Russen zerbombten ihr Stadion – Tschechen organisieren Camp für Eishockeynachwuchs aus Cherson

Eishockeytorwart Dominik Hašek trainierte mit jungen Ukrainern aus Cherson

Ihr Eishockeystadion im ukrainischen Cherson ist eine Ruine, nachdem es im Frühjahr von den Russen bombardiert wurde. Dank tschechischen Spendern wurde nun in Tschechien ein Trainingscamp für die Nachwuchsmannschaft aus Cherson organisiert.

Im Eishockeystadion im mittelböhmischen Benátky nad Jizerou ist ein Mix von Englisch, Tschechisch, Ukrainisch und Russisch zu hören. Die Sporthalle Favoryt im ukrainischen Cherson fiel vor einem halben Jahr den russischen Bomben zum Opfer. Die Stadt wird weiterhin ständig beschossen, und es können dort keine Sportveranstaltungen stattfinden. Die Mitarbeiter des Zeitzeugenprojekts Paměť národa (Memory of Nation) haben darum beschlossen, den Eishockeyjunioren aus Cherson unter die Arme zu greifen und ein Trainingscamp für die Nachwuchsspieler zu organisieren. Viktor Martínek betreut die Spieler hierzulande. Er studiert an der Karlsuniversität und hat sich im Fach Sportunterricht auf Eishockey spezialisiert.

Eishockeytorwart Dominik Hašek trainierte mit jungen Ukrainern aus Cherson | Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

„Ich bin tief bewegt, wenn ich sehe, wie sich die Jungs darüber freuen, dass sie überhaupt die Möglichkeit haben, zu spielen. Ich würde sagen, dass ihre Freude bedeutend größer ist als bei Jungen, für die ein Training ganz normal ist.“

Der junge ukrainische Spieler Ilya erklärte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Nachdem unser Stadion zerstört und die Stadt noch stärker bombardiert worden war als zuvor, sind wir nach Kiew gezogen. Ich gehe normal zur Schule und ein paar Mal in der Woche trainieren wir. Beim Luftalarm gehen wir in den Luftschutzraum.“

Das Training der jungen Eishockeyspieler schaute sich auch der ukrainische Botschafter in Tschechien, Vasyl Zvarych, an. Er betonte:

„Es gab noch nie ein solches Camp für unseren Eishockeynachwuchs in Tschechien. Dies ist das erste Mal, dass so etwas auf die Beine gestellt wurde. Dafür sind wir dankbar. Die zwei Wochen in Tschechien sind für die Kinder sehr wichtig. Sie bereiten sich derzeit auf den Eishockeywettbewerb vor, der in der Ukraine läuft.“

Mit Beifall wurde von den Teilnehmern die Eishockeylegende Dominik Hašek begrüßt. Der ehemalige tschechische Torwart spielte 18 Jahre lang in der NHL. Der Olympia-Sieger von Nagano und zweimalige Stanley-Cup-Sieger gewann zudem zahlreiche Trophäen in der NHL. Gleich sechsmal wurde er mit der Vezina-Trophy für den besten Torhüter ausgezeichnet. Hašek begrüßte die Eishockeyspieler und versprach ihnen, sie wieder zu besuchen.

„Ich habe die Ukraine seit dem Kriegsbeginn dreimal besucht. Und ich werde das ukrainische Volk weiterhin unterstützen. Das ukrainische Eishockey ist meine Herzensangelegenheit. Denn ich liebe diesen Sport. Es wäre sehr schade, wenn das Eishockey dort verschwinden würde. Immer wenn ich dorthin komme, sage ich, dass man die Kinder nicht vergessen darf. Wenn das Stadion zerbombt wurde, ist es jedoch schwierig, die Kinder zum Training zu bringen. Ich bin froh, dass wir ihnen mit diesem Camp wenigstens ein bisschen helfen konnten.“

 Eishockeyjunioren aus Cherson  | Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

Die Idee, ein Trainingscamp für die Eishockeyjunioren in Tschechien zu organisieren, entstand im April dieses Jahres, als das Team von Paměť národa humanitäre Hilfe nach Cherson brachte. Sie hätten ihm und seinen Kollegen das Gebäude des Stadions Favoryt gezeigt, dass die Russen zwei Tage vorher zerstört hätten, erzählt Martin Kroupa von Paměť národa. Kroupa kontaktierte anschließend Dominik Hašek. Gemeinsam schrieben sie einen Brief an die Verwaltung der Region von Cherson und luden die Eishockeyspieler nach Tschechien ein. Es habe ein halbes Jahr gedauert, einige Hunderttausend Kronen zusammenzutragen und das Camp zu organisieren, erzählt Kroupa und merkt an:

„Für die Kinder ist es eine große Erleichterung. Wir haben vereinbart, dass wir versuchen werden, weitere finanzielle Mittel zusammenzutragen, um dem Nachwuchs aus der Region von Cherson und den weiteren bombardierten Regionen zu ermöglichen, sich in Tschechien ein wenig zu entspannen.“

Autoren: Martina Schneibergová , Ľubomír Smatana | Quelle: Český rozhlas
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