Fund beim Bau der Prager Metro: Soomaspis labutai lebte vor 448 Millionen Jahren
Der Bau der neuen U-Bahnlinie D in Prag hat zu einem sensationellen Fund geführt: Das Fossil eines bis dahin unbekannten Gliederfüßers wurde im Boden entdeckt. Das prähistorische Wesen ähnelt einer Mischung aus Trilobit und Spinne und lebte vor einer halben Milliarde Jahren in den Tiefen des Meeres.
Prag steht größtenteils auf Gesteinen aus dem Paläozoikum. Bei größeren Bauarbeiten werden regelmäßig Fossilien gefunden – beispielsweise Trilobiten, Kopffüßer oder urzeitliche Stachelhäuter.
Auch beim gerade laufenden Bau der neuen U-Bahnlinie D war dies der Fall. Radek Labuťa, ein Fossiliensammler und Besitzer des Museums Trilopark, entdeckte in einem Steinhaufen, der bei den Bauarbeiten freigelegt wurde, etwas Einzigartiges. Auf den ersten Blick ähnelte das winzige, etwa zwei Zentimeter große Fossil einer Mischung aus Spinne und Trilobit. Labuťa brachte den Fund daher zu Lukáš Laibl vom Geologischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften, der sich auf fossile Arthropoden spezialisiert. Laibl zufolge stellte sich heraus, dass es sich um eine der Wissenschaft bisher unbekannte Art handelt, die eng mit den Trilobiten verwandt ist. Im Gegensatz zu diesen besaß sie jedoch nur einen weichen Panzer.
„Ich würde ihn ein wenig mit dem Hinterteil einer Spinne vergleichen. Sein Hinterteil war rund wie bei einer Spinne, wenn auch abgeflacht. Auch das unterschied dieses Tier von Trilobiten. Es hatte außerdem nur drei Körpersegmente. Und es hatte keine Augen, es war blind. Aber der Hauptunterschied bestand darin, dass es keinen harten Panzer hatte. Trilobiten hatten normalerweise einen sehr harten Panzer, ähnlich wie heutige Krebse.“
Das Wesen wurde „Soomaspis labutai“ zu Ehren seines Entdeckers Radek Labuťa genannt. Laibl fährt fort:
„Er ist oft unterwegs und sammelt und untersucht Materialhaufen von verschiedenen Baustellen. Fossilien werden größtenteils zufällig gefunden, aber Radek Labuťa kennt sich gut aus. Hinter diesem Fund stecken das Fachwissen und die Sorgfalt des Finders. Und eine gehörige Portion Glück.“
Soomaspis labutai lebte vor etwa 448 Millionen Jahren, in der Zeit vor Beginn der großen Eiszeit, die zum ersten Massenaussterben auf der Erde führte. Der Erdteil, auf dessen Reste heute Prag liegt, befand sich auf der Südhalbkugel:
„Wir wissen, dass sich Kontinente bewegen, und dieses Gebiet lag sehr nahe am Südpol, quasi dort, wo heute die Antarktis ist. Dort gab es ein tiefes Meer, aber nicht sehr tief, denn es lag noch am Rand des Kontinents Gondwana. Überall war also Meer, und das war ziemlich kalt, weil es nah am Südpol lag.“
Die neue Art liefert zudem wichtige Informationen über das Überleben von Organismen in Zeiten erheblicher Klimaveränderungen. Soomaspis labutai hatte einen afrikanischen Verwandten, der in den 1990er Jahren entdeckt wurde. Er stammt aus Gesteinen, die etwa 443 Millionen Jahre alt sind, lebte also zu einer Zeit, als die Gletscher vom Ende des Ordoviziums schmolzen und eine Erwärmung stattfand.
„Sein nächster Verwandter lebte im südlichen Afrika. Lange Zeit hielten wir ihn für einen südafrikanischen Endemit, der erst nach dem großen Massenaussterben existierte. Doch der Prager Arthropode lebte vor diesem Aussterben. Und da sie verwandt sind, gehen wir davon aus, dass dieser gesamte evolutionäre Zweig das Massenaussterben überlebt hat.“
Dies sei interessant, betont der Paläonthologe. Denn viele andere Tiere, die gut an das Leben im Meer angepasst waren, wie Trilobiten und weitere marine Wirbellose, seien ausgestorben. Hingegen hätten diese unscheinbaren Tiere alles überstanden:
„Sie hatten zwar einige Fressfeinde, lebten aber in relativ tiefen Gewässern und waren an das Leben am Meeresgrund angepasst, wo nur wenig Sauerstoff war. Wahrscheinlich gab es dort nicht so viele Fressfeinde wie im Flachwasser. Das könnte der Grund sein. Es könnte aber auch daran liegen, dass sie bereits in einer schwierigen Umgebung lebten. Sie waren zähe Kerle, die schon alles überlebt hatten.“
Und zwar auf einem recht ausgedehnten Gebiet:
„Schon damals, im Paläozoikum, lagen Südafrika und das Gebiet der heutigen Tschechischen Republik, die es damals natürlich noch nicht gab, weit auseinander. Vielleicht sogar noch weiter als heute. Diese Tiere müssen also auf mindestens der Hälfte des Kontinents Gondwana gelebt haben.“
Der Finder hat das Fossil Soomaspis labutai dem Nationalmuseum in Prag geschenkt, wo es Teil der Dauerausstellung sein wird.
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