Verfolgung, Ideologie und enge Verbindung nach Berlin: Vor 125 Jahren wurde Leo Haas geboren

Haas’ Lithografie aus dem Buch „Zwölf Original-Lithografien aus deutschen Konzentrationslagern“

Auf die Lebensgeschichte des Karikaturisten Leo Haas hatten die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts schicksalhaften Einfluss.

Leo Haas | Foto: Tschechisches Fernsehen

Leo Haas wurde am 15. April 1901 in Opava in eine slowakische Familie hineingeboren, wuchs aber mit Tschechisch und Deutsch auf. Schon als Kind entwickelte er ein ausgeprägtes Talent, das ihn als Student an die Kunstakademien in Karlsruhe und in Berlin führte. Als Zeichner und Grafiker arbeitete er daraufhin auch in Wien, eröffnete dann aber ein Atelier in Opava. Mit seinen Arbeiten bekannte Haas sich zum Expressionismus, ähnlich wie Max Liebermann oder Käthe Kollwitz.

Zeichnungen von Leo Haas | Foto: Tschechisches Fernsehen

Ab 1933 wurde die Lage für den Juden Leo Haas bedrohlich. Seine Werke wurden als „degenerativ“  bezeichnet, der Künstler als „Kulturbolschewist“ verunglimpft. 1939 kam er in das von Adolf Eichmann geplante „Judenreservat“ im polnischen Nisko. Haas fertigte dort heimlich Zeichnungen vom Leben der Insassen an, die noch heute zu den wichtigsten Dokumenten über dieses Lager gehören.

Zeichnungen von Leo Haas | Foto: Tschechisches Fernsehen

Ähnliche Bilder gibt es aus dem KZ Theresienstadt, wohin Haas 1942 deportiert wurde. Dort musste er in der technischen Abteilung unter anderem NS-Propagandamaterial anfertigen, zeichnete aber heimlich auch den Lageralltag. 1944 wurde er nach Auschwitz verschickt und kurz darauf nach Sachsenhausen, wo er für die Deutschen wiederum britische Geldscheine fälschen musste.

Illustration von Haas aus der Zeitschrift „Dikobraz“ aus dem Jahr 1947 | Foto repro: Dikobraz,  ročník III,  číslo 4,  21. ledna,  1947

Nach Kriegsende ging Haas nach Prag und gab unter anderem Bildbände mit seinen Zeichnungen aus den KZs heraus. Er trat in die Kommunistische Partei ein und wurde einer der bedeutendsten Zeichner der Tschechoslowakei der Nachkriegszeit. Seine Karikaturen in der Tageszeitung „Rudé právo“ oder in der Satirezeitschrift „Dikobraz“ zeigten den Westen als aggressiven, rassistischen und korrumpierten Gegner.

Leo Haas | Foto: Gepam/Plone Foundation

Als seine zweite Ehefrau Erna 1955 starb, ging Haas nach Ost-Berlin. Dort arbeitete er für das „Neue Deutschland“, den „Eulenspiegel“ und das Fernsehen. Seine Werke wurden in Europa, den USA und Israel gezeigt. Für eine Ausstellung fuhr er 1981 auch ein letztes Mal ins heimatliche Opava. Die Zeichnungen schenkte er anschließend der Stadt. Leo Haas starb 1983 in Ost-Berlin.

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