KI an Schulen in Tschechien: Schüler sind den Lehrern voraus
Technologien der Künstlichen Intelligenz (KI) werden auch in tschechischen Schulen immer öfter bewusst genutzt. Den Eltern ist jedoch wichtig, dass ihre Kinder einen kritischen Umgang mit den Apps lernen.
„Wenn wir ein bestimmtes historisches Thema durchnehmen, lege ich einen eigenen Chatbot an. Er schöpft aus Informationen, die ich ihm eingebe. Für die Recherche von Informationen verweise ich die Schüler dann auf diesen Chatbot.“
Andrej Novik ist Geschichtslehrer an der Prager Grundschule Nika, die sich selbst als innovative Schule bezeichnet. In seinen Stunden setzt Novik Künstliche Intelligenz schon regelmäßig ein. Er mache nämlich nicht die Erfahrung, dass die Schüler solche Technologien missbrauchen und damit betrügen würden:
„Als Lehrer kann ich für meinen Unterricht entscheiden, dass dort ein Chatbot genutzt wird. Mit den Schülern einige ich mich aber erst auf einige Regeln. Das kann etwa die einzelnen Phasen betreffen. Wer zum Beispiel nicht weiß, wie er ein Thema angehen soll, kann die KI zum Brainstorming verwenden.“
Damit hält Novik offenbar Schritt mit seinen Schülern. Denn 72 Prozent aller Jugendlichen, die in Tschechien die sechste oder eine höhere Klasse besuchen, nutzen KI in ihrer Freizeit und zu 69 Prozent auch für schulische Zwecke. Dies belegt die aktuelle Studie „AI kompas“ des Unternehmens Scio, das vor allem Schul- und Aufnahmeprüfungen nach vergleichbaren Standards entwickelt. Helena Beranová arbeitet für Scio Research und hat die neuste Studie mit verfasst:
„Wir erkennen einen neuen Trend, von dem wir erwarten, dass er in Zukunft noch zunehmen wird. Rund zehn Prozent der Schüler nutzt KI-Instrumente nämlich für Gespräche über Beziehungen, Stimmungen und Gefühle.“
Die Analyse besagt auch, dass die Jugendlichen auf KI viel häufiger zurückgreifen, als es ihre Eltern und Lehrer tun. 69 Prozent der Mütter und Väter meinen zudem, dass die Technologien in den Schulunterricht gehören. Sie wollten nur darüber informiert werden, fügt Beranová hinzu:
„Die Mehrzahl der Eltern ist sich einig, dass die Kinder in der Schule lernen sollten, mit KI umzugehen. Dazu gehören Themen, wie man sie sicher anwenden kann oder dass die Ergebnisse kritisch bewertet werden sollten.“
Derzeit würden die Kinder und Jugendlichen in Tschechien ihr Wissen über KI vor allem aus dem Internet, den sozialen Netzwerken oder von Freunden beziehen, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Die Schule steht dabei erst an vierter Stelle. Ein Drittel der befragten Lehrer wünscht sich jedoch, dass die Anwendung von KI im Unterricht nur auf einem minimalen Level stattfinden sollte. Co-Autorin Miroslava Hapalová von Scio Research findet es wichtig, dass den Pädagogen bei der Umstellung auf die entsprechenden Technologien geholfen werde:
„Es muss der Raum dafür geschaffen werden, damit die Schulen KI-Instrumente systematisch einführen können. Die Lehrer sollen dafür nicht extra am Abend lernen müssen. Und es muss Rahmenbedingungen für sie geben, in denen sie auch ihre Befürchtungen äußern können, zum Beispiel zu ethischen und Sicherheitsfragen bei der Nutzung von KI.“
Für die Studie „AI kompas“ wurden von Dezember 2024 bis März 2025 mehr als 3400 Schüler von Grund- und Mittelschulen in ganz Tschechien befragt. Teilgenommen haben auch über 770 Eltern sowie knapp 400 Lehrer und Direktoren.
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