Online-Besichtigungen: Schlossverliese und edle Badezimmer

Burg Karlštejn (Foto: Klára Stejskalová)

Jetzt im Frühjahr sind normalerweise die beliebten tschechischen Burgen und Schlösser wie zum Beispiel Karlštejn oder Hluboká nad Vltavou wieder für Besucher geöffnet. Wegen der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus musste aber das Nationale Denkmalschutzamt dieses Jahr den Start der Touristensaison auf 25. Mai verschieben. Bis dahin haben Interessierte aber die Möglichkein, sich die alten Residenzen auch von der Wohnzimmer-Couch aus anzuschauen. Dafür reicht ein Internet-Anschluss, und die virtuellen Touren können beginnen. Wie das genau funktioniert, dazu im Folgenden mehr.

Schloss Slatiňany (Foto: Tereza Brázdová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Liebe Besucher! Angesichts der aktuellen Umstände und weil die Sehenswürdigkeiten geschlossen sind, wollen wir Sie wenigsten virtuell durch die Schönheiten der tschechischen Kulturdenkmäler führen.“

So fängt das Video aus dem Schloss im ostböhmischen Slatiňany / Slatinian an. Diese Art virtueller Besichtigungen wird vom landesweiten Denkmalschutzamt veröffentlicht. Jana Hartmanová ist Sprecherin der Behörde:

„Die Online-Besichtigungen und Videos darüber, was wir vorhaben und wie sich unsere Gebäude auf die neue Saison vorbereiten, finden die Interessenten in unseren sozialen Netzwerken – auf Instagram, Facebook oder YouTube. Aktuelle Informationen und Links zu den Besichtigungen bieten auch unsere Webseiten unter npu.cz.“

Schloss Hrubý Rohozec (Foto: Miloslav Rejha, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)
Das Projekt ist wie eine Staffel organisiert. Immer reicht der Zuständige von einem der Burgen oder Schlösser an einen Kollegen oder eine Kollegin weiter. So wie im Video von Jiří Holub, dem Kastellan von Hrubý Rohozec:

„Hallo, liebe Besucher, ich grüße Sie wieder aus Hrubý Rohozec. Hiermit möchte ich mich für die Wortübergabe bei Tomáš Kořínek aus Opočno bedanken. Wir schauen uns heute etwas ganz Anderes an. Bis jetzt waren wir gemeinsam in der Bibliothek, wir sind auch ins Schlossverlies hinabgestiegen. Aber heute möchte ich Ihnen anstatt die Interieurs einen interessanten Gegenstand zeigen.“

Die Verantwortlichen zeigen bei den virtuellen Besichtigungen oft Orte und Sachen, die man normalerweise nicht zu sehen bekommt. So wurden die Besucher beispielweise auf Schloss Hluboká nad Vltavou ins frühere Badezimmer der Fürstin Eleonora aus Schwarzenberg geführt. Dieses wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts im römischen Stil eingerichtet. Jana Hartmanová vom Nationalen Denkmalschutzamt empfiehlt aber auch ein weiteres Video.

Schloss Valeč (Foto: Ľubomír Smatana, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Und zwar aus Schloss Valeč. Es ist eine kleine Präsentation, die zeigt, wie eine ganz neue Dauerausstellung von Statuen des Bildhauers Matthias Bernhard Braun entsteht. Das dürfte wirklich interessant sein – es ist eine der großen Neuigkeiten in dieser Saison.“

Das Nationale Denkmalschutzamt hat wegen des Coronavirus seine Gebäude mit ganzjährigem Betrieb am 10. März geschlossen. Und die neue Saison startet erst am 25. Mai. Jana Sedláčková ist Kastellanin des Schlosses Konopiště in Mittelböhmen. Sie sagt, dass sie die zusätzliche Zeit hauptsächlich in Wartungsarbeiten investiere…

„Natürlich ist das der Garten, um ihn muss man sich das ganze Jahr über kümmern – ganz unabhängig davon, ob Saison ist oder nicht. Weil wir derzeit keine Besucher haben, haben wir aber auch im Innern einige Arbeiten begonnen, für die normalerweise nicht so viel ist. Meine Mitarbeiter haben bereits die Ausstellungsräume komplett aufgeräumt, nun machen sie sich an die Depotbestände“, so Jana Sedláčková.

Burg Karlštejn (Foto: Klára Stejskalová)
Ähnlich sieht das Kastellan Lukáš Kunst aus Karlštejn. Er sagt, man habe die Zeit dafür genutzt, den sogenannten südlichen Parkan (eine zweifache Mauer) zu restaurieren:

„Hier zu sehen ist der Ort, von dem aus in Zukunft eine neue Treppe aus dem Innenhof nach unten zum südlichen Parkan führen wird. Hier entstehen auch neue Toiletten für die Besucher. Der südliche Parkan war früher nicht öffentlich zugänglich. In den 1970er Jahren sind dort Anbauten gestanden, die wir jetzt abreißen.“

Lukáš Kunst ist zwar dankbar für die zusätzliche Zeit, die er jetzt in die Pflege der Burg stecken kann. Doch so ganz behagt ihm die Stimmung nicht.

„Einerseits ist es für mich sehr bereichernd und positiv. Andererseits ist die Ruhe auf Karlštejn wirklich zum Heulen. Denn die Besucher gehören einfach hierher, und die Burg leidet durch die Stille ein bisschen“, findet Kastellan Kunst.

Manche der geschlossenen tschechischen Schlösser und Burgen nutzen ihre Räumlichkeiten auch noch anders. In Český Krumlov / Krumau, Lednice /Eisgrub oder Bouzov / Busau sind zum Beispiel während der Corona-Krise improvisierte Nähereien entstanden. Da sich die Bediensteten derzeit nicht um Besucher kümmern müssen, nähen sie dort Mund- und Nasenschutzmasken für Bedürftige.