Obstbauern frösteln: In Tschechien werden Bäume derzeit vor niedrigen Nachttemperaturen geschützt
Die Obstbauern in Tschechien haben ein anstrengendes Wochenende hinter sich. Der Nachtfrost ist nämlich zurückgekehrt. Wiederholt sich das Szenario vom vergangenen Jahr, als hohe Verluste zu beklagen waren?
„In jedem Feldabschnitt ist ein separates Thermometer angebracht. Über eine Telefon-App verfolgen wir, wie sich die Temperaturen entwickeln. Für diesen Obstgarten hier zeigt sie uns gerade minus 2,9 Grad an. Das ist in etwa die kritische Grenze.“
Luděk Laňar steht in den frühen Morgenstunden inmitten blühender Aprikosenbäume. Gemeinsam mit seinen Kollegen vom Forschungs- und Veredlungsinstitut für Obstbäume im ostböhmischen Holovousy verteilt der Wissenschaftler Frostkerzen, die die Pflanzen vor den niedrigen Nachttemperaturen schützen sollen.
„Eine Kerze kostet rund 30 Kronen und brennt sieben bis acht Stunden. Wenn man es hochrechnet, kommt man in einer Frostnacht auf etwa 60.000 Kronen pro Hektar.“
Umgerechnet sind das knapp 2400 Euro. Solche Kosten entstehen gerade vielen Obstbauern in ganz Tschechien. Nach einigen warmen Tagen sinken die Temperaturen seit dem Wochenende nachts wieder auf unter null. Der Verband der Obstbauern hat bisher noch keine Zahlen zu eventuellen Frostschäden herausgegeben. Und auch bei den Winzern sei die Bilanz noch offen, sagt Verbandspräsident Martin Chlad:
„Die Weinberge haben noch nicht die volle Vegetationsphase erreicht, in der ihnen die aktuellen Nachtfröste gefährlich werden könnten. Dennoch bekommen wir bereits zu verspüren, dass die Pflanzen inzwischen schon im Übergang vom März zum April treiben. Und dann kann es ein böses Erwachen geben. Bisher haben wir also noch nicht gewonnen, und das gilt noch bis ungefähr Mitte Mai.“
Wenig beunruhigt sind bis jetzt noch die Imker. Erst ein mehrwöchiger Frost würde den Bienen wirklich schaden, erläutert František Krejčí. Er ist der Sekretär des tschechischen Imkerverbandes:
„Bienen sind schon seit mehreren Millionen Jahren auf der Erde. Daher sind sie alle möglichen Temperaturschwankungen gewohnt. Sie schließen sich zu einem Schwarm zusammen. Jetzt sind die Waben schon voller Eier, die zur Entwicklung eine ideale Temperatur von 35 Grad brauchen. Der Schwarm wärmt die Eier, und damit überleben die einzelnen Völker den Frost.“
In der Nacht zum Montag gingen die Thermometeranzeigen in Tschechien auf bis zu minus sechs Grad zurück. Die kalte Luft werde das Wetter im Land noch eine Weile beeinflussen, sagt Miloš Dvořák vom Hydrometeorologischem Institut:
„Es sieht danach aus, dass die Fröste am Dienstag schwächer werden. Dann rechnen wir mit dichter Bewölkung, und darum werden die Morgentemperaturen zumeist bei null bis plus vier Grad liegen. Danach folgt aber eine weitere kritische Nacht auf den Mittwoch, für die wir Temperaturen von plus eins bis minus drei Grad voraussagen.“
ZUM THEMA
Es ist erst ein Jahr her, dass starker Frühjahrsfrost in Tschechien bis Ende April anhielt. Dadurch büßten die Obstbauern bis zu 80 Prozent ihrer Ernte ein, woran sich der Vizeverbandschef Ivo Pokorný nicht gern erinnert:
„So wie jeder, der finanziell von seinem Unternehmen abhängig ist, sind wir natürlich nervös. In den vergangenen zehn Jahren haben wir mehrmals deutliche Frostschäden hinnehmen müssen, was sich auf die gesamte Obstbaubranche niedergeschlagen hat. Und das letzte Jahr war wirklich fatal.“
Dennoch sei die Stimmung im Moment etwas optimistischer, ergänzt Pokorný. Die Obstbauern in Tschechien bleiben aber weiterhin in Bereitschaft, und das noch etwa einen Monat lang.








