Nur drei Standorte in Tschechien: Rettung der Frühlings-Kuhschelle am Ziegenberg

Frühlings-Kuhschell (Pulsatilla vernalis) am Kozí vršek (Ziegenberg) bei Vlkov in Südböhmen

Die Frühlings-Kuhschelle steht in Tschechien unter strengem Schutz. Sie kommt nur noch an drei Standorten hierzulande vor. Einer davon heißt Kozí vršek und liegt in Südböhmen. Doch die Pflanzenart ist in den zurückliegenden Jahrzehnten auch dort beinahe ausgestorben, 2016 wurde das letzte Exemplar entdeckt. Doch es gelang, die Pulsatilla vernalis an dem Standort zu retten.

Die Frühlings-Kuhschelle zählt zu den am stärksten gefährdeten Pflanzenarten in der tschechischen Natur und steht unter strengem Schutz. Sie wächst auf trockenen, nährstoffarmen Böden und benötigt offene Flächen mit vereinzelten Kiefern. Solche Standorte verschwinden jedoch zunehmend aus dem Landschaftsbild. Die Frühlings-Kuhschelle ist derzeit nur noch im Riesengrund im Riesengebirge belegt sowie in der Nähe von Bělá pod Bezdězem in Mittelböhmen und am Kozí vršek (Ziegenberg) bei Vlkov in Südböhmen. Die Exemplare am letztgenannten Standort sind das Ergebnis von Wiederansiedlungsversuchen, für die Jan Blahovec gesorgt hat:

Jan Blahovec | Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

„Ich habe hier die letzten zwei oder drei Pflanzen beobachtet und fotografiert. Eines Tages kam mir in den Sinn, die Samen zu sammeln. Von den rund zwanzig Samen keimten zwei. Daraus konnte ich weitere Pflanzen ziehen und mehr Samen gewinnen. Nun habe ich etwa einhundert von ihnen.“

Der Botaniker zog die Frühlings-Kuhschellen in Blumentöpfe in seinem Wochenendhaus. Dafür nutzte er den sandigen Boden vom Ziegenberg, um die richtigen Bedingungen zu erhalten. Sein Ziel war es aber nicht, diese krautige Blume auf Beeten rund um sein Haus wachsen zu lassen.

„Meine Ambition war viel mehr, diese Pflanzenart zu retten. Diesen Frühling werden wir etwa zehn Exemplare am Ziegenberg einpflanzen. Und dann wollen wir weitere Standorte aussuchen.“

Frühlings-Kuhschelle im Blumenkasten | Foto: Jan Blahovec

Jan Blahovec erhielt bereits vor einigen Jahren die Genehmigung für sein Experiment, denn eigentlich verstößt es gegen die Naturschutzregeln. Die Experten seien ihm sehr dankbar, sagt Karel Prach, Professor am Botanischen Institut der Südböhmischen Universität in České Budějovice / Budweis. Er hatte das Vorkommen aufgezeichnet und vor zehn Jahren die letzte Pflanze gefunden.

„Ich kenne seit Mitte der 1980er Jahre den Standort. Damals gab es hier die fünf letzten Exemplare. Drei davon blühten.“

Die Bewirtschaftung der Landschaft habe sich verändert, erläutert Prach die Ursachen für das Aussterben der Frühlings-Kuhschelle. Dabei zeigt er auch auf die Bahnstrecke, die in der Nähe verläuft:

Botaniker Karel Prach | Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

„Die gelegentlichen Brände, die die Dampflokomotiven früher verursachten, nutzten dieser Art. Aber nicht nur das ist verschwunden. Es wurde auch damit aufgehört, in den Wäldern Streu zu harken. Die Flächen bewachsen dann mit Moos, was schlecht ist. Daher müssen wir hier auch jäten. Und genau fehlen die Ziegen hier.“

Denn durch die Beweidung sei die Anzahl der Bäume und Gräser reduziert worden. Heute ist das Gelände stark bewachsen, und junge Pflanzen haben keine Chance, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Anna Šlechtová  (rechts) | Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

Das Gelände wurde 1923 vom damaligen Bildungsministerium erworben, um einen der letzten Standorte der Frühlings-Kuhschelle zu schützen. Die Behörden erklärten es 1924 zum Naturdenkmal. Heute befindet sich der Ziegenberg im Besitz der Tschechischen Botanischen Gesellschaft, die dort jedes Frühjahr eine Veranstaltung organisiert. Dieses Jahr trafen dabei rund 50 Begeisterte zusammen. Bereits zum siebten Mal war auch die Botanikerin Anna Šlechtová vom Pfadfinderinstitut in Budweis dabei, und zwar mit einem Rechen bewaffnet.

„Sich für den Naturschutz einzusetzen, ist tatsächlich eine hervorragende mentale Hygiene. Man sieht die Arbeit, die geleistet wurde, ist an der frischen Luft und trifft sich mit Freunden.“

Aktuell wachsen auf dem Ziegenberg rund ein Dutzend Frühlings-Kuhschellen. Karel Prach:

„Das Ziel ist, dass sich die Population selbst erhält und man sie nicht ständig neu pflanzen muss.“

Laut dem Botaniker könnten 50 Exemplare für dieses Ziel ausreichen.

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