Papst Leo XIV.: Der neue Pontifex kennt Tschechien – und fährt gerne Auto

Papst Leo XIV.

Eigentlich hätte Kardinal Robert Francis Prevost in der kommenden Woche nach Prag reisen sollen. Doch dann kam das Konklave, bei dem er zum Papst gewählt wurde.

Papst Leo XIV. | Foto: Andrew Medichini,  ČTK/AP

Als Kardinal Dominique Mamberti am Donnerstagabend bekanntgab, dass ein neuer Papst gewählt wurde, brandete Jubel auf dem Petersplatz auf. Das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist Kardinal Robert Francis Prevost, der sich den Namen Leo XIV. gegeben hat. Er stammt aus den USA, sodass erstmals ein Mann aus Nordamerika Papst geworden ist. Zugleich hat Prevost auch die Staatsbürgerschaft Perus, wo er lange gelebt hat. In seiner ersten Rede rief der neue Papst vom Balkon des Petersdoms dazu auf, Frieden zu stiften und Brücken zu bauen.

Zahlreiche tschechische Geistliche und Politiker, allen voran Präsident Petr Pavel und Premier Petr Fiala (Bürgerdemokraten), gratulierten dem neuen Pontifex zur Wahl. Überschwänglich war die Freude über die Entscheidung des Konklaves bei Juan Provecho, einem gebürtigen Spanier, der seit fast 30 Jahren in Tschechien lebt. Provecho ist Provinzial der Augustiner in Tschechien – und dem gleichen Orden gehört auch Papst Leo XIV. an. Von 2002 bis 2013 war Prevost Generalprior der Augustiner und in dieser Funktion auch des Öfteren bei seinen Mitbrüdern in Tschechien zu Besuch. Wie erinnert sich Juan Provecho an den jetzigen Papst?

Juan Provecho | Foto: J.G. Mendel,  OSA  (1822-2022)

„Er ist ein sehr demütiger Mensch – jemand, der nachdenkt, bevor er etwas sagt. Und er kann gut zuhören. Er führt ein sehr fröhliches Leben und ist gesellig.“

Und wie Provecho weiter in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks verriet, hat der neue Papst neben dem Glauben noch eine weitere Vorliebe…

„Er fährt gern Auto. Häufig, wenn er uns aus Italien besuchen kam, fuhr er die ganze Strecke allein und ließ niemanden anderen übernehmen. Er sitzt wirklich gern hinter dem Steuer.“

Und nun hat Robert Francis Prevost das Steuer der römisch-katholischen Kirche mit 1,4 Milliarden Mitgliedern weltweit übernommen. Der Pilsener Bischof Tomáš Holub glaubt, dass Leo XIV. an seinen Vorgänger, Papst Franziskus, anknüpfen werde.

Tomáš Holub | Foto: Nikola Nosková,  Tschechischer Rundfunk

„Er stammt aus Nordamerika und hat Verbindungen in den Süden des Kontinents. Seine familiären Wurzeln reichen nach Frankreich, Italien und Spanien. Er wird ein Papst sein, der verbindet.“

Auch die Namenswahl des neuen Pontifex deutet auf Kontinuität und eine soziale Ader hin – meint Tomáš Roule. Er ist katholischer Priester und arbeitet derzeit am tschechischen päpstlichen Kolleg Nepomucenum in Rom.

„Der Name spricht für Kontinuität. Papst Leo XIII. war jemand, der den Herausforderungen seiner Zeit entgegentrat und sich für die Lage der Arbeiter einsetzte. Die Kirche stellte sich damals auf die Seite der ausgebeuteten Bevölkerungsgruppen.“

Päpstliches Collegium Nepomucenum | Foto: Juris Jiří Jeniš,  CC BY-SA 3.0 CZ

Auch Juan Provecho glaubt, dass sich der neue Papst den sozial Schwachen widmen wird. Und zugleich dürfte er wohl auch nicht vor Themen wie der LGBT-Community oder Frauen in der katholischen Kirche zurückschrecken:

„Leo XIII. hat auf die Probleme der Zeit geantwortet, also auf die Lage der Arbeiter. Nun gibt es andere Probleme, für die die Kirche Antworten finden muss. Leo XIV. wird sich die Zeit nehmen und sich gut beraten lassen. Aber er wird keine Angst haben, das zu sagen, was er denkt.“

Eigentlich hätte Kardinal Prevost am Samstag kommender Woche nach Tschechien reisen sollen, um an einer Firmung in der St.-Thomas-Kirche auf der Prager Kleinseite teilzunehmen. Den Besuch sagte er jedoch wegen des anstehenden Konklaves ab und kündigte an, im kommenden Jahr nach Prag zu kommen. Ob diese Ankündigung nach der Papstwahl noch gilt? Juan Provecho für seinen Teil hofft inständig, dass Leo XIV. demnächst einmal nach Tschechien kommt.

Autoren: Ferdinand Hauser , Kryštof Jiřík , Marek Sedláček
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