Tschechische humanitäre Hilfe in Syrien: Neues Wohnviertel dank großzügiger Spenden
Am Montag ist es genau ein Jahr her, dass in Syrien das Regime von Baschar al-Assad gestürzt wurde. Tschechien unterstützt das bürgerkriegsgeschüttelte Land seit langem mit humanitärer Hilfe. So entstand in der nordsyrischen Stadt Harim zum Beispiel ein ganz neues Wohnviertel.
Taysir führt durch das Treppenhaus eines dreistöckigen Wohnhauses. Vom Dach aus könne man bis in die Türkei schauen, sagt er und zeigt in die Weite. Während des Bürgerkrieges in Syriens habe er immer wieder vor der näherkommenden Front fliehen müssen, berichtet Taysir – bis er in Harim direkt an der Grenze zur Türkei gelandet sei:
„In meinem Heimatdorf war ich Schuldirektor. Außerdem hatten wir ein Fotostudio und ein Taxi. Das haben wir alles verloren. Meine Söhne hatten Geschäfte im Dorf. Alles ist weg.“
13 Jahre dauerte der Bürgerkrieg in Syrien, bei dem Diktator Assad die Freiheitsbewegung brutal bekämpfen ließ. Nach UN-Angaben kamen mehr als eine halbe Million Menschen zu Tode. Fast sieben Millionen verließen das Land, und ebenso hoch ist die Zahl der Binnenflüchtlinge.
Taysir und seine Familie hatten Zuflucht in einer Hütte gefunden, als der Norden Syriens und ein Teil der benachbarten Türkei im Februar 2023 von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurden. Im Rahmen des tschechischen Hilfsprojekts al-Amal – das ist das arabische Wort für Hoffnung – wurden danach in Harim neue Wohnhäuser gebaut. Taysir und seine Frau konnten in eines davon einziehen...
„Es lebt sich toll hier. Für diese Arbeit gebührt den Tschechen ein riesiger Dank. Die Wohnungen könnten zwar ein wenig größer sein, vor allem für Familien. Aber Gott sei Dank für all das.“
Die insgesamt zwölf dreistöckigen Wohnhäuser sind mit ihren blauen Streifen auf der hellen Fassade den ländlichen Wohnsiedlungen in Tschechien nicht unähnlich. Die Errichtung hat die Hilfsorganisation Člověk v tísni (Mensch in Not) initiiert. Mitarbeiter Petr Štefan organisiert die Wohnungsvergabe vor Ort:
„Das ganze Projekt entstand dank der tschechischen Bevölkerung, denn es wurde komplett aus dem Spendenaufruf SOS Zemětřesení (zu Deutsch: SOS Erdbeben, Anm. d. Red.) finanziert. Mittlerweile leben hier schon 800 Menschen.“
Die große Solidarität in Tschechien habe ihn überrascht. Nach dem Erdbeben seien mehr als 100 Millionen Kronen (4,1 Millionen Euro) zusammengekommen, informiert Štefan.
In der Siedlung wohnen nun zahlreiche Menschen, die aus anderen Teilen Syriens nach Harim geflohen sind. So auch Entisar, eine Witwe mit fünf Kindern. Ihr Mann ist eine Woche vor dem Erdbeben gestorben, und bei der Naturkatastrophe kam zudem die neunköpfige Familie ihres Cousins ums Leben. Die Frau schildert ihren Neuanfang in dem modernen Stadtteil:
„Niemand hat sich am Anfang gekannt. Nach und nach entstehen hier aber nachbarschaftliche und auch freundschaftliche Beziehungen. Meine Nachbarin auf derselben Etage ist wirklich zu einer guten Freundin geworden.“
Nachbarin Schirin bestätigt dies. Sie stammt aus dem ostsyrischen Deir ez-Zor. Ihr Mann ist im Bürgerkrieg gefallen, und nach Harim kam sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren beiden Söhnen...
„Entisar und ich haben viel gemeinsam – das Leiden, das wir erlebt haben, oder auch materielle Probleme. Und so sitzen wir oft bei einem Kaffee zusammen. Wir unterhalten uns und lachen auch miteinander.“
Insgesamt kann das Bauprojekt al-Amal etwa 1000 Menschen ein neues Zuhause bieten. Laut Petr Štefan von Člověk v tísni warten derzeit noch 30 Wohnungen auf ihre Neumieter.







