Ohne Spielidee hinterhergerannt: Patrik Schick und Co. verlieren zum WM-Auftakt

Nach 20 Jahren war es das erste Spiel der tschechischen Fußballnationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft. Doch die Auftaktpartie von Patrik Schick und Co. gegen Südkorea ging verloren.

Südkoreanische Fans feiern bei einer öffentlichen Übertragung des Spiels in Seoul | Foto: Kim Soo-hyeon,  Reuters

Die Ränge im Stadion von Guadalajara in Mexiko wurden am Freitag in den frühen Morgenstunden mitteleuropäischer Zeit dominiert von Fans aus Südkorea. Aber auch auf dem Rasen schaltete und waltete eigentlich nur ihr Team, die tschechischen Fußballer fanden hingegen nicht ins Spiel. Während in der ersten und zu Beginn der zweiten Halbzeit die Südkoreaner die eine oder andere Chance vergaben, schockte Ladislav Krejčí nach knapp einer Stunde Spielzeit die Mehrheit im Stadion. Einen weiten Einwurf des Hoffenheimers Vladimír Coufal vor den kurzen Pfosten des südkoreanischen Tors köpfte er zur schmeichelhaften 1:0-Führung ein. Doch diese hielt nur acht Minuten, bevor In-Beom Hwang ausglich.

Hyeon-Gyu Oh erzielte das zweite Tor für Korea | Foto: Daniel Becerril,  Reuters

In der 80. Minute gelang dann Hyeon-Gyu Oh der Siegtreffer: Bei einer Hereingabe von rechts schlief Verteidiger Robin Hranáč, und der Stürmer von Besiktas Istanbul lenkte den Ball volley an Torhüter Matěj Kovář vorbei in die Maschen. In den Schlussminuten warfen die Tschechen alles nach vorne und wollten noch den Ausgleich. Die größte Chance hatte dabei Stürmer Adam Hložek, dessen Schuss aus der 82. Minute aber der südkoreanische Torhüter mit gutem Reflex abwehren konnte.

Foto: Paul Childs,  Reuters

Ehrliche tschechische Spieler

So beendete das tschechische Fußballnationalteam sein erstes WM-Spiel seit 20 Jahren mit einer Niederlage. Und die Schützlinge von Trainer Miroslav Koubek suchten anschließend auch nicht nach Ausreden für die Pleite…

„Wir hatten den Ball nicht gerade häufig. Und wenn wir ihn dann in unseren Reihen hatten, waren wir ziemlich fertig vom ganzen Laufen ohne Ball. Sich dann etwas im Spiel nach vorne auszudenken, ist sehr schwer. Aber das hätten wir wohl machen müssen“, kommentierte Mittelfeldspieler Pavel Šulc den Spielverlauf.

Matěj Kovář | Foto: Julio Cortez,  ČTK / AP

Letztlich avancierte Torhüter Kovář zum besten Mann im tschechischen Team. Der frühere Leverkusener bemängelte nach der Begegnung auch die inkonsequente Verteidigung seiner Vorderleute:

„Mir schien in einigen Passagen, dass wir gut organisiert waren. Letztlich haben wir aber zwei Gegentore bekommen. Wir müssen uns verbessern, damit die Defensive noch besser funktioniert. Und wir müssen auch die Arbeit mit dem Ball verbessern, damit wir ebenso etwas in der Offensive zeigen.“

Trainer will Offensive verbessern

Gerade Stürmer Patrik Schick war fast überhaupt nicht ins Spiel eingebunden. Und so ist es kein Wunder, dass Nationaltrainer Miroslav Koubek genau dort vor den nächsten beiden Vorrundenspielen ansetzen will.

Miroslav Koubek | Foto: Reuters

„Wir müssen etwas effektiver in der Offensive sein, genauer passen im Spielaufbau und mehr Kreativität in den letzten 30 Metern vorm gegnerischen Tor entwickeln. Aber das ist ein Prozess. Sicher haben wir in der Offensive noch an einigem zu arbeiten“, kündigte der Coach an.

Die Niederlage gegen Südkorea hatte Koubek eigentlich nicht eingeplant. Und vor allem schmerze sie ihn auch wegen der zwischenzeitlichen Führung, gestand er:

„Natürlich bedeutet der Verlust der Punkte, die wir quasi bereits in den Händen hielten, eine Komplikation. Wir wollten wenigstens mit einem Punkt in die WM starten. Und das hätten wir eigentlich auch gekonnt.“

Foto: Amanda Perobelli,  Reuters

Schlüsselspiel gegen Südafrika

In der nächsten Begegnung trifft Tschechien am Donnerstag kommender Woche auf Südafrika, das im WM-Eröffnungsspiel mit 0:2 Co-Gastgeber Mexiko unterlag. Diese Partie könnte entscheidend sein, denn für die Jungs von Trainer Koubek bietet sie wohl die größte Chance auf einen Sieg. Und Bafana Bafana, wie das Team aus Südafrika heißt, stand eher luftig als kompakt. Aber selbst die Mexikaner offenbarten in der Defensive einige Lücken. So merkte der tschechische Ex-Nationalspieler Pavel Horváth als Fußball-Experte beim Sportsender des Tschechischen Rundfunks an:

Pavel Horváth | Foto: Khalil Baalbaki,  Český rozhlas

„Ich denke, dass wir mehr können. Falls wir unsere drei Offensivkräfte sehr viel mehr ins Spiel bringen und sie am Ball bleiben, wird unsere Leistung besser sein. Jetzt haben wir leider die Punkte liegen lassen, aber in den nächsten beiden Spielen besteht die Chance, doch welche zu holen.“

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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