Tscheche. - Die Rückkehr zu den Klassikern. Darunter Leckereien wie Kuttelflecksuppe, Dukaten-Buchty mit Krem, Nierchen auf Zwiebeln, Leber mit Reis, Blutwurst mit Sauerkraut und die Schwejksche Schweinshaxe mit den sagenumwobenen tschechischen Flach-Knödeln, die - Achtung! - nicht zu verwechseln sind mit schnöden Weißbrotscheiben. Der Rückzug ins Private an Mutters Mittagstisch verspricht die nationale Rettung, mit ein bisschen Glück sogar die nationale Wiedergeburt. Und Recht haben die Tschechen. Denn nach wie vor gilt die alte Weisheit: "Du bist, was Du isst!". Wohl bekommt ´s!