Tschechischer Staat unterstützt Unternehmer bei Ukraine-Aktivitäten

Von links: Andrej Babiš, Karel Havlíček und Zuzana Mrázová

Bei der Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine vergangene Woche in Polen hat der tschechische Premier Andrej Babiš (Partei Ano) betont, dass seine Regierung den Fokus auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit lege. Als Fortsetzung dessen gab es am Donnerstag im Prager Regierungsamt eine Zusammenkunft von Vertretern tschechischer Firmen mit Babiš und dem Minister für Industrie und Handel, Karel Havlíček (Partei Ano). Dabei ging es um die Förderung der unternehmerischen Aktivitäten in der Ukraine.

Rüstungsindustrie, Maschinenbau und Energiegewinnung – dies sind die Branchen, in denen tschechische Firmen in der Ukraine aktuell die meisten Geschäfte machen. Dafür wollen sie mehr Unterstützung von ihrer Regierung. Dies könne zunächst durch eine Stärkung der amtlichen Vertretungen in der Ukraine gewährleistet werden, sagte Vizepremier und Handelsminister Karel Havlíček am Donnerstag. Die Ämter sollen den tschechischen Unternehmern helfen, die Handelsbeziehungen mit der Ukraine besser zu koordinieren:

Karel Havlíče | Foto: Regierungsamt der Tschechischen Republik

„Im jetzigen Moment ist es an der Grenze dessen, was bewältigt werden kann. Die Kapazitäten sind eher unterdimensioniert. Darum haben wir uns darauf geeinigt, die Vertretung in Lwiw zu stärken. Und wir erwägen, ob wir auch in Kiew zulegen sollten. Eine zweite sehr wichtige Sache ist die schnelle Aufsetzung von Programmen sogenannter Finanzinstrumente, vor allem für Investitionen in der Ukraine.“

Außerdem kündigte Havlíček an, es werde eine Unternehmermission geben mit der Möglichkeit, direkte Verhandlungen mit ukrainischen Politikern zu führen. Dafür gibt es noch keinen festen Termin, laut der Ukrainisch-Tschechischen Handelskammer könnte die Reise aber im Herbst stattfinden.

Foto: Regierungsamt der Tschechischen Republik

Im Prager Regierungsamt wurde aber auch über konkrete Finanzbeträge gesprochen, mit denen der Staat die tschechischen Firmen unterstützen will. Die Nationale Entwicklungsbank wolle in einer ersten Runde vier Milliarden Kronen (170 Millionen Euro) zur Verfügung stellen, informierte Richard Benda. Er ist Eigentümer des Energieunternehmens Encom und Vizepräsident der Ukrainisch-Tschechischen Handelskammer. Des Weiteren sei auch die Exportgarantie- und Versicherungsgesellschaft (EGAP) mit im Boot, so Benda, und zwar mit umgerechnet 41 Millionen Euro:

„Heute wurde mitgeteilt, dass die finanzielle Hilfe vom Staat für EGAP auf eine Milliarde Kronen erhöht wurde. Dies ist eine positive Nachricht. Denn so wird es der EGAP möglich sein, mehr Handelsvorgänge zu versichern. Das ist gut.“

Staat Milliarden Kronen auf

Gerade diese Versicherungsdienstleistungen waren den tschechischen Unternehmern ein wichtiges Anliegen im Gespräch mit den Regierungsvertretern am Donnerstag. Mit dabei war auch Jana Hamršmídová, Leiterin der Energie-Division beim Öl- und Gas-Förderunternehmen MND:

„Die Finanzinstrumente würden uns natürlich helfen, so wie anderen Firmen auch. Unser Unternehmen ist aber etwas spezifischer, und wir brauchen Unterstützung auf der diplomatisch-politischen Ebene. Der tschechische Staat sollte auf strategische Weise sein Interesse an der Energiebranche in der Ukraine äußern.“

Bei der Zusammenkunft am Donnerstag waren die Vertreter von insgesamt elf tschechischen Firmen anwesend, die in der Ukraine aktiv sind und dies etwa auch in den Bereichen Landwirtschaft oder Wasserwirtschaft. Einige von ihnen kommen sogar dem Frontverlauf im weiter dauernden Krieg Russlands gegen die Ukraine sehr nah. Das Unternehmen Promstal etwa errichtet Stahlkonstruktionen und arbeitet in der Stadt Nikopol in der Südostukraine. Sein Team habe dort ein Pilotprojekt für einen Schulbunker im Wert von umgerechnet 540.000 Euro realisiert, berichtet Firmenchef Pavel Stibor:

„Die Kosten bewegen sich bei insgesamt 13 Millionen Kronen. Die tschechische Regierung spendete über das Außenministerium rund zehn Millionen Kronen. Die ukrainische Seite hat mit etwa einer Million Kronen beigetragen, und unsere Firma investierte in den Gesamtbetrag circa zwei Millionen Kronen.“

Unterirdischer Unterrichtsraum in der Oblast Dnipropetrowsk in der Ukraine | Foto: Martin Dorazín,  Tschechischer Rundfunk

Die Ukraine ist für tschechische Unternehmen ein immer wichtigerer Exportmarkt. Im vergangenen Jahr wurden dort Waren für insgesamt 39 Milliarden Kronen (1,6 Milliarden Euro) abgesetzt. Seit 2023 wurde ein Anstieg von etwa 20 Prozent verzeichnet.