Orchester aus München, Dresden, Berlin und Oslo: Kartenvorverkauf für „Prager Frühling“ hat begonnen

Das internationale Musikfestival Prager Frühling beginnt erst im Mai, aber die Veranstalter haben schon am Dienstag das Programm für das kommende Jahr veröffentlicht. Denn der Kartenverkauf startet am Mittwochvormittag.

Mehr als 60 Veranstaltungen stehen auf dem Programm des Musikfestivals Prager Frühling im nächsten Jahr, 38 davon sind Konzerte. Zudem werden unter anderem 19 Workshops und Masterclasses organisiert. Auch die traditionelle Begleitausstellung „Prager Frühling Art Salon“ darf bei der 81. Ausgabe des Festivals nicht fehlen. Die Künstler, Kammerensembles und Orchester, die nach Prag kommen, stammen aus 28 Ländern der Welt.

Petr Popelka | Foto: Petra Hajská,  Musikfestspiele Prager Frühling

Bei den beiden Eröffnungskonzerten erklingt traditionell der Zyklus sinfonischer Dichtungen „Mein Vaterland“ von Bedřich Smetana. Diesmal übernimmt dies das Radio-Sinfonieorchester Prag unter der Leitung von Petr Popelka. Warum gerade die Rundfunksymphoniker das Festival eröffnen, erläutert Josef Třeštík. Er ist künstlerischer Leiter des Prager Frühlings.

Josef Třeštík | Foto: Jan Kantor,  Musikfestspiele Prager Frühling

„Das Radio-Sinfonieorchester Prag gehörte schon während des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten tschechischen Orchestern. Und es ist eng mit dem Prager Frühling verbunden. Zudem begeht das Orchester im kommenden Jahr sein 100. Jubiläum. Nicht zuletzt ist sein Chefdirigent Petr Popelka derzeit einer der international am meisten gefragten Dirigenten. In dieser Saison tritt er unter anderem mit dem Chicago Symphony Orchestra und dem Cleveland Orchestra auf und debütiert mit den Berliner Philharmonikern. Diese Saison ist die letzte, in der er das Radio-Sinfonieorchester Prag leitet. Das Eröffnungskonzert des Festivals wird zeigen, welche künstlerische Spuren er bei diesem Orchester hinterlassen wird.“

Radio-Sinfonie-Orchester Prag | Foto: Khalil Baalbaki,  Musikfestspiele Prager Frühling

Der Prager Frühling bietet traditionell Musik unterschiedlicher Genres und aus mehreren Epochen, auch die Gegenwartsmusik kommt dabei nicht zu kurz. Die ältesten Kompositionen, die zu hören sein werden, sind Werke des englischen Lautenisten und Komponisten John Dowland (1563 –1626). Und weiter Josef Třeštík:

Eric Lu | Foto: Rajchert Lukasz,  Musikfestspiele Prager Frühling

„Die neuesten Werke werden wiederum elf Kompositionen sein, die ihre Weltpremiere erleben. Diese Stücke wurden vom Festival in Auftrag gegeben. Natürlich wird es aber auch Kammermusik sowie Klavierkonzerte geben. Es kommt etwa der frische Sieger des Chopin-Wettbewerbs, der US-amerikanische Pianist Eric Lu, nach Prag. Den Schwerpunkt des Programms bilden indes große Orchesterkonzerte. Mehrere namhafte Klangkörper treten beim Festival auf. Außer der Tschechischen Philharmonie und einigen weiteren tschechischen Orchestern sind es beispielsweise das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Oslo Philharmonic mit seinem Stardirigenten Klaus Mäkelä.“

Klaus Mäkelä | Foto: Kaupo Kikkas,  Musikfestspiele Prager Frühling

Die Residenzkünstlerin des diesjährigen Prager Frühlings ist die kanadische Sopranistin und Dirigentin Barbara Hannigan.

„Ich traue mir zu sagen, dass sie eine der interessantesten Künstlerinnen der Gegenwart ist. Sie singt und dirigiert nicht nur, sondern dirigiert und singt auch zugleich. Und wie sie selbst einräumt, tanzt sie dabei manchmal oder spielt dabei noch. Davon können wir uns vor allem bei ihrem Projekt ,La voix humaine‘ (Die menschliche Stimme) überzeugen. Das ist eine Oper von Francis Poulenc, die er auf einen Text von Jean Cocteau geschrieben hat. Es handelt sich um eine Oper für eine einzige Frau. Barbara Hannigan wird die Partie singen und gleichzeitig die Tschechische Philharmonie dirigieren. Dabei wird sie gefilmt, und ihre schauspielerische Darstellung wird auf eine Leinwand über dem Orchester projiziert“, so Třeštík.

Hannigan beteiligt sich insgesamt an fünf Festivalprojekten. Außer der Oper von Poulenc tritt sie noch einmal als Dirigentin und Sängerin mit der Tschechischen Philharmonie auf. In dem Fall erklingen Werke von Joseph Haydn, Arnold Schönberg und George Gershwin. Der künstlerische Leiter des Festivals macht aber noch auf weitere Konzerte mit Hannigan aufmerksam:

„Sie tritt gemeinsam mit dem hervorragenden französischen Pianisten Bertrand Chamayou auf. Mit ihm führt Hannigan den Zyklus ,Gesänge von Erde und Himmel‘ von Olivier Messiaen auf. Der Pianist spielt anschließend Skrjabin, und es folgt ein sehr anspruchsvoller Zyklus mit dem Titel ,Jumalattaret‘. Der US-amerikanische Jazzman und Performer John Zorn schrieb ihn speziell für Barbara Hannigan. Sie sagte, die Komposition habe ihr Leben verändert. Zu Beginn habe sie gedacht, dass sie nicht aufführbar sei, erzählte die Musikerin. Danach feierte sie jedoch mit ihr Erfolge in mehreren Ländern. Zorns Werk erlebt beim Festival seine tschechische Premiere.“

Barbara Hannigan wird des Weiteren mit dem Belcea Quartett als Sängerin auftreten. Und nicht zuletzt bietet die Künstlerin Masterclasses in Prag an.

