Luftiges Design: Prager Metrostation Českomoravská erstrahlt in neuem Glanz

Am 22. November 1990 wurde die Metrostation Českomoravská in Prag feierlich eröffnet. Nun wurde der Haltepunkt auf der B-Linie erstmals umfassend saniert.

Rund eine Milliarde Kronen (41 Millionen Euro) hat der Umbau der Prager Metrostation Českomoravská gekostet. 14 Monate dauerten die Arbeiten – länger als ursprünglich geplant…

Jaromír Beránek | Foto: Klára Škodová,  Tschechischer Rundfunk

„Die Bauarbeiten wurden um rund drei Monate verlängert. Denn es waren aufwendigere Eingriffe nötig, als zunächst gedacht. Und wir wollten, dass die Nutzer des ÖPNV hier für mehrere Jahrzehnte sicher und ohne Bedenken unterwegs sein können“, sagt Verkehrsoberbürgermeister Jaromír Beránek (Piraten). Immerhin wurden die Sanierungsarbeiten – wie von der Stadt gefordert – rechtzeitig zum Beginn der Eiskunstlauf-WM abgeschlossen. Die Titelkämpfe finden in der nahegelegenen O2-Arena statt.

Der Prager Oberbürgermeister Bohuslav Svoboda (Bürgerdemokraten) zeigte sich vergangene Woche bei der Eröffnung des Haltepunkts begeistert. Dem Tschechischen Rundfunk sagte er:

„Dieser U-Bahn-Halt ist überaus funktional und entspricht den Sicherheitsanforderungen der modernen Zeit. Dazu kommt aber auch noch die ästhetische Seite. Die Station strahlt aus, dass Prag wunderschön ist – nicht nur mit seinen Burgen und Schlössern, sondern auch durch solche neuen Bauwerke.“

Bohuslav Svoboda  (in der Mitte) | Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

In der Station gibt es eine neue Beleuchtung, ein modernisiertes Lüftungssystem und Rolltreppen, die stabiler sind und mehr Gewicht aushalten. Besonderer Hingucker sind aber die neuen Glaspaneele, die sich an den Wänden im Bahnsteigbereich befinden. Auch bei den Reisenden kommen die Elemente scheinbar gut an.

Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

„Mir gefällt das wirklich gut, viel besser als irgendwelche Plastikplatten“, sagte eine Frau dem Tschechischen Rundfunk.

Für die Verkleidung der Wände zeichnet der renommierte Designer Maxim Velčovský verantwortlich. Er ist Dozent an der Prager Kunsthochschule Umprum und Chefdesigner des tschechischen Glasunternehmens Lasvit.

Foto: Richard Mundl,  ČTK

„Mein Kollege Vítězslav Danda vom Studio Edit und ich haben die Ausschreibung mit unserer Idee gewonnen, Luft zwischen zwei Glasflächen einzuschließen. Die B-Linie ist gerade deshalb phänomenal, weil an vielen Stationen Glas verbaut wurde.“

Die großen Flächen für die Station Českomoravská wurden in der nordböhmischen Glasmacherstadt Nový Bor in Handarbeit gefertigt. Die erwähnten Lufteinschlüsse zu erzeugen, sei dabei gar nicht so einfach gewesen, sagt Velčovský:

Foto: Richard Mundl,  ČTK

„Wir mussten sogenannte Fritten – oder um es einfacher zu sagen: so etwas wie Kristallzucker – auf eine Glasplatte streuen. Dann kam eine weitere Schicht darauf. Die beiden Glaselemente wurden dann so gemeinsam gebrannt, dass zwischen ihnen eine Luftschicht blieb.“

Wenngleich das Design der Metrostation überwiegend positiv aufgenommen wird, gibt es auch Kritik an dem Umbau. Die Pragerin Jana etwa merkte an:

Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

„Die Station war ein Jahr und drei Monate geschlossen. Ein barrierefreier Zugang für Rollstuhlfahrer ist heutzutage unabdingbar, auch wegen der O2-Arena in der Nähe. Aber hier sucht man ihn vergebens.“

Mit dem Einbau eines Fahrstuhls war dabei ursprünglich gerechnet worden. Die reale Umsetzung scheiterte aber an der mangelnden Einigung mit den Besitzern der umliegenden Grundstücke. Jan Barchánek ist Vorstandsmitglied der Prager Verkehrsbetriebe (DPP) und dort als leitender Manager tätig:

Jan Barchánek | Foto: Petr Hejna,  DPP

„Der Bau des Fahrstuhls wird ein wenig länger dauern als die Sanierung der Haltestelle. Wir konnten nun eine Lösung finden, bei welcher der Aufzug in einem nahegelegenen Gebäude endet. Es wird künftig also sehr wohl einen Fahrstuhl geben. Zeitlich haben wir dies so koordiniert, dass keine erneute Vollsperrung der Station nötig sein wird.“

Das Gebäude, in das die Fahrstühle führen sollen, steht derzeit aber noch nicht, sondern soll erst noch von der Investmentgesellschaft Kaprain gebaut werden. Angedacht ist darüber hinaus eine Neugestaltung der Umgebung der Metrostation. Tomáš Portlík (Bürgerdemokraten), Bürgermeister des neunten Stadtbezirks, sagt:

Tomáš Portlík | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Derzeit sollte bereits eine Ausschreibung dafür laufen. Ich würde mir wünschen, dass wir den öffentlichen Raum hier innerhalb von drei oder vier Jahren zivilisieren. Das Interesse, hier etwas zu bewegen, dürfte bei allen Beteiligten gegeben sein – auch bei den privaten Eigentürmern.“

O2-Arena | Foto: Filip Jandourek,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die Stadtväter berieten vergangenes Jahr auch über eine Umbenennung der Metrostation. Aus „Českomoravská“ sollte „Aréna Libeň“ werden, um auf die Veranstaltungshalle in der Nähe zu verweisen. Die zuständige Kommission der Stadt sprach sich zwar für die Umbenennung aus. Jaromír Beránek zufolge liegen die Pläne derzeit aber auf Eis.

Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

Während die Českomoravská seit Freitag wieder angefahren wird, ist die Station Flora auf der A-Linie weiter wegen Bauarbeiten gesperrt. Sobald der Umbau dort abgeschlossen ist, sollen die Arbeiten an der Haltestelle Hradčanská beginnen.

Autoren: Ferdinand Hauser , Josef Beneda , Vladimír Kroc | Quelle: Český rozhlas
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