Lieferausfälle von Tamoxifen: In Tschechien fehlt Medikament für Brustkrebspatientinnen

Tamoxifen – ein Medikament gegen Brustkrebs

In Tschechien fehlen derzeit Medikamente mit dem Wirkstoff Tamoxifen. Dieser wird bei Brustkrebs eingesetzt und ist für manche Patientinnen lebenswichtig.

Vor etwa zwei Wochen hatte das Nachrichtenportal Aktuálně.cz darauf aufmerksam gemacht, dass in den Apotheken Tschechiens kaum noch das Mittel Tamoxifen vorhanden sei. Wie akut die Lage ist, beschreibt etwa die Patientin Marcela aus Ostrava / Ostrau:

Illustrationsfoto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

„Seit Anfang Juli bin ich damit beschäftigt, die Apotheken abzutelefonieren. Sie verschieben das Lieferdatum immer wieder. Und nun ist es dazu gekommen, dass das Medikament wirklich nicht vorhanden ist und ich es auch nicht mehr vorrätig habe.“

Am Dienstag kamen 1000 neue Packungen aus Dänemark in Tschechien an, die am Mittwoch landesweit in die Apotheken gingen. Sie sollen am Tagesende schon wieder ausverkauft gewesen sein, vermeldete der Vizepräsident der tschechischen Ärztekammer, Martin Kopecký. Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) sagte jedoch am Freitagmorgen in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Ich habe keine Informationen darüber, dass im Moment alles ausverkauft sein soll. Das Medikament wurde in den vergangenen zwei Tagen an die Apotheken ausgeliefert. Und nach meinem Wissenstand sollen einige Packungen auch heute noch zugestellt werden.“

Adam Vojtěch | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Der derzeitige Zustand tue ihm leid, und er verstehe die schwierige Lage der Patientinnen, fügte Vojtěch hinzu. Zur Überprüfung der aktuellen Bestände empfiehlt er die App e-recept oder das Infotelefon des Staatlichen Instituts für Arzneimittelkontrolle (SÚKL).

Abhängig von ausländischen Produzenten

Jährlich werden in Tschechien rund 40.000 Packungen Tamoxifen gebraucht. Nach Angaben der Ärztekammer ist das Mittel für etwa ein Zehntel aller Patientinnen hierzulande lebenswichtig und kann nicht ersetzt werden. Onkologen zufolge darf die Einnahme des Medikamentes für nicht länger als zwei Wochen unterbrochen werden.

Tschechien ist bei diesen Arzneimitteln gänzlich auf ausländische Hersteller angewiesen. Erste Engpässe gab es bereits im vergangenen Jahr. Seitdem fehlt das bisher übliche Produkt Tamoxifen Ebewe, und zwar überall in Europa. Das tschechische Gesundheitsministerium und SÚKL bestellten daraufhin das Ersatzmittel Tamoxifen Orifarm, das der Hersteller aber seit diesem Monat auch nicht mehr vorrätig hat. Petra Tesařová ist Leiterin der Abteilung für Strahlentherapie an der Prager Uniklinik Bulovka. Sie berichtete am Donnerstag von unkonventionellen Maßnahmen zur Selbsthilfe:

Petra Tesařová | Foto: Jana Přinosilová,  Tschechischer Rundfunk

„Wir geben allen Patientinnen, denen das Mittel ausgegangen ist, wenigstens einige Tabletten aus Restbeständen. Das sind Packungen, die andere Patientinnen zurückgebracht haben, weil sie sie nicht mehr brauchen.“

Es gibt Berichte, dass Patientinnen in Tschechien sich zudem mit Bestellungen in Polen oder Deutschland behelfen. Dort seien allerdings andere Tamoxifen-Produkte auf dem Markt, gibt Minister Vojtěch zu bedenken. Bisher müssen solche individuellen Lieferungen zudem aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Er verhandle aber mit den tschechischen Krankenversicherungen über eine Kostenübernahme, versichert Vojtěch und fährt fort:

„Wir suchen nach neuen Liefermöglichkeiten. Gerade gab es die Zustellung von 1000 Packungen. Aber wir haben schon weitere rund 5000 Packungen ausgehandelt, die in den kommenden Wochen eintreffen könnten. Damit wollen wir die Lage stabilisieren.“

Autoren: Daniela Honigmann , Michaela Bac9lkov8 | Quelle: Český rozhlas
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