Rapper Ski Aggu bringt Berliner Flair nach Prag

Der Berliner Rapper Ski Aggu vor seinem Konzert in Prag

In Deutschland ist er mit seinen Hits „Party Sahne“ und „Friesenjung“ eine Größe in der Partymusikszene. Ursprünglich kommt Ski Aggu aus Berlin-Wilmersdorf. Mit knapp fünf Millionen Hörern monatlich auf Spotify ist er längst ein etablierter deutscher Musiker. Doch scheinbar reicht ihm Deutschland nicht. Deswegen tourt Ski Aggu seit Anfang dieses Jahres durch die ganze Welt. Der Berliner Rapper hat mit seiner World Tour am Donnerstag Halt in Prag gemacht. Emely Sander teilt ihre Eindrücke vom Konzert und konnte vorher persönlich mit dem Künstler über seine Tour und sein Album „Wilmersdorfs Kind“ sprechen.

Foto: Ferdinand Hauser,  Radio Prague International

Rund 800 Fans kamen am Donnerstag im ausverkauften Club Roxy in Prag zusammen, um gemeinsam mit Ski Aggu zu feiern. Seine Songs, die oft ein Mix aus Partybeats, Rap, Humor und Berliner Schnauze sind, kommen sogar im Ausland gut an. Zugegebenermaßen hatte man das Gefühl, dass die Hälfte der Besucher aus Deutschen bestand. Das spielte aber keine Rolle, denn an dem Abend kamen alle für eine Sache zusammen: Den Mann mit der Skibrille. Man kennt ihn normalerweise von großen Festivals, auf denen er vor tausenden von Menschen auftritt. Nun blieb die Besucheranzahl bewusst deutlich unter dem Wert. Die Stimmung war aber nicht weniger elektrisierend. Regelmäßige Moshpits, ein Schlagerstrudel und Stopp-Tanz gehörten zum Abendprogramm dazu. Auch Ski-Aggu-Fan Marie war begeistert. Sie kommt aus Mannheim und studiert zurzeit in Prag.

Der Voract sarah4k | Foto: Emely Sander,  Radio Prague International

„Ich fand es richtig gut! Mit dieser Stimmung habe ich wirklich nicht gerechnet. Die Menschen haben einfach mitgefeiert und Ski Aggu ist super. Das Konzert war eine zehn von zehn.“

Ski Aggu hielt seine Show auf Englisch ab. Die Songs waren weiterhin auf Deutsch. Eine Besonderheit gab es allerdings. Zuvor hatte der Künstler angekündigt, dass die erste Hälfte seiner Show ohne Handys stattfinden soll. Auf Instagram hieß es: „Keine Ablenkungen, keine Telefone. Es soll eine Erfahrung für alle sein, die im Moment leben. Ich brauche eure volle Energie.“ Am Eingang wurden die Kameras dann mit Stickern abgeklebt. Und es ist schon sehr angenehm, kein Meer aus Mobiltelefonen zu sehen. Bereits der Voract sarah4k hat mit ihrem Mix aus Techno und Gesang ordentlich Stimmung gemacht. Was ist der Eindruck der gebürtigen Bremerin von dem Abend?

„Ich habe heute den Support für Ski Aggu gemacht und es war so gut! Seine Show hat mich auch total inspiriert und ich bin so dankbar dafür, dass die Konzertbesucher meinen Auftritt so gefeiert haben.“

Der Mann mit der Skibrille

Wie kam der deutsche Rapper überhaupt auf die Idee eine World Tour zu machen? Das hat mir Ski Aggu vor seinem Konzert im Interview für Radio Prag International erzählt:

Foto: Aus dem Archiv von Emely Sander,  Radio Prague International

„Über Social Media haben wir mitbekommen, dass es auch internationale Fans gibt. Und dann haben wir uns gedacht, warum nicht die Leute treffen und ihnen die Chance geben, mich zu sehen und eine internationale Tour zu machen. Ich finde es auch richtig toll, mal wieder die kleinen Shows zu spielen. Das hat sich gut ergeben und es macht sehr viel Spaß.“

Gibt es einen bestimmten Grund, dass Prag der erste Stopp in Europa ist?