Simon Rattle und Magdalena Kožená | Foto: Julia Wesely,  Musikfestspiele Prager Frühling

Auch mehrere renommierte tschechische Musiker haben sich für das Festival angekündigt. Bei einem der Konzerte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks mit seinem Chefdirigenten Sir Simon Rattle tritt die Mezzosopranistin Magdalena Kožená auf. Sie wird die Komposition „Where are You?“ singen, die Ondřej Adámek speziell für sie geschrieben hat. Die Komposition über die Suche nach Gott erlebt beim Prager Frühling ihre Weltpremiere.

Jakub Hrůša | Foto: Ian Ehm,  Musikfestspiele Prager Frühling

Außer Dirigent Petr Popelka, der die Eröffnungskonzerte dirigiert, nehmen noch weitere international anerkannte tschechische Dirigenten am Festival teil. Der Musikdirektor des Royal Opera House in London und künftige Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie, Jakub Hrůša, leitet die Philharmoniker bei einem Konzert mit der Geigerin Patricia Kopatschinskaja. Tomáš Netopil dirigiert das Prager Sinfonieorchester FOK bei der Aufführung von „Fausts Verdammnis“ von Hector Berlioz. Robert Jindra studiert für das Festival Massenets Oratorium „Marie-Magdeleine“ ein. Josef Třeštík fährt fort:

Orchestra of the Age of Enlightenment und Václav Luks | Foto: Zen Grisdale,  Musikfestspiele Prager Frühling

„Aus Berlin kommt das Deutsche Symphonieorchester Berlin, das ein wenig im Schatten der Berliner Philharmoniker steht, aber zu den besten Orchestern der Welt gehört. Es wird unter der Leitung des tschechischen Dirigenten Tomáš Hanus spielen. Solist ist der japanische Cellist Yuya Mizuno, Sieger des Wettbewerbs des Prager Frühlings vom vergangenen Jahr. Eines der berühmtesten Orchester, die auf historischen Musikinstrumenten spielen, das britische Orchestra of the Age of Enlightenment, wird zusammen mit Solisten und dem tschechischen Dirigenten Václav Luks Haydns Oratorium ,Die Schöpfung‘ aufführen.“

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin | Foto: Kathleen Pracht,  Musikfestspiele Prager Frühling

Der tschechische Komponist Jakub Jan Ryba (1765 – 1815) ist durch seine Böhmische Hirtenmesse bekannt geworden, die hierzulande während der Weihnachtszeit viel gespielt wird. Beim Festival erklingt Rybas „Stabat mater“, dazu leitet Aaapo Häkkinen das finnische Helsinki Baroque Orchestra. Josef Třeštík:

Aapo Häkkinen | Foto: Ville Paul Paasimaa,  Musikfestspiele Prager Frühling

„Jakub Jan Ryba ist zwar durch seine Weihnachtsmesse berühmt geworden, aber er schrieb zahlreiche weitere außerordentlich beeindruckende Werke. Wer zum Konzert des finnischen Ensembles kommt und sich die ,Stabat mater‘ anhört, wird vermutlich überrascht sein, welch dramatische und klar romantische Musik Ryba hier geschrieben hat.“

Unter dem Titel Prague Offspring bieten die Veranstalter ein zweitägiges Programm, das sich auf die neueste Musik konzentriert. Das entsprechende Residenzorchester sei zum zweiten Mal das Ensemble Modern aus Frankfurt am Main, merkt der künstlerische Leiter des Festivals an:

Offspring Ensemble Modern | Foto: Katharina Dubno,  Musikfestspiele Prager Frühling

„Unter der Leitung von Ilan Volkov spielt das Ensemble eine Reihe von Werken tschechischer Komponisten, die im Auftrag des Festivals entstanden. Die größte Komposition schreibt Michal Nejtek. Prague Offspring hat jedes Mal auch seinen Residenzkomponisten. In diesem Jahr ist es die koreanische Komponistin Unsuk Chin. Bei den Konzerten erklingt eine Auswahl aus ihrem Werk, darunter ,Gougalon‘, und ein Fragment aus der Oper ,Alice im Wunderland‘.“

Außer den bekannten Orchestern und Dirigenten treten beim Festival mehrere renommierte Musiker auf, wie beispielsweise das niederländische Klavierduo Lucas & Arthur Jussen und die argentinisch-schweizerische Pianistin Martha Argerich. Zu den Opernstars, die beim Prager Frühling singen, gehören die polnische Sopranistin Aleksandra Kurzak, die lettische Mezzosopranistin Elina Garanča und der französische Tenor Benjamin Bernheim.

Das internationale Musikfestival Prager Frühling findet kommendes Jahr vom 12. Mai bis 4. Juni statt. Der Kartenverkauf hat an diesem Mittwoch um 11 Uhr begonnen. Mehr über das Programm erfahren Sie unter: https://festival.cz/en/

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