„Wichtig gerade 80 Jahre nach Kriegsende“: Konferenz der Memory Studies Association in Prag

MSA Jahreskonferenz 2025

Mit 1400 registrierten Teilnehmenden beginnt am Montag in Prag die Jahreskonferenz der Memory Studies Association (MSA). Erstmals überhaupt findet diese interdisziplinäre Tagung in Mitteleuropa statt. Für die Organisation der großen Veranstaltung war vor allem die Geschichtsprofessorin Kateřina Králová verantwortlich, sie leitet das Forschungszentrum der Memory Studies am Institut für internationale Studien der Prager Karlsuniversität.

Kateřina Králová | Foto: Archiv von Kateřina Králová

Im Interview für Radio Prag International erläutert Králová, womit sich die Experten in der kommende Woche bei ihrer Konferenz beschäftigen werden und welche Bedeutung es hat, diese Veranstaltung auszurichten. So sagt sie:

„Ich bin sehr froh, dass diese Konferenz in Prag stattfinden kann. Ich finde sie gerade in diesem Jahr sehr wichtig – also 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn des Prozesses der Wiedergutmachung, aber auch des Vorfelds des Kalten Krieges. Denn zu all diesen Themen haben wir ziemlich viel zu sagen. Und sie sind für uns auch sehr wichtig.“

Die Expertin weist aber auch auf weitere Jahrestage hin wie 50 Jahre seit dem Ende des Vietnamkriegs und 30 Jahre seit dem Massaker von Srebrenica im Jugoslawienkrieg.

„Erinnerungsstudien“ oder „Gedächtnisforschung“

Was aber sind eigentlich Memory Studies? Králová gesteht, dass der Begriff nicht so eindeutig ins Deutsche zu übersetzen sei. Er wird unter anderem mit „Erinnerungsstudien“ oder „Gedächtnisforschung“ wiedergegeben. Gemeint ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das sich damit beschäftigt, wie die Vergangenheit von Menschen und Gesellschaften erinnert und inszeniert wird. Dabei sind laut Králová genauso Geistes- und Sozialwissenschaften wie Naturwissenschaften oder etwa Neuropsychologie und digitale Forschung angesprochen.

Insgesamt haben sich 1400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Konferenz in Prag registriert. Sie kommen aus bis zu einhundert Ländern der Welt – von Indien und Australien bis nach Südamerika. Diese Jahreskonferenz der MSA findet im Wechsel in Europa und außerhalb Europas statt, aber erstmals eben in Mitteleuropa. Und das äußert sich auch bei den Registrierungen:

„Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus Deutschland, aber auch Österreich, der Schweiz, Polen, Ungarn, der Slowakei kommen – also aus allen unseren sozusagen Nachbarländern, die uns am nächsten liegen – ist wirklich sehr groß“, so Králová.

Koryphäen und Nebenveranstaltungen

Erwartet werden auch Koryphäen dieses Forschungsfelds wie die Frankfurter Literaturwissenschaftlerin Astrid Erll, der US-amerikanische Soziologe Jeffrey Olick, die Literaturwissenschaftlerin und Historikerin Ann Rigney, aber auch die scheidende MSA-Präsidentin Joanna Wawrzyniak aus Warschau sowie ihre neu gewählte Nachfolgerin Barbara Törnquist-Plewa aus Lund in Schweden.

Neben den Fachdiskussionen haben sich die Veranstalter bemüht, auch der Öffentlichkeit einiges anzubieten. Dabei habe man immer auch Fragen der Sicherheit abwägen müssen, erläutert Kateřina Králová. Diese sogenannten Side Events werden unter anderem auch zusammen der deutschen Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ sowie dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds organisiert. Des Weiteren laufen einige kurze Ausstellungen.

Mehr Informationen zum offiziellen Programm, den Side Events und Ausstellungen finden sich unter https://msaprague2025.dryfta.com/index.php.