„Das hat wegen der Route einfach gepasst. Wir haben uns mit Prag auf jeden Fall die beste Stadt in Europa dafür ausgesucht. Und an alle, die fragen, wann ich wieder in Deutschland auftrete: Ich werde auch wieder in Deutschland spielen. Aber jetzt mache ich kurz diese Nebenaufgabe hier in Europa.“

Nun hast du deine USA-Shows schon hinter dir. Welches der Konzerte hat dich am meisten überrascht?

Das Roxy ist mit ca. 800 Ski-Aggu-Fans gefüllt | Foto: Emely Sander,  Radio Prague International

„Chicago fand ich extrem verrückt. Das hätte ich nicht gedacht, dass es da so wild zugeht. Die waren komplett im Hier und Jetzt und hatten eine starke Energie. Man weiß nicht, was einen erwartet, wenn man in einem anderen Land auftritt und Chicago war schon sehr überraschend.“

Dein neuestes Album „Wilmersdorfs Kind“ wurde letztes Jahr im August veröffentlicht. Man findet eine Auswahl an Party-Songs, aber es sind auch ernste Songs auf der Platte, zum Beispiel „egoist“. Welche Art von Songs waren denn für dich am herausforderndsten zu schreiben oder zu produzieren?

Foto: Emely Sander,  Radio Prague International

„Ich würde sagen, dass ein Song wie ‚egoist‘ ziemlich schnell zu machen war. Ich habe einfach aufgeschrieben, was mir durch den Kopf ging. Der Song hat natürlich auch viel mit mir gemacht, aber er hatte gar keinen so großen Arbeitsaufwand. Wohingegen es dann andere Songs gibt, an denen man ständig Dinge ändert. Das zieht sich eine Ewigkeit. Ich habe zum Beispiel einen aufwendigen Song, der ganz viele verschiedene Versionen hat, aber den werde ich nicht veröffentlichen. Wenn man so lange Zeit an einem Song arbeitet, so viel ändert und immer noch nicht zufrieden ist, dann muss er vielleicht auch nicht veröffentlicht werden. Ich nehme mir oft viel Zeit für meine Songs und gehe auch noch einmal drüber. Da steckt viel Arbeit drin.“

Foto: Aus dem Archiv von Emely Sander,  Radio Prague International

Jetzt muss ich nochmal auf deine Skibrille zu sprechen kommen. Die ist dein Markenzeichen und gehört einfach zu Ski Aggu. Woher stammt die Idee?

„Damals, als ich angefangen habe zu rappen, wollte ich mein Gesicht verdecken. Ich habe mir aber nicht die Mühe gemacht, mir eine besondere Maske anfertigen zu lassen. Ich dachte: ‚Ich rappe nur aus Spaß. Wieso sollte ich jetzt so einen großen Aufriss daraus machen?‘ Und dann habe ich einfach eine Skibrille genommen, die ich zu Hause liegen hatte. Der Rest ist Geschichte.“

Wenn du jetzt eine Sache nennen müsstest, die sich am stärksten seit deinem Hit „Party Sahne“ verändert hat, was wäre es?

Foto: Emely Sander,  Radio Prague International

„Ich würde sagen, dass ich nur noch das mache, worauf ich Lust habe und, dass ich nicht mehr arbeiten gehen muss. Das ist schon sehr geil.“

Was wäre denn die Alternative gewesen, wenn es nicht Musik geworden wäre?

„Ich weiß nicht, ich wusste nie, was ich werden will. Aber wahrscheinlich wäre ich dann ein erfolgreicher Rechtsanwalt geworden.“

Meine abschließende Frage, bevor du zur Probe musst: Du sagst selber, dass du kein Rapper bist. Was bist du dann?

„Ich revidiere meine Aussage. Doch, ich bin auf jeden Fall ein Rapper. Und auf meinem nächsten Album werde ich es euch allen zeigen, dass ich ein Rapper bin.“

Ob das schon ein ernstzunehmender Hinweis auf sein nächstes Album ist? Ski Aggus weitere Konzerte in Europa sind auf jeden Fall bereits ausverkauft und weiter geht es am Samstag in Warschau.

Autor: Emely Sander
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