Notfallpläne in Prag: Neue Schutzräume unter der Erde gesucht

Prag sucht nach neuen Schutzräumen für seine Bevölkerung. Gemeinsam mit der Feuerwehr und weiteren Experten will die Stadt eine Liste sogenannter improvisierter Schutzräume erstellen. Dafür könnten Keller, unterirdische Gänge oder auch Tiefgaragen in Einkaufszentren genutzt werden.

Anti-Atom-Abdeckung Folimanka | Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

Einer der permanenten Schutzräume in Prag ist der Bunker Folimanka im Stadtteil Nusle. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet und bietet dank seiner massiven Konstruktion Schutz vor den Auswirkungen einer nuklearen Explosion. Petr Koníček, Leiter der Abteilung für Bevölkerungsschutz der Prager Stadtverwaltung, führt durch die Anlage:

„Wir haben soeben den abgewinkelten Zugangstunnel passiert. Durch eine schwere Drucktür betritt man nun den eigentlichen Schutzraum.“

Anti-Atom-Abdeckung Folimanka | Foto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

Für einen längeren Aufenthalt ist eine moderne Filterlüftungsanlage entscheidend. Sie reinigt die Luft von Kohlendioxid und stellt die Sauerstoffversorgung im hermetisch abgeriegelten Raum sicher. Bei einem Stromausfall springt automatisch ein Dieselgenerator an. Doch das Betriebsteam ist selbst auf den äußersten Notfallvorbereitet:

„Sollte der Dieselgenerator ausfallen, kann die Filterlüftungsanlage manuell betrieben werden. Sie ist mit einer Kurbel ausgestattet. Die Schutzsuchenden müssten in einem solchen Fall die Kurbel bedienen und sich alle 15 Minuten abwechseln.“

Anti-Atom-Abdeckung Folimanka | Foto: Barbora Navrátilová,  Radio Prague International

Prag hat insgesamt rund 1,4 Millionen Einwohner. Die permanenten Schutzräume wie der Bunker Folimanka bieten jedoch nur Platz für 150.000 Menschen. Weitere knapp 350.000 Personen könnten in den U-Bahn-Stationen und im Strahov-Tunnel Zuflucht finden. Um die darüber hinaus bestehende Kapazitätslücke zu schließen, will die Stadt nun gemeinsam mit der Feuerwehr und Experten tschechischer Universitäten ein neues System improvisierter Schutzräume einführen. Jakub Růžička, Leiter der Abteilung für Bevölkerungsschutz der Prager Feuerwehr, erläutert das Vorhaben:

Strahov-Tunnel | Foto: Martin Pařízek,  Tschechischer Rundfunk

„Wir werden geeignete Objekte auswählen und ihre natürlichen Schutzeigenschaften bewerten. Anschließend kategorisieren wir sie, um festzustellen, welche Räumlichkeiten sich besser oder weniger gut für den Schutz der Bevölkerung eignen. Selbstverständlich werden wir auch konkrete Empfehlungen dazu abgeben, wie sich die Schutzfunktion dieser Bauwerke nachträglich verbessern lässt.“

Dazu können bereits einfachste Methoden beitragen, wie etwa das Abstützen von Decken mit Holzbalken oder das Verbarrikadieren von Fenstern mit Sandsäcken, führt der Experte weiter aus. Laut Růžička kommen sowohl private als auch öffentliche Gebäude als improvisierte Schutzräume infrage:

„Verschiedene Keller und Garagen – im Grunde alles unterhalb der Erdoberfläche – sind nahezu ideal. Dazu zählen beispielsweise auch die Tiefgaragen von Einkaufszentren und ähnliche Anlagen.“

Strahov-Tunnel | Foto: Martin Pařízek,  Tschechischer Rundfunk

Die Krisenpläne berücksichtigen zudem, dass im Falle eines militärischen Konflikts ein Teil der Bevölkerung die Stadt verlassen würde, wodurch die vorhandenen Kapazitäten ausreichen dürften. Als reales Beispiel zieht Růžička den anhaltenden Konflikt in der Ukraine heran:

Dort sei die Einwohnerzahl in Kiew um rund 30 Prozent gesunken, sagt er.

Sämtliche Standorte der Notunterkünfte und permanenten Schutzräume sind auf einer interaktiven Karte über das offizielle Sicherheitsportal der Hauptstadt Prag einsehbar https://bezpecnost.praha.eu/mapy/ukryti-a-sireny.

Autoren: Markéta Kachlíková , Petr Kastner
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