Juni-Inflation in Tschechien vergleichsweise hoch – Nationalbank glaubt aber an 2,5-Prozent-Ziel

Im Juni hat die Inflationsrate in Tschechien ihren bisher höchsten Wert in diesem Jahr erreicht. Wo liegen die Gründe? Und was bedeutet das nun für die weitere Entwicklung?

Um 2,9 Prozent verteuerten sich die tschechischen Verbraucherpreise im Juni. Dies war der stärkste Preisanstieg in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. Bei den Menschen hierzulande werden damit auch ungute Erinnerungen an das Hochinflationsjahr 2022 wieder wach.

Statistikamt | Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

Aus den Angaben des Statistikamtes (ČSÚ) geht hervor, dass sich im Juni hierzulande besonders die Lebensmittel verteuert haben. Vor allem waren dies Fleisch, Milch und Butter. Ebenso steigen die Preise von Dienstleistungen schon seit längerem an. Droht womöglich eine neue Preisspirale? Der Ökonom Jakub Seidler gehört dem Bankenrat der Tschechischen Nationalbank (ČNB) an. Im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks gab er Entwarnung:

Jakub Seidler | Foto:  ČT24

„Man muss sicher nicht beunruhigt sein. Denn schon im Vorfeld wurde davon ausgegangen, dass gerade die Inflationsrate im Juni wahrscheinlich die höchste in diesem Jahr sein wird. Dahinter stehen einige statistische Effekte. So vergleichen wir die Preisentwicklung in einem Monat immer mit jener des gleichen Monats ein Jahr zuvor. Und im Juni 2024 sind die Preise in einigen Bereichen wenig traditionell sogar gesunken.“

In den weiteren Monaten dieses Jahres dürfte die Teuerungsrate wieder geringer ausfallen, glaubt Seidler. Und zwar in Richtung dem vorherigen Durchschnittswert von rund 2,5 Prozent.

In einem Bereich liegt allerdings der Preisanstieg schon seit längerem höher als der durchschnittliche Wert. Es sind die Dienstleistungen. Dort erreichte die Rate im Juni über fünf Prozent, in den Monaten davor aber nur leicht unter fünf Prozent. Der Wirtschaftsexperte erläutert den Grund:

Illustrationsfoto: Michal Jarmoluk,  Pixabay,  Pixabay License

„In großem Maß hängt das mit dem Anstieg des Nominallohns in Tschechien zusammen, dieser liegt bei sieben Prozent. Und gerade bei Dienstleistungsfirmen machen die Löhne einen größeren Teil der Kosten aus. Das heißt, da die Lohnentwicklung dynamisch ist, sehen wir im Bereich der Dienstleistungen einen stärkeren Preisanstieg, als wir uns wünschen würden. Außerdem spiegeln sich in dem Anstieg auch die steigenden Immobilienpreise und Wohnkosten wider.“

Das Inflationsziel der Tschechischen Nationalbank für 2025 liegt bei 2,5 Prozent. Laut Seidler gehen sowohl der Bankenrat, als auch alle weiteren Institutionen auf dem Markt davon aus, dass dieses Ziel weiterhin erreicht werden kann.

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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