Mit Hauptschulabschluss zur Armee: Tschechien senkt Bewerberkriterien für Soldaten

Die tschechische Armee will mehr Personal rekrutieren. Nachdem man bereits die gesundheitlichen Voraussetzungen für den Dienst an der Waffe herabgesenkt hat, dürfen künftig auch Menschen mit Hauptschulabschluss dienen.

Bewerber auf einen Job bei der hiesigen Armee müssen auch in Zukunft mindestens 18 Jahre alt sein und die tschechische Staatsbürgerschaft haben. Aufgrund des Personalmangels dürfen auf einigen Posten aber auch Menschen eingesetzt werden, die nur eine Grundschule besucht haben. Das heißt, dass sie nach neun Jahren in der Schule einen ersten Abschluss erlangt haben, ähnlich dem Hauptschulabschluss in Deutschland.

Foto: René Volfík,  iROZHLAS.cz

Laut der Volkszählung von 2021 leben hierzulande über eine Million Menschen, deren höchster Bildungsabschluss das Grundschulzeugnis ist. Der Großteil von ihnen ist im Kreis Ústí nad Labem gemeldet – und im Kreis Karlovy Vary / Karlsbad. Dort leitet Milan Grund das Rekrutierungszentrum der Armee. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte er:

„In den letzten Jahren hatten wir immer Dutzende Interessenten mit Grundschulabschluss. 2024 etwa waren es rund 70 Bewerbungen. Viele dieser Menschen arbeiten außerhalb Tschechiens, vor allem in Deutschland. Denn für eine Anstellung in den dortigen Fabriken reicht ihr Abschluss komplett aus.“

In der tschechischen Armee werden die Absolventen einer Grundschule künftig nur die untersten Dienstgrade bekommen und etwa als Schützen oder Fahrer tätig sein. Nach zwei Jahren wird ihr Dienstverhältnis aufgelöst, wenn sie nicht einen weiteren Bildungsabschluss nachlegen. Miroslav Hlaváč ist stellvertretender Generalstabschef und sagt:

„Wenn sich diese Menschen bewähren, bieten wir ihnen an, eine Berufs- oder Mittelschule zu besuchen. Wir versuchen also, weiter mit ihnen zusammenzuarbeiten, und wenn sie ebenfalls möchten, können sie weiter in der Armee tätig sein.“

Bisher musste man in Tschechien mindestens einen Abschluss einer Berufsschule (výuční list) haben, um Soldat zu werden. In der anstehenden Änderung sieht Generalleutnant Hlaváč nun auch eine neue Chance für viele Menschen:

„Wir ermöglichen jungen Leuten, die eventuell keinen leichten Hintergrund haben, einen Start ins Arbeitsleben.“

Vor allem soll die Änderung der tschechischen Armee aber frischen Nachwuchs beschaffen. Denn das Durchschnittsalter der Soldaten liegt derzeit bei 38 Jahren. Um einer weiteren Alterung entgegenzuwirken, will man bestehende Kräfte halten und vor allem aber junge Leute anwerben. Mit der Gesetzesänderung, die ab 1. Juni gelten wird, steigt so etwa die einmalige Prämie für neu angeworbene Soldaten auf bis zu eine Million Kronen (40.000 Euro). Zuletzt wurden außerdem die sportlichen Eignungstests einfacher gestaltet und die gesundheitlichen Anforderungen heruntergeschraubt. Verteidigungsministerin Jana Černochová (Bürgerdemokraten) will zudem den monatlichen Sold für die Bediensteten der Streitkräfte anheben.

Autoren: Ferdinand Hauser , Kateřina Gruntová
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