Bis die Polizei kommt: Der rasende Europaabgeordnete Turek und seine Tachometer-Posts
Der tschechische Europaabgeordnete Filip Turek (parteilos) ist ehemaliger Rennfahrer. Doch die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, weil der Rechtsaußenpolitiker wiederholt Handyaufnahmen gepostet hat, die den Tacho seines Autos bei über 200 Stundenkilometern zeigen. Turek behauptet, die Fotos und Videos in Deutschland gemacht zu haben. Social-Media-Nutzer und Journalisten können jedoch nachweisen, dass viele Aufnahmen auf tschechischen Autobahnen entstanden sind, auf denen die Geschwindigkeitsbeschränkung bei 130 Stundenkilometern liegt.
Der Beifahrer im Ferrari jauchzt. Das seien jetzt 320 Stundenkilometer. Und der Fahrer entgegnet: 325. Der Mann am Steuer, das ist Filip Turek – ehemaliger Rennfahrer und seit vergangenem Sommer Mitglied der „Patrioten für Europa“, einer Rechtsaußenfraktion im Europäischen Parlament. Das Social-Media-Video ist rund drei Jahre alt. Es wurde laut den Recherchen von Journalisten auf der Autobahn D56 bei Ostrava / Ostrau aufgenommen. Turek fährt da also fast 200 Stundenkilometer mehr, als eigentlich in Tschechien erlaubt ist.
Das Video ist wieder aufgetaucht, nachdem sich Turek vor zwei Wochen auf Instagram mit weiteren Aufnahmen gebrüstet hatte. Und zwar sind es Handy-Fotos, die den Tacho seines Autos bei über 200 Stundenkilometern zeigen. Der 39-jährige Politiker behauptet, sie stammten aus der Nähe von München. Internet-User erkannten auf einer Aufnahme aber eine Stelle auf der tschechischen Autobahn D5 bei Plzeň / Pilsen. Die Polizei hierzulande hat nun die Ermittlungen aufgenommen.
„Für die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit außerhalb von Gemeinden um mehr als 50 Stundenkilometer droht dem Fahrer im Rechtsverfahren eine Strafe zwischen 7000 und 25.000 Kronen (280 bis 1000 Euro, Anm. d. Red.). Und damit verbunden ist ein Fahrverbot für motorisierte Fahrzeuge für einen Zeitraum von sechs bis 18 Monaten“, sagte Josef Bocán, Sprecher des Polizeipräsidiums, in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.
Die beiden Fotos lassen zudem den Schluss zu, dass Turek sie selbst gemacht hat. Handy am Steuer ist jedoch in Deutschland genauso wie in Tschechien verboten. Der EU-Abgeordnete hat also in jedem Fall gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen und dies auch noch publik gemacht.
Filip Turek wurde vom Wahlbündnis der Autofahrerpartei Motoristé sobě und der rechtspopulistischen Partei Přísaha (Der Eid) für die Europawahl nominiert. Petr Macinka ist Vorsitzender der Motoristé sobě. Er kommentierte, dass sich Turek äußern werde, wenn die Polizei in ihren Ermittlungen zu einem Ergebnis gekommen sei. Und Macinka schob noch gleich einen frauenfeindlichen Kommentar hinterher:
„Ich denke, gerade im Fall von Filip Turek ist eine Fahrt mit 200 Stundenkilometern in jedem Fall ungefährlicher als das Einparken von Danuše Nerudová. Denn er ist ein erfahrener Rennfahrer.“
Nerudová sitzt ebenfalls im Europaparlament. Sie wurde für die liberal-konservative Bürgermeisterpartei Stan gewählt und hatte Turek nach seinen Posts als „egoistischen Aufschneider“ bezeichnet.
Jenseits dieser Sticheleien haben sich auch einige weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu Tureks Verhalten geäußert. Denn Dutzende tschechische Autofahrer haben in den vergangenen Tagen ihre Tachos bei bis zu 299 Stundenkilometern fotografiert – und der Politiker hat diese Art Wettbewerb über seinen Instagram-Account veröffentlicht. Das hat den bekannten Rettungssanitäter Marek Dvořák aufgebracht:
„Ich habe die Folgen gesehen, wenn junge Menschen, die gerade erst ihren Führerschein erworben haben, bei ähnlichen Geschwindigkeiten im Nebel, in der Dunkelheit oder auf nasser Fahrbahn verunglückt sind.“
Dvořák bat daher Turek, andere Fahrer davor zu warnen, ihm nachzuahmen. Dem ist der Politiker letztlich nachgekommen. Die teils jungen Männer, die die Fotos geschossen haben, sind jedoch mittlerweile auch in den Fokus der Polizei geraten. Dvořák wiederum betont, dass er regelmäßig vom Prager Universitätskrankenhaus Motol zu Verkehrsunfällen fahre, deren Ursache überhöhte Geschwindigkeit war.
„Heute sind die Autos zwar sicherer als vor zehn oder 20 Jahren. Aber aus der Polizeistatistik des vergangenen Jahres geht hervor, dass 148 Verkehrsteilnehmer wegen überhöhter Geschwindigkeit auf der Straße gestorben sind. Und das ist keine geringe Zahl“, so der Rettungssanitäter.
Sie entspricht einem Drittel aller tschechischer Verkehrsopfer 2024. Ob sich dafür die Aufschneiderei lohnt?







