Gegen das Resignieren: Schweizer KlimaSeniorinnen werben in Prag für Klimaklage

Marianne Roth und Marianne Huber während ihres Besuchs in Prag

Sie waren die Ersten, die mit einer Klimaklage Erfolg beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hatten. Jetzt sind zwei der KlimaSeniorinnen aus der Schweiz auf Rundreise durch Europa und haben auch Halt in Tschechien gemacht.

Ihre Reise durch die Hauptstädte Europas führte Marianne Roth und Marianne Huber Anfang der Woche nach Prag. Die beiden Frauen vertreten den Verein KlimaSeniorinnen Schweiz. Dieser hat im April 2024 einen ersten gerichtlichen Erfolg gefeiert – als nämlich der Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg bestätigte, dass die Schweizer Regierung bis dahin nicht genug für den Klimaschutz getan habe.

Über diese Erfahrung berichteten die agilen Seniorinnen nun auch in Tschechien. Der Klimawandel würde sie ganz persönlich betreffen, sagte Marianne Roth gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks:

„Ich wohne in Zürich an der Limmat. Sie ist 70 Zentimeter gesunken. Jeden Morgen schaue ich aus dem Fenster und möchte weinen.“

Sie sei ein Naturmensch und viel draußen, betont Roth. Aber sie habe das Gefühl, alles sei am Absterben, und das ertrage sie fast nicht.

„Ich habe sehr schöne alte Bäume im Garten. Da sind die Angst und die Sorge, wenn schon ein Ast braun ist, was ich machen soll“,

berichtet auch Marianne Huber von einer inneren Unruhe. Sie wolle schließlich nicht Hunderte Liter von Trinkwasser für das Gießen benutzen. Und auch sie sei gern im Wald unterwegs...

„Aber lange Spaziergänge gehen bei 35 Grad nicht. Die Gewohnheiten kommen da also an ihre Grenzen. Und vor allem ist da die Sorge um die Natur – wo sind die Insekten, wo sind die Frösche? Wo ist all das, wenn es wochenlang so heiß und trocken ist? Die Natur leidet, und das tut weh und deprimiert.“

Gesunde Umwelt ist Menschenrecht

So empfinden es auch mehr als 1000 weitere Seniorinnen in der Schweiz, die inzwischen Mitglied im Verein sind und die Klimaklage aktiv unterstützen. Marianne Roth:

„Die Lebensqualität wird insgesamt eingeschränkt. Eine gesunde Umwelt ist aber ein Menschenrecht, das wir einfordern dürfen und müssen. Und das haben wir gemacht.“

Nach der Urteilsverkündung vom 9. April 2024 vor dem EGMR | Foto: Miriam Künzli,  Greenpeace

Ihre Regierung in Bern habe bisher allerdings nicht adäquat auf das Urteil von 2024 reagiert, so die Kritik der KlimaSeniorinnen. Sie setzen nun auf den Europarat, der die Einrichtung eines Klimarates in ihrem Land anordnen könnte.

Aber die Schweizerinnen wollen bei ihrer Rundreise nicht nur informieren, sondern die Akteure in anderen Ländern auch ermuntern, ebenfalls Klimaklagen einzureichen. In Prag waren Roth und Huber bei einem Happening und einer Filmdebatte dabei und außerdem am Dienstag bei einem Runden Tisch im Abgeordnetenhaus. Am Mittwoch reisten sie dann weiter nach Brno / Brünn. Ihre Botschaft sei einfach, so Roth:

„Es ist möglich, eine Klage einzureichen. Das ist auch für die Tschechische Republik und die hiesigen Klimaaktivisten möglich. Es gibt ja bereits in verschiedenen Ländern Initiativen. Warum soll Tschechien da ausgenommen sein? Das erhoffen wir uns und werden dazu ermuntern.“

Klima-Omas auch in Tschechien aktiv

Tatsächlich gibt es hierzulande schon eine Klimaklage. Sie wurde von den tschechischen Gerichten abgewiesen, weswegen sich der Verein Klimatická žaloba Anfang des Jahres ebenfalls an den EU-Gerichtshof für Menschenrechte gewendet hat. Und nach dem Schweizer Vorbild sind auch in Tschechien schon die Klima-Omas (Klimababičky) aktiv. Trotzdem bleibe noch viel zu tun, meint Marianne Huber:

Anna Hradilková und Yvonna Gaillyová | Foto: Klimatická koalice / FB

„Ganz wichtig ist, wenn nach dieser Reise die eine oder andere Stimme sich gestärkt fühlt und auch spricht. Dass es nicht diese Resignation gibt. Denn wir alle brauchen noch wahnsinnig viel Kraft, um diesen Prozess weiterzuführen. Wir wollen also beitragen, dass man nicht resigniert, sondern dass man kämpft, aktiv ist und professionell auf dieser legalen Schiene weitermacht.“

Autoren: Daniela Honigmann , Jan Kaliba | Quelle: Český rozhlas
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