Wertvolle Bücher aus Klosterbibliothek Votice wiedergefunden

Bibliothek im Kloster in Votice

Nach 75 Jahren konnten mehrere wertvolle Bücher in die Klosterbibliothek in Votice zurückgebracht werden. 

Votice liegt südwestlich von Benešov im mittelböhmischen Kreis. In der heute rund 4.500 Einwohner zählenden Stadt befand sich früher ein Franziskanerkloster. Gegründet wurde es im 17. Jahrhundert. 1950 wurde es wie alle anderen Klöster in der damaligen Tschechoslowakei aufgelöst. Im Kloster befand sich früher eine wertvolle Bibliothek, die Bücher wurden jedoch vor 75 Jahren abtransportiert, und jahrelang war nicht bekannt, wo sie sich befanden. Vor kurzem wurde nun aber ein Teil der Bücher wieder zurückgebracht.

Kloster des Heiligen Franziskus von Assisi in Votice | Foto: Markéta Vejvodová,  Tschechischer Rundfunk

Jana Zelenková ist Bibliothekarin. Sie leitet den Verein für die Rettung des Klosters des Heiligen Franziskus von Assisi in Votice. In der ersten Etage des früheren Klostergebäudes zeigt die Expertin die wiedergefundenen Bände.

„Die Bücher wurden bis 1950 in dem Kloster aufbewahrt. Im April des Jahres wurden die Klöster aufgelöst. Die Bücher lagen jedoch bis November 1950 im Flur der Anlage in Votice herum. Leider wurde ein Teil der Werke in der Zeit gestohlen und ein anderer vernichtet. Denn der zuständige Sekretär für Kirchenangelegenheiten, der die Tätigkeit der geistlichen Einrichtungen im Bezirk kontrollierte, ließ damals verlauten, die Bücher seien alt, wertlos und seien auf einem komischen Papier geschrieben geworden. Zudem verstehe keiner diese Bücher, sagte er.“

Denn es handelte sich um lateinische Literatur. Die Bücher, die monatelang im Flur herumlagen, wurden schließlich weggebracht. Jana Zelenková:

Jana Zelenková | Foto: Věra Hájková,  Tschechischer Rundfunk

„Da die Bücher auf einem Lkw abtransportiert wurden und die Männer, die ihn beluden, Arbeitshosen trugen, wurde in Votice bis in die 1990er Jahre erzählt, die Klosterbibliothek sei im Altpapier gelandet.“

Diese Vermutung bestätigte sich jedoch nicht. Denn die Bücher wurden in die Nationalbibliothek gebracht. Und nun wurden die Bücher wiedergefunden. Jana Zelenková beteiligte sich an der Katalogisierung der wertvollen Bände.

„Das war eine schöne Arbeit. Denn wir haben Bücher berührt, die beispielsweise aus dem 15. Jahrhundert stammten oder noch älter waren. Schlimmer war es mit dem jahrhundertealten Staub, der überall lag.“

Die Bibliothekarin macht auf ein schweres Buch aufmerksam, das in Leder gebunden ist.

Karte der Franziskanerklöster | Foto: Věra Hájková,  Tschechischer Rundfunk

„Mein Herz hüpfte vor Freude, als ich dieses Buch in die Hand nahm. Es stammt von 1746 und enthält eine Landkarte. Wenn man diese ausbreitet, sieht man, dass es eine Karte von Franziskanerklöstern ist.“

In einer Vitrine inmitten der Bibliothek in Votice wird heute wieder die sogenannte Melantrich-Bibel gezeigt. Es ist die erste in tschechischer Sprache gedruckte Bibel.

„Sie ist wirklich sehr wertvoll. Wir sind froh, dass sie zu den Büchern gehört, die wir nach Votice zurückbringen konnten.“

In dem ehemaligen Franziskanerkloster wird bald der dortige Garten in Stand gesetzt. Jaroslava Pokorná (parteilos) ist stellvertretende Bürgermeisterin von Votice.

„Im Rahmen des Projekts ,Der Garten hinter der Mauer‘ sollen dort Plastiken installiert werden. Sie heißen ,Hüter‘, ,Mönch‘ und ,Anfang‘.“

Das Franziskanerareal wurde in den 1950er Jahren zu verschiedenen Zwecken genutzt. Es diente unter anderem als Verhörräumlichkeiten des kommunistischen Geheimdienstes StB. Später befanden sich in dem Gebäude Büros des tschechoslowakischen Unternehmens Tesla. In den 1990er Jahren bekam der Franziskanerorden das Klosterareal zurück. Er verfügte jedoch nicht über die finanziellen Mittel, um es in Stand zu setzen. 2012 kaufte die Stadt Votice die Gebäude und ließ sie in den folgenden Jahren restaurieren. Derzeit befindet sich in dem ehemaligen Kloster ein Museum, das die Gegend von Votice vorstellt. Zudem gibt es dort mehrere Dauerausstellungen. Eine davon zeigt die Geschichte des Franziskanerordens.

Autoren: Martina Schneibergová , Věra Hájková | Quelle: Český rozhlas
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