Wenn die Grube schließt: Wo bieten sich für Bergarbeiter in Tschechien neue Jobchancen?

Bergwerk ČSM Sever, bei Stonava, Region Karviná

Für 250 Menschen im schlesischen Karviná begann der Montag nicht wie jeder andere Morgen bisher. Sie arbeiten nun nämlich nicht mehr in der letzten dort noch verbleibenden Steinkohlegrube. Denn im Rahmen der grünen Transformation stellt das Unternehmen OKD die Kohleförderung nach und nach ein. Welche Möglichkeiten gibt es für die ehemaligen Bergleute auf dem lokalen Arbeitsmarkt?

„Es gefällt mir nicht, aber was soll ich machen? Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich damit abzufinden.“

Lukáš Budaj hat einen Bergbauhammer auf dem Arm tätowiert und beendet gerade seine letzte Schicht in der Kohlegrube ČSM. Er muss sich nun eine neue Arbeit suchen…

„Ich dachte schon, als Bergarbeiter bin ich abgeschrieben. Aber es gibt noch Jobs. Mich reizt zum Beispiel der Tunnelbau, denn ich will unter Tage bleiben. Oder man kann auch als Fahrer arbeiten. Wir müssen eben etwas Neues ausprobieren.“

Damit spricht Budaj für sich und seine etwa 250 Kolleginnen und Kollegen, die noch bis Freitag für das Bergbauunternehmen OKD in Karviná gearbeitet haben. Die letzten beiden noch verbleibenden Gruben der Gegend sollen bis Februar kommenden Jahres komplett geschlossen werden. Dann endet der traditionsreiche Kohleabbau in Schlesien.

OKD-Geschäftsführer Roman Sikora | Foto: Vladimír Šmehlík,  Tschechischer Rundfunk

Die Belegschaft wird in Etappen entlassen, zu Ende August müssen weitere 150 Mitarbeiter gehen. Für Abfindungszahlungen stünden insgesamt 1,3 Milliarden Kronen (53 Millionen Euro) zur Verfügung, informiert OKD-Generaldirektor Roman Sikora. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks betonte er, alles sei langfristig und transparent geplant:

„Seit drei Jahren kündigen wir an, dass der Kohleabbau Ende 2025 oder mit etwas Verspätung im ersten Quartal 2026 eingestellt wird. Dieses Postulat hat sich bis jetzt nicht geändert, also sind die Menschen darauf vorbereitet.“

Als ein sehr verantwortungsvolles Vorgehen bezeichnet dies Martin Navrátil. Er ist der Direktor der Hilfsorganisation Moravskoslezský pakt zaměstnanosti (Mährisch-schlesischer Beschäftigungspakt). Für die Initiative kooperieren die Stadt Ostrava / Ostrau, die Kreisverwaltung sowie lokale Arbeitgeber, um ehemaligen Bergarbeitern zu neuen Jobs zu verhelfen. Dies sei nicht einfach, da die Menschen gern in ihrer Branche bleiben wollten, berichtet Navrátil. Die Leute müssten oft erst davon überzeugt werden, dass sie auch für andere Bereiche qualifiziert seien…

„Sie würden gern wieder in ganz ähnlichen Jobs wie bisher eingesetzt werden, also im Bergbau oder beim Unternehmen Metrostav – bei allem, was sich unter Tage abspielt. Solche Arbeitsplätze gibt es aber nur sehr wenige, das müssen wir uns einfach eingestehen. Ich würde die Suche also ausweiten auf den Maschinenbau, auf das Bauwesen oder etwa auf Forstarbeiten.“

Martin Navrátil | Foto: Moravskoslezský pakt zaměstnanosti

Dazu seien Umschulungen nötig, für die es allerdings ein breites Angebot gebe, ergänzt Navrátil und sagt weiter:

„Bedenken hätte ich bei sogenannten prekären Arbeitsplätzen. Das sind Gelegenheitsjobs ohne langfristige Absicherungen, die mitunter auch schwarz bezahlt werden. Es ist also nötig, die neue Arbeit sorgfältig auszuwählen und eine Vollzeitstelle zu finden. Darum würde ich allen Betroffenen empfehlen, sich an das Arbeitsamt zu wenden.“

Das Arbeitsamt bietet exklusiv für OKD-Mitarbeiter auch das Hilfsprogramm „Nová šichta“ (Neue Schicht) an. Es wurde gemeinsam mit dem Förderunternehmen aufgesetzt mit Unterstützung des Ministeriums für Arbeit und Soziales sowie des Verbandes für Industrie und Verkehr.

Laut OKD-Generaldirektor Roman Sikora werden bis zum Ende der Steinkohleförderung in Karviná noch etwa 650 Menschen beschäftigt. Nach Februar 2026 bleiben dann nur noch 150 der einst über 3000 Mitarbeiter in dem Staatsunternehmen. Es wird sich dann der Energiegewinnung aus Kohlemischungen und auch aus erneuerbaren Quellen widmen, wobei ebenso die Grubengase genutzt werden sollen. Zudem wolle OKD seine Investitionstätigkeiten ausbauen, so Sikora:

„Wir besitzen etwa 830 Hektar Grundstücke. Einige von ihnen eignen sich zum Bau von Hallen für die Leichtindustrie, für Lagerung oder Logistik. Und gerade in diesem Bereich wollen wir zukünftig tätig sein. Dazu wollen wir für den jeweiligen Klienten eine Werkhalle nach Maß errichten und sie dann langfristig an ihn vermieten. Dadurch sichern wir zukünftig die Einnahmen für OKD.“

Autoren: Daniela Honigmann , Martin Knitl | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen

Verbunden