Eiskunstlauf-WM in Prag beginnt: Darf Tschechien auf eine Medaille hoffen?

Erstmals nach 33 Jahren ist Prag wieder Gastgeber einer Eiskunstlauf-WM. Die Welttitelkämpfe in der O2-Arena wurden am Dienstag mit den offiziellen Trainings eröffnet. Am Mittwoch beginnt dann das Wettkampfprogramm. Dass dabei eine Medaille für Tschechien herausspringt, gilt als unwahrscheinlich.

Foto: ISU Worlds 2026 / FB

Die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft findet in jener Arena statt, in der Sparta Prag sonst Eishockey spielt. Für die WM musste die Eisfläche zunächst angepasst werden. Denn das Eis muss ein wenig wärmer und damit weicher sein, um Sprünge und Pirouetten zu ermöglichen. Josef Ženíšek vom Produktionsteam der Titelkämpfe sagt:

„Das Eis musste eingefärbt und mit Logos versehen werden. Es kam auch eine zusätzliche Schicht hinzu. Das Eis darf dabei aber auch nicht zu dick sein. All das ist viel Arbeit.“

Foto: ISU Worlds 2026 / FB

Die Veranstalter erwarten acht von zwölf Medaillengewinnern der Olympischen Winterspiele. Zu den großen Stars zählt vor allem der US-Amerikaner Ilia Malinin. Ebenso reist etwa der Franzose Guillaume Cizeron an. Anders als bei Olympia sind russische Sportler – auch unter neutraler Flagge – vom Wettkampf in Prag ausgeschlossen. Denn wegen des Angriffskrieges in der Ukraine hält die Internationale Eislaufunion (ISU) an ihrem Bann für die Eiskunstlauf-Großmacht fest.

Zu den chancenreichsten tschechischen Sportlern zählt Natálie Taschlerová, die mit ihrem Bruder Filip Taschler im Eistanz antritt. Aber haben die beiden auch Medaillenambitionen? Welche Platzierung will man erzielen?

„Das ist uns komplett egal. Wir haben keine Zahlen oder Punkte im Kopf. Wir sollten einfach alle diese Show genießen“, sagte Filip Taschler am Dienstagmorgen im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT).

Foto: ISU Worlds 2026 / FB

Auch Daniel Mrázek tritt mit seiner Schwester, Kateřina Mrázková, im Duo auf. Für einen Überraschungserfolg könnte Georgii Reshtenko sorgen. Der in Sankt Petersburg geborene Tscheche holte im Januar unerwartet Bronze bei der EM in Sheffield – das erste Edelmetall für Tschechien bei einer EM seit 13 Jahren. Dem Tschechischen Rundfunk sagte Reshtenko nun:

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass die Weltmeisterschaft in Prag stattfindet. Druck wegen einer Platzierung mache ich mir aber nicht. Ich will zwei saubere Auftritte abliefern und dann das Ende der Saison genießen.“

Trotz der talentierten tschechischen Eiskunstläufer fristet der Sport in Tschechien eher ein Nischendasein – und er steht oft im Schatten des weitaus beliebteren Nationalsports Eishockey. So sagte der ehemalige Eiskunstläufer und Europameister Tomáš Verner unlängst dem Deutschlandfunk:

Tomáš Verner | Foto: Elena Horálková,  Tschechischer Rundfunk

„Wir haben zwar viele Eishallen im Land, aber auch wirklich sehr viele Eishockeyspieler. Für das Eiskunstlaufen ist da nicht viel Platz. Als ich klein war, konnten wir nur eine Stunde pro Tag trainieren: zwischen 5.45 Uhr und 6.45 Uhr. Dann war Schluss.“

Verner hofft, dass die Weltmeisterschaft dazu beitragen kann, den Sport in Tschechien bekannter zu machen. Und wer weiß, vielleicht springt ja doch eine Medaille für Tschechien bei der WM heraus – es wäre die erste nach 21 langen Jahren des Wartens.

Foto: ISU Worlds 2026 / FB

Die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in Prag dauert bis Sonntag. Für einige wenige Programmpunkte gibt es noch Karten. Für die Anreise zur O2-Arena sollten Besucher die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Die nahegelegene Metrostation Českomoravská wurde nach einer längeren Schließung wegen Umbauarbeiten rechtzeitig zur WM wiedereröffnet.

Autor: Ferdinand Hauser | Quellen: Český rozhlas , Česká televize , Deutschlandfunk
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