„Dobrý den Radiožurnálu“: Tschechischer Rundfunk bereitet sich auf großes Wohltätigkeitsprojekt vor

Unseren Kollegen von den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks steht ein außergewöhnliches Wochenende bevor. Für Samstag und Sonntag ist ein 24-stündiger Sendemarathon geplant, bei dem alles live passiert – und bei dem vor allem Geld für gemeinnützige Zwecke gesammelt wird.

Am Samstag um 10 Uhr geht es los: 24 Stunden lang wird auf dem meistgehörten Sender des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunks, dem Radiožurnál, eine Sondersendung laufen, die es so noch nicht gegeben hat. Der „Dobrý den Radiožurnálu“, also der Gute Tag des Radiožurnáls, ist einzig und allein einem guten Zweck gewidmet. Es wird nicht nur über die Arbeit einer ganzen Reihe von Hilfsorganisationen informiert, sondern vor allem auch Geld für sie gesammelt. Wie die Idee dazu entstand, berichtet Radiožurnál-Chefredakteur Ondřej Suchan:

Ondřej Suchan | Foto: Elena Horálková,  Radio Prague International

„Der Tschechische Rundfunk ist für den NGO-Bereich wirklich sehr wichtig. Wir helfen sowohl blinden Menschen als auch Senioren, nämlich im Rahmen des Projektes ‚Weihnachtsenkel‘. Zudem unterstützen wir das Centrum Paraple oder auch Menschen mit Alzheimer. Und nun haben wir uns gefragt, was aktuell das Thema ist. Alle nehmen wir wahr, was in letzter Zeit passiert. In unseren Sendungen gibt es seit Jahresanfang viele Nachrichten über Schikane an Schulen oder auch über den Mord in Hradec Králové (verübt durch einen Jugendlichen, Anm. d. Red.). Und eine Pressemitteilung des Sorgentelefons spricht von zunehmenden Fällen von Selbstverletzungen bei Jugendlichen, über Angstzustände und über einen Anstieg bei Selbstmordversuchen.“

Am Wochenende steht beim Radiožurnál also die sogenannte Generation Z im Mittelpunkt. Zu hören sein werden die Vertreter von Organisationen, die jungen Menschen bei ihren Problemen helfen – seien es seelische Erkrankungen, gesellschaftliche Zwänge oder häusliche Gewalt. Suchan fährt fort:

„Ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahren für diese Menschen solche Bezeichnungen wie Schneeflocken oder zerbrechliche Generation aufgekommen sind. Das Ziel unseres Projektes ist, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir diese Terminologie ändern sollten. Diese Generation steht nämlich unter riesigem Druck.“

Gerade die sozialen Netzwerke würden dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche einer ständigen Bewertung unterlägen, so Suchan weiter. Das würden ältere Generationen so nicht kennen, und deswegen sei es wichtig, darüber öffentlich zu reden, begründet der Chefredakteur.

Zora Dušková | Foto: Veronika Hlaváčová,  Tschechischer Rundfunk

Eine der Einrichtungen, die am Wochenende unterstützt werden, ist das Kinderkrisenzentrum in Prag. Die Therapieräume im vierten Stadtbezirk sind als Spielzimmer eingerichtet, mit Plüschtieren oder etwa einem Puppenhaus. Leiterin Zora Dušková erläutert:

„Unser Ansatz ist die sogenannte Spieltherapie, mit der wir traumatisierten Kindern Erleichterung verschaffen. Sie sind vor allem im Vorschulalter oder gehen in die ersten Schulklassen. Dabei ist wichtig, Materialien zu haben, die an das Familienleben erinnern und an das, was zu Hause passiert. Denn es ist eine traurige Tatsache, dass die meisten Kinder, mit denen wir im Krisenzentrum arbeiten, in den eigenen Familien gequält oder missbraucht werden.“

Das Zentrum betreibt ein Krisentelefon und berät Eltern im Umgang mit gewalttätigen Angehörigen. Dabei sei es oft auch nötig, die Polizei einzuschalten, ergänzt Dušková.

Neben dieser Anlaufstelle werden sich beim Wohltätigkeitstag am Samstag elf weitere Hilfseinrichtungen und NGOs präsentieren. Die Sondersendung entsteht im Theater Jatka 78 in Prag-Holešovice, und mit dabei sind nicht nur Moderatoren des Tschechischen Rundfunks, sondern auch von privaten Fernsehsendern. Außerdem sitzen bekannte Influencer am Mikrofon, und die Musikbeiträge werden von namhaften Bands live gespielt. Alle Beteiligen verzichten auf ein Honorar, und die Spenden werden gleichmäßig auf die zwölf eingeladenen Organisationen aufgeteilt.

Dieser „Dobrý den“ solle keine einmalige Sache bleiben, kündigt Ondřej Suchan an. Denn gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe die Aufgabe, schon dann über gesellschaftliche Probleme zu berichten, wenn sie entstehen – und nicht erst über die tragischen Ereignisse, die daraus folgen könnten…

„Es sollte unser Ziel sein, mit dem Projekt nicht aufzuhören. Wenn alles gut läuft, wird der ‚Dobrý den Radiožurnálu‘ in den kommenden Jahren weitergeführt – dann wahrscheinlich zu einem anderen Thema, das wir unterstützen wollen. Es ist wirklich wichtig, dass wir über solche Dinge reden.“

Und das gelte nicht nur für die Sendeinhalte beim Tschechischen Rundfunk, sondern ebenso für die Hörer und besonders für die Eltern betroffener Kinder, fügt Suchan hinzu.

Autoren: Daniela Honigmann , Naděžda Hávová , František Šedivý , Veronika Hlaváčová | Quelle: Český rozhlas
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