Arbeitskräftemangel in Tschechien: Philippinische Arbeitnehmer sind umkämpft

Philippinische Arbeiter auf einer Bananenplantage

Industrieproduktion oder Baugewerbe – den Arbeitskräftemangel in Tschechien gleichen die Firmen mit gezielten Anwerbungen im Ausland aus. Vor allem von den Philippinen werden in den letzten Jahren zahlreiche Menschen ins Land geholt. Ihr Recht auf freie Jobwahl wird aber nicht immer respektiert.

Im März dieses Jahres lag die Zahl der in Tschechien arbeitenden Philippiner bei knapp 15.000. Die hiesigen Firmen investieren gezielt in ihre Anwerbung. Laut einem bilateralen Abkommen müssen tschechische Arbeitsgeber das Flugticket sowie eine Unterkunft zahlen, wenn sie Menschen aus dem Inselstaat einstellen. Laut Gesetz sind die Arbeitnehmer aus dem Drittland dann verpflichtet, mindestens für ein halbes Jahr in dem Job zu bleiben.

Die anschließende Möglichkeit der freien Jobwahl nutzen offenbar immer mehr philippinische Arbeitsmigranten in Tschechien.

„Wir kennen Beispiele, dass von einem Arbeitgeber 100 Leute auf einmal abgewandert sind“, sagt Jana Míčková Sladká von der Personalagentur GrapeCare, die seit mehr als zehn Jahren mit philippinischen Partnern zusammenarbeitet. Dies sei aber ein extremes Beispiel, fügt Míčková Sladká hinzu. Eine Analyse des Ministeriums für Arbeit und Soziales ergab, dass bis zu zehn Prozent der philippinischen Arbeitnehmer nach der kürzest möglichen Zeit den Arbeitsplatz in Tschechien wechseln. Der häufigste Grund dafür sei ein besserer Verdienst, erläutert Martin Jánský vom Verband der Personalvermittler:

Jana Míčková Sladká | Foto: GRAPECARE

„Oft kann das jedoch auch damit zusammenhängen, dass die Philippiner meist wegen einer Arbeit herkommen, die nicht besonders attraktiv ist – vom Lohn her, oder weil sie körperlich anstrengend ist. Wenn sich die Menschen etwas orientiert haben, stellen sie fest, dass man hierzulande auch zu besseren Bedingungen arbeiten kann.“

Gezielte Abwerbung

Menschen aus dem Inselstaat werden in Tschechien zumeist für Jobs in der Industrieproduktion, im Baugewerbe oder in der Logistik angeworben. Das Ministerium für Industrie und Handel betreibt zudem das Programm „Kvalifikovaný zaměstnanec“ (Qualifizierter Angestellter). In dessen Rahmen sind vergangenes Jahr knapp 4800 Menschen von den Philippinen nach Tschechien gekommen und in diesem Jahr bis Ende Juli weitere 4000. Ressortsprecher Tadeáš Provazník betont, dass in das Programm nur solche Arbeitgeber aufgenommen würden, bei denen in den vergangenen zwei Jahren keine Verstöße gegen das Arbeitsrecht registriert worden seien:

„Weiter erwarten wir von den Firmen eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum zur Unterstützung der Integration von Ausländern, vor allem bei der Absolvierung der Integrationskurse. Daneben müssen sie ein Verdienstkriterium anbieten, das mindestens dem 1,22-Fachen des Mindestlohns entspricht.“

Der Mindestlohn in Tschechien liegt derzeit bei 22.400 Kronen (930 Euro).

Die anfänglichen Investitionen, die die Firmen tätigen, um neue Arbeitskräfte von den Philippinen für den tschechischen Markt anzuwerben, würden von anderen Firmen hierzulande aber auch ausgenutzt, schildert Jana Míčková Sladká:

„Es gibt dann Arbeitgeber, die nicht an dem Programm teilnehmen und die abwarten, bis die Mitarbeiter angelernt wurden. Nach sechs Monaten sprechen sie diese dann zum Beispiel in der Unterkunft an und bieten vielleicht 1000 Kronen mehr Gehalt – und so werben sie die Arbeitskräfte ab.“

Bohumila Černochová | Foto: HRko

Menschen von den Philippinen bekommen in Tschechien meistens ein Arbeitsvisum, das auf zwei Jahre begrenzt ist. Darum ist den ursprünglichen Arbeitgebern daran gelegen, dass die Mitarbeiter nicht vorher schon kündigen. Vermieden werden könne dies durch einen guten Umgang mit den Angestellten und ihrer Unterstützung bei alltäglichen Problemen, sagt Bohumila Černochová. Sie leitet die mährische Filiale von Hofman Personal. Ihre philippinischen Klienten hätten bisher nur selten den Arbeitgeber in Tschechien gewechselt, so Černochová:

„Das Leben hier ist wirklich sehr anders, als sie es gewohnt sind. Je besser der Service ist, den man ihnen bietet, desto besser und enger bindet man sie an.“

Manche Firmen rufen hingegen nach einer Verlängerung der Pflichtzeit nach der Anwerbung. Dies lehnt das Industrieministerium allerdings ab. Dennoch kommen immer wieder illegale Praktiken ans Licht, mit denen Arbeitgeber ausländische Angestellte in ihrem Recht auf freie Jobwahl behindern. Reporter des Tschechischen Rundfunks haben etwa im Juni von einer Nagelstudiokette in der Gegend von Ostrava / Ostrau berichtet, die sich von ihren philippinischen Mitarbeiterinnen einen Schuldenvertrag unterschreiben lassen, der in Kraft tritt, wenn die Frauen das Unternehmen nach weniger als zwei Jahren wieder verlassen.

Autoren: Daniela Honigmann , Vít Andrle | Quelle: Český rozhlas
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