Ob Pilsner Urquell oder Sparta Prag: Temu bietet gefälschte tschechische Marken an

Ein auffallend günstigerer Preis und Produkte, die vom Original praktisch nicht zu unterscheiden sind. Der Handel mit Billigwaren und Plagiaten aus China boomt auch in Tschechien. Gefälschte Marken werden oft von chinesischen Online-Marktplätzen wie etwa Temu angeboten.

Trikots und andere Fanartikel tschechischer Fußballvereine, Handtücher mit dem Logo von Pilsner Urquell oder etwa Radkappen von Škoda Auto: All diese Nachahmungen kann man über chinesische Verkaufsportale wie Temu bestellen. Zdeněk Kovář ist Sprecher der Pilsner Brauerei:

Illustrationsfoto: Temu Tschechische Republik

„Wir haben registriert, dass auf einigen ausländischen Online-Marktplätzen gefälschte Produkte mit unserem Logo angeboten werden. Wir beschäftigen uns damit und suchen nach einer Lösung.“

Kovář empfiehlt den Kunden, Produkte ausschließlich im offiziellen Online-Shop des Unternehmens oder in Geschäften zu kaufen. Auch Pavel Jína, Sprecher des Fußballklubs Sparta Prag, ruft zu solchem Verhalten auf. Nach seinen Angaben geht der Verein derzeit gegen mehrere Plattformbetreiber und Verkäufer wegen Verstoßes gegen das Recht auf geistiges Eigentum vor. Dennoch kooperierten diese in der Regel nicht, sagt er.

Produktkopien auf chinesischen Online-Verkaufsportalen betreffen nicht nur große tschechische Marken. Jan Vetyška leitet den Verband für elektronischen Handel:

Jan Vetyška | Foto: Archiv APEK

„Es gibt tausende von Designern und Unternehmen, die weltweit Produkte entwerfen. Diese können auf den ersten Blick aussehen wie das Vorbild. So wird in einem klassischen Online-Shop etwa ein Produkt für den Garten angeboten, das auf Temu den halben Preis kostet. Dieses ist aber nicht identisch mit dem Original. Es wurde aus einem billigeren Kunststoff oder auch aus krebserregendem Material hergestellt.“

Neben den Gesundheitsrisiken weist Vetyška auch auf unlauteren Wettbewerb hin, der tschechischen und europäischen Händlern und Herstellern schadet. Denn chinesische Lieferanten zahlten oft keine Mehrwertsteuer und andere Gebühren, wodurch die Waren deutlich billiger werden.

Darüber hinaus bergen Internetseiten der chinesischen Anbieter Sicherheitsrisiken. Der Zugriff auf Mikrofon und Kamera im Computer oder Handy der Käufer könnte missbraucht werden, warnt Miloslav Lujka, Leiter der tschechischen Niederlassung des Cybersicherheitsunternehmens CheckPoint:

Miloslav Lujka | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

„Sie scannen Schlagwörter aus Gesprächen und versuchen dann, diese zu monetarisieren. Das heißt, wenn ich mit jemandem beispielsweise über Fußball spreche, werden mir dann in dem E-Shop Anzeigen für verschiedene Fußball-Fanartikel angezeigt.“

Laut ihrem Sprecher František Kotrba beschlagnahmte die tschechische Handelsinspektion (ČOI) im vergangenen Jahr fast 30.000 gefälschte Waren, und das hauptsächlich auf traditionellen Online-Märkten und in kleineren Geschäften. Auch Temu werde überwacht, und es würden mehrere Verwaltungsverfahren gegen das Verkaufsportal geführt, so Kotrba:

„Die Kontrollen konzentrieren sich unter anderem auf die Erfüllung der Informationspflichten, die Einhaltung des Verbots unlauterer Geschäftspraktiken sowie auf die Produktkontrolle, die sich allgemein auf die Sicherheit und die technischen Anforderungen an Produkte bezieht.“

Temu und ein weiterer chinesischer Marktplatz, konkret Shein, würden auch europaweit kontrolliert, fügt Kotrba hinzu.

Laut Martin Pitron von der Verbraucherorganisation dTest erreichen die Vorschriften jedoch oft nicht die chinesischen Verkäufer. Darüber hinaus gelange eine große Menge ihrer Waren auf den europäischen Markt:

„Täglich strömen Millionen von Produkten hierher. Obwohl es den Willen dazu gibt, haben die Aufsichtsbehörden keine Chance, alle diese Produkte zu kontrollieren.“

Mitte November einigten sich die EU-Finanzminister darauf, im nächsten Jahr Zölle auf Pakete mit einem Wert von unter 150 Euro zu verhängen. Eben solche werden von chinesischen Online-Verkäufern in großem Umfang nach Europa verschickt.

Autoren: Markéta Kachlíková , Vít Andrle
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