100 Jahre Radio-Symphonieorchester Prag: Von den heimischen Bühnen auf die Podien der Welt

Sinfonieorchester des Tschechischen Rundfunks

Das Radio-Symphonieorchester Prag (SOČR) ist nicht nur im Studio 1 des Tschechischen Rundfunks zu Hause, sondern auch auf mehreren Prager Konzertbühnen – im Rudolfinum, im Gemeindehaus (Obecní dům) und in der Bethlehemskapelle. Das Ensemble gastiert jedoch ebenso regelmäßig auf internationalen Podien.

Rudolfinum: Hauptspielstätte des Orchesters

Das Konzertleben des Orchesters ist heute fest mit dem Prager Rudolfinum verbunden. Der dortige Dvořák-Saal bietet Raum für symphonische Programme, aber auch technische Voraussetzungen für Live-Übertragungen. Im Rudolfinum präsentiert das Ensemble regelmäßig seine Abonnementreihen, spielt mit internationalen Solisten und bringt Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten auf die Bühne.

Rudolfinum  | Foto: Michal Fanta,  SOČR

Gemeindehaus: Prunkvolle Jugendstil-Bühne

Ein ebenso bedeutender Veranstaltungsort ist das Prager Gemeindehaus (Obecní dům). Das SOČR tritt regelmäßig im dortigen Smetana-Saal auf, der zu den schönsten Jugendstil-Konzertsälen Europas zählt. 2026 eröffneten die Radio-Symphoniker dort das Festival „Prager Frühling“. Die monumentale Kulisse verleiht den Konzerten eine festliche Atmosphäre und eignet sich hervorragend für die Aufführung großer Vokal- und Instrumentalwerke.

SOČR im Gemeindehaus | Foto: Matěj Komár,  SOČR

Bethlehemskapelle: Die intime Seite des Orchesters

Neben den großen Sälen spielen die Radio-Symphoniker regelmäßig in der Bethlehemskapelle. In deren intimen Rahmen kommen Kammermusik, geistliche Musik und besondere dramaturgische Reihen zur Geltung. Als stimmungsvolle Ergänzung zu Rudolfinum und Gemeindehaus erweitert die Kapelle das Spektrum jener Orte, an denen das Publikum das Orchester erleben kann.

Konzert des SOČR in der Bethlehemskapelle | Foto: Vojtěch Brtnický,  Tschechischer Rundfunk

Erste Schritte in die Welt: Polen 1949

Seine erste Auslandstournee trat das Prager Radio-Symphonieorchester im Jahr 1949 an. Unter der Leitung von Karel Ančerl und Alois Klíma spielte das Ensemble neun Konzerte in Polen, wobei Věra Řepková als Solistin Chopins Klavierkonzert in f-Moll aufführte. Der Erfolg war überwältigend. Es folgten drei kurze Tourneen in der DDR sowie eine weitere Reise nach Polen. Die Dresdner Presse lobte damals insbesondere die exzellenten Streicher und schrieb, das Orchester habe Dresden erobert.

Foto: SOČR 100,  Pokorný Milan,  2026

1960er Jahre: Öffnung nach Westen

Foto: SOČR 100,  Pokorný Milan,  2026

Die internationale politische Entspannung der 1960er Jahre eröffnete dem Orchester neue Horizonte. 1961 brach das Ensemble zu einer zehntägigen Zugreise durch die Bundesrepublik Deutschland, die Schweiz, Italien und Frankreich auf.

Ein Jahr später folgte eine Tournee durch Österreich und Italien, bei der das Orchester 14 Konzerte in 19 Tagen absolvierte. Die italienische Tageszeitung „Il Resto del Carlino“ schrieb damals: „Das Prager Ensemble ist ein Kollektiv, das sich vor allem durch seine atemberaubende Vitalität auszeichnet.“

1965 reiste ein Sonderzug mit einer ganzen Kulturdelegation – bestehend aus dem Tschechoslowakischen Radio-Symphonieorchester, dem Radio-Chor und dem Ballett des Nationaltheaters – nach Italien. Das Konzert in Cagliari wurde von 3000 Zuschauern besucht. Ein Jahr später folgte die nächste große Reise mit Gastspielen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.

Foto: SOČR 100,  Pokorný Milan,  2026

1970er Jahre: Eingeschränkte Möglichkeiten

Nach den Ereignissen von 1968 in der ČSSR schrumpften die Gelegenheiten für Auslandstourneen im Zuge der politischen „Normalisierung“ drastisch zusammen. Das Orchester konzertierte hauptsächlich in Polen und anderen Ländern des Ostblocks. Reisen nach Italien oder Westdeutschland blieben seltene Ausnahmen. Trotzdem bewahrte das Ensemble sein hohes Niveau und bereitete sich auf die nächste Phase seiner internationalen Karriere vor.

Unter Vladimír Válek: Rückkehr in die europäische Elite

Vladimír Válek | Foto: SOČR

Der Wendepunkt gelang in den 1980er Jahren mit dem Antritt von Chefdirigent Vladimír Válek, der das Orchester zurück auf die Weltbühnen führte. 1985 gab es die erste digitale Konzertübertragung nach Japan sowie das erste Gastspiel dort nur ein Jahr später. Es folgte eine Tournee durch Westeuropa, und das Orchester nahm seine Kontakte zu renommierten Festivals in der Welt wieder auf.

Nach 1989: Die Welt öffnet sich

Die Samtene Revolution 1989 brachte auch für das Orchester eine neue Freiheit. Das SOČR gab Konzerte in ganz Europa, den USA, Japan, China, Südkorea und Taiwan. Insbesondere Japan entwickelte sich zu einer festen Konstante im Tourneeplan – zuletzt gastierte das Orchester 2024 dort drei Wochen lang unter der Leitung von seinem Chefdirigenten Petr Popelka.

Anfang 2026 unternahm das Radio-Symphonieorchester dann eine Tournee durch fünf Länder Europas: Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und die Niederlande. Die Resonanz bei Veranstaltern und Publikum unterstreicht die starke Position des Orchesters im internationalen Wettbewerb.

Foto: Matěj Komár,  SOČR
Autoren: Milan Pokorný , Klára Stejskalová
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