Peake oder Peaková: Wie heißt die Vizepremierministerin Tschechiens?

Karolína Peake

Der Empfang von Radio Prag via WRN Deutsch, einige TV-Serien sowie der Suffix –ová bei weiblichen Nachnamen im Tschechischen. In der heutigen Ausgabe unseres Hörerforums erfahren Sie gleich mehr zu diesen Themen.

Hallo und nach zwei Wochen wieder herzlich willkommen zu Ihrer Sendung bei Radio Prag, zum Hörerforum. Hier stehen Ihre Briefe, Postkarten, Fragen und Anmerkungen auf dem Programm. Zunächst möchten wir uns aber bei Ihnen für die Empfangsberichte bedanken, die bei uns in den letzen Tagen angekommen sind. Geschrieben haben uns unter anderem: Detlef Jurk aus Berlin, Michael Brawanski aus Annaberg-Buchholz und Bernd Seiser aus Ottenau.

Schauen wir uns nun einige Ihrer Zuschriften an. Sandro Blatter aus Schwerzenbach in der Schweiz hat eine der wenigen Möglichkeiten genutzt, uns aus dem Äther zu empfangen. Er hat uns am 11. April über den Astra 19,2 E Satelliten gehört, und zwar dank dem Verbreitungskanal WRN Deutsch.

Jiří Anderle  (1936)  | Foto: ČTK
„Auch diesen Monat melde ich mich mit einem Brief bei Ihnen. Ganz herzlich möchte ich mich natürlich für die QSL-Karte bedanken, welche ich letzten Monat erhalten habe. Eine Anmerkung zum Programm vom vergangenen Dienstag möchte ich noch machen. Es war wie immer gut gestaltet. Leider wurde es aber irgendwie länger als die geplanten 27 Minuten, und der Rest des Interviews in ´Heute am Mikrophon´ hat gefehlt. So wie es aussieht, ´klemmt´ man nach exakt 27 Minuten ab. Ich habe die fehlende Minute mir dann im Internet angehört. Kein Problem, aber es ist trotzdem schade.“

Danke für Ihre Anmerkung, Herr Blatter, und entschuldigen Sie bitte diesen Fehler. Wir werden die Sache mit unserer Technik besprechen und aufpassen, dass die Beiträge tatsächlich nicht länger als die geplanten 27 Minuten dauern. In den restlichen drei Minuten wird dann nur noch Musik gespielt.

´Glück und Glas oder Jakub der Glasmacher´
Im zweiten Teil unserer Sendung wenden wir uns einem anderen Medium zu, nämlich dem Fernsehen. Dabei geht es um zwei TV-Serien. Martin Huber aus Obertaufkirchen schreibt und fragt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich hätte eine Anfrage wegen eines früher gesendeten Mehrteilers aus Tschechien mit dem deutschen Titel: ´Glück und Glas oder Jakub der Glasmacher´. Ist dieser Mehrteiler bei Ihnen in deutscher Sprache als DVD oder Mitschnitt zu kaufen? Ich wäre sehr glücklich, wenn das möglich wäre. Ich war ein großer Fan dieser Serie.“

Wir müssen Sie, Herr Huber, leider enttäuschen. Die Serie wurde zwar in Deutschland gesendet, ihre deutschsprachige Version steht allerdings als DVD nicht zur Verfügung. Das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen hat im vergangenen Jahr begonnen, alle TV-Serien nach Drehbüchern von Jaroslav Dietl auf DVD zu veröffentlichen. Dazu gehört auch der Glasmacher-Mehrteiler, der bereits erschienen ist. Seine 13 Episoden sind allerdings unter dem Namen ´Synové a dcery Jakuba Skláře´ (Söhne und Töchter von Jakub dem Glasmacher) nur auf Tschechisch zu erwerben.

´Borgia´
Einer anderen Fernsehserie gelten die folgenden Zeilen von Klaus Köhler aus Oberloquitz:

„Liebe Redaktion, heute gibt es wieder mal einen Brief von mir mit einigen Informationen zu dem bereits im deutschen Fernsehen beim ZDF gezeigten Mehrteiler ´Borgia´. Er konnte Ende vergangenen Jahres mit guter Resonanz sowohl der Zuschauer als auch der Medien aufwarten. Weniger bekannt dürfte gewesen sein, dass die Serie in den Prager Barrandov-Studios entstand. Im TV liefen die einzelnen Folgen zur besten Sendezeit um 20,15 Uhr, allerdings in einer gekürzten Fassung; da wurden sowohl gewalttätige als auch zu freizügige Szenen herausgeschnitten. Wer will, kann die ungeschnittene Fassung sowohl auf DVD als auch Blu-ray käuflich erwerben. Mich würde nun interessieren, wie in Tschechien die Serie aufgenommen wurde.“

´Borgia´  (Foto: Beta Film GmbH)
Sie haben Recht, Herr Köhler. Die Dreharbeiten liefen tatsächlich in Tschechien, unter anderem auf dem