Fußball-Nationaltrainer abberufen: Tschechischer Verband sucht nach ausländischem Nachfolger
Ivan Hašek ist seit Mittwoch nicht mehr Trainer der tschechischen Fußball-Nationalmannschaft. Der frühere Nationalspieler stolperte über die Niederlage seiner Schützlinge auf den Färöern. Nun sucht der Verband nach einem Nachfolger – und erstmals in der Geschichte könnte es ein ausländischer Coach werden.
Als nach dem WM-Qualifikationsspiel zwischen den Färöern und Tschechien nur die Färinger sangen, war es schon zu ahnen: Die Zeit von Trainer Ivan Hašek an der Spitze des tschechischen Teams geht zu Ende. Es war eine peinliche Niederlage, mit 1:2 hatten seine Schützlinge beim 136. der Weltrangliste verloren.
Am Mittwoch wählte die Führung des tschechischen Fußballverbandes einstimmig Hašek als Nationaltrainer ab. Dabei war das Minimalziel für die WM-Qualifikation gar nicht in Gefahr. Denn mit einem Sieg gegen Außenseiter Gibraltar im November stehen die tschechischen Fußballer sicher in den Play-offs um die Teilnahme am Championat im kommenden Jahr. Pavel Nedvěd ist Generalmanager der Nationalmannschaft und bekannte aber nach der Sitzung der Verbandsführung:
„Wir haben nicht nur auf das Spiel auf den Färöern geschaut. Sondern wir sind in einer Phase, in der wir vorausblicken müssen. Und ich fühle mich nicht wohl beim Gedanken an die Play-offs. Weil ich weiß, dass da einfach mehr kommen muss.“
Denn in den Play-off-Spielen wartet vielleicht sogar ein richtig großer Brocken – etwa Italien oder die Türkei. Doch der Verband blickt noch viel weiter nach vorne – und könnte erstmals in der Geschichte des tschechischen und tschechoslowakischen Fußballs einen A-Nationaltrainer aus dem Ausland engagieren. David Trunda ist der Verbandsvorsitzende und sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz:
„Wir wollen eine konzeptionelle Lösung, die – sagen wir – bis ins Jahr 2030 Sinn ergibt. Pavel Nedvěd als Generalmanager wurde daher jetzt damit beauftragt, eine längere Liste von möglichen Bewerbern aus dem Ausland zusammenzustellen.“
Allerdings rechnet Trunda nicht vor Januar mit der tatsächlichen Auswahl eines Nachfolgers von Hašek. Eventuell würde dieser sogar erst im nächsten Sommer unter Vertrag genommen. Deswegen wird auch noch für den Übergang eine Lösung gesucht.
Aber warum eigentlich kein tschechischer Trainer?
„Die besten hiesigen Trainer stehen bei den Spitzenklubs hierzulande unter Vertrag. Für uns ist es schwer, an sie heranzukommen“, erläuterte Nedvěd.
Die Experten sind gespalten in ihrer Meinung. Ex-Nationaltrainer Karel Rada meinte beispielsweise in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks, dass es doch zahlreiche geschickte jüngere Trainer in Tschechien gebe. Der frühere Nationalspieler Pavel Horváth erinnerte daran, dass ein Fußballlehrer aus dem Ausland wahrscheinlich deutlich teurer im Gehalt sein könnte als einer von hier. Und der Verband ist nicht gerade mit viel Geld gesegnet, wie in den vergangenen Jahren immer wieder betont wurde.
Weitere Fachleute erwähnten auch die Sprachbarriere oder die andere Mentalität. So etwa Jiří Chytrý, der Assistent des ehemaligen Nationaltrainers Jaroslav Šilhavý war. Aber er merkte ebenfalls an:
„Solch ein Trainer kann aber auch einen neuen Zugang bringen. Wenn wir also einen Ausländer engagieren wollen, sollten wir genau wissen, was er an Neuem einbringen kann, das die hiesigen Trainer nicht haben.“
Etwas vertrackt könnte die Lage aber werden, sollten die Fußballer unter einem tschechischen Übergangstrainer erfolgreich die Play-offs zur Weltmeisterschaft meistern. Will man diesen dann wirklich wieder abberufen?








