Tschechische Komponistin Darja Kukal Moiseeva siegt beim internationalen „Rostrum of Composers“
Darja Kukal Moiseeva ist eine junge tschechische Komponistin. Im Mai konnte sie einen Erfolg feiern – und zwar beim 71. Wettbewerb International Rostrum of Composers in Ljubljana. Nominiert vom Tschechischen Rundfunk, gewann sie dort den ersten Preis in der Kategorie „Komponisten unter 30 Jahren“. Die Jury würdigte die Aufnahme ihrer Komposition „Calmness II“ für Klarinette und Vibraphon.
Darja Kukal Moiseeva, eine tschechische Komponistin mit russischen Wurzeln, wurde 1998 in Karlovy Vary / Karlsbad geboren. Dort unternahm sie im Alter von fünf Jahren auch ihre ersten Kompositionsversuche. Später studierte Kukal Moiseeva das Fach Komposition am Prager Konservatorium und an der Akademie der musischen Künste in Prag sowie im Rahmen des Erasmus+-Programms an der Kunst-Universität Graz. Für ihre Werke hat sie bereits mehrere Preise und Auszeichnungen erhalten, und jüngst eben jenen beim International Rostrum of Composers im Mai in Ljubljana. Dabei handelt es sich um ein seit 1949 bestehendes Forum des Internationalen Musikrates (IMC) der Unesco. Das Forum fördert durch Zusammenarbeit mit nationalen Rundfunkanstalten die zeitgenössische Musik. Bei der diesjährigen Auflage wurden 42 Werke vorgestellt, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind.
Die Komposition „Calmness II“ von Darja Kukal Moiseeva hatte in Ljubljana gleich doppelten Erfolg. Denn sie siegte nicht nur in der Kategorie der Komponisten unter 30 Jahren, sondern wurde auch in die Auswahl der neun sogenannten Empfohlenen Werke für die weltweite Ausstrahlung im Radio und die Aufführung auf Konzertbühnen aufgenommen.
Wie sie selbst sagt, will die Musikerin Ruhe in ihr Stück projizieren. Man solle für einen Augenblick im Jetzt verweilen, in der heutigen schnelllebigen Zeit die Ruhe genießen, der Melodie, den Harmonien und den Farben der beiden Instrumente lauschen – so ihr Plädoyer. Die Komposition macht laut Kukal Moiseeva wohl einen meditativen Eindruck. Sie gehe vom melodischen Unisono zu mehreren Klängen über, indem sie sich mit der klanglichen Verbindung zweier Instrumente beschäftige, so die Autorin des Stücks.
Gegenüber Radio Prag International sagte sie über die Entstehung ihrer Komposition für Klarinette und Vibraphon:
„Ich hatte eine Klangvorstellung in meinem Kopf und habe versucht, sie irgendwie akustisch auf die Instrumente zu übertragen. Die Klarinette war da genau richtig. Sie bietet recht viele technische Möglichkeiten, hat ein schönes Timbre und unterschiedliche Register. Als zweites Instrument wollte ich ein melodisches, harmonisches Instrument haben, aber kein Klavier. Denn ich wollte einfach nicht seinen Klang, an den ich allzu sehr gewöhnt bin. Ich wollte etwas Neues, das sich gut mit der Klarinette verträgt. Zu dieser Zeit gab es gerade ein Konzert, bei dem Anička Paulová und Štěpán Hon zusammen gespielt haben. Ich war sehr inspiriert und begann, über das Vibraphon nachzudenken. Als ich dann komponierte und mich mehr mit den Möglichkeiten des Instruments beschäftigte, dachte ich: Ja, das Vibraphon wäre die richtige Wahl. Und das war es wirklich. Das ist der Grund für die beiden Instrumente.“
Das Stück „Calmness 2“ sei eine freie Fortsetzung ihrer früheren Komposition „Calmness 1“, sagt Darja Kukal Moiseeva:
„Die Nummer eins ist für Solo-Cello. Und diese beiden Stücke habe ich zu einer Zeit geschrieben, als ich von einem äußeren Druck sehr überwältigt war. Jeder kennt die Situation. Die Anderen sagen einem immer wieder: ‚Mach mehr, das ist nicht das Richtige, mach einfach mehr…‘ Ich habe mir gedacht, dass ich aber so nicht arbeiten, sondern es genießen will. Ich habe dieses Stück für Solo-Cello in etwa zwei Tagen geschrieben. Es ist eine siebenminütige Komposition. Aber Sie können darin hören, wie es in mir kochte, und ich musste alles auf diese Weise verarbeiten.“
Nach dem Erfolg beim International Rostrum of Composers 2025 hat der Tschechische Rundfunk eine weitere Komposition bei Darja Moiseeva in Auftrag gegeben. Zudem schreibt sie derzeit auch etwas für das Nationaltheater in Prag und die Janáček-Philharmonie in Ostrava / Ostrau. Und worauf und worüber freut sich die Musikerin dabei?
„Ich will vor allem für Menschen schreiben. Die enge Zusammenarbeit mit den Interpreten macht sehr viel Spaß, erfüllt mich und inspiriert mich zum Komponieren. Der enge Kontakt ist sehr wichtig für mich, es ist einfach Live-Musik. Mein Traum ist es, im Hier und Jetzt zu sein und die Welle zu genießen, die gerade angerollt kommt und so schön ist. Ich kann gar nicht glauben, dass ich jetzt ein Leben führe, das ich mir nicht einmal als kleines Mädchen in der Grundschule vorstellen konnte. Ich habe keine Worte dafür.“







