Zwischen Prag und Tokio: Erste digitale Radioübertragung vor 40 Jahren
Im November 1985 sendete der Tschechoslowakische Rundfunk als erste Radiostation weltweit digitale Töne auf einen anderen Kontinent. Dabei wurde ein Konzert aus Prag nach Tokio übertragen.
Der Tschechoslowakische Rundfunk wurde zum Pionier im Bereich des digitalen Rundfunks, als er am 24. November 1985 ein Konzert des Radio-Sinfonieorchesters Prag aus dem Prager Konzerthaus Rudolfinum nach Tokio übertrug. Die Uhrzeit für das Konzert wurde mit Bedacht gewählt: Mittags in Prag bedeutete am Abend in Tokio, der ideale Zeitpunkt für die dortigen Zuhörer. Sie konnten somit eine Weltpremiere miterleben: Zum ersten Mal wurden digital übertragene Töne in Echtzeit zwischen zwei Kontinenten übertragen.
Diesem Erfolg ging eine lange Vorbereitung voraus. Laut dem damaligen technischen Direktor des Rundfunks, Jaroslav Junek, wurde die digitale Übertragung zunächst auf kürzeren Strecken getestet, beispielsweise nach Bratislava. Es gab auch Komplikationen – die Kontrollstellen hielten das ungewöhnliche Signal für eine Störung und griffen ein. Erst nachdem diese Details geklärt waren, konnte die Verbindung zwischen Prag und Tokio hergestellt werden.
Interessant ist, dass der japanische Sender FM Tokio ursprünglich auch andere Rundfunkanstalten angesprochen hatte, darunter die britische BBC, die eine Zusammenarbeit jedoch ablehnte. Der Tschechoslowakische Rundfunk erlangte damit eine Vorreiterrolle. Das erfolgreiche Experiment inspirierte zu weiteren Übertragungen – kurz darauf folgten Konzerte aus Berlin und Boston.
Und wie kam die digital codierte Musik beim japanischen Publikum an? Den damaligen Reaktionen zufolge lobten die Zuhörer nicht nur die künstlerische Qualität, sondern auch die technische Reinheit der Übertragung. „Sie hatten das Gefühl, direkt im Dvořák-Saal zu sitzen“, hieß es damals aus Tokio.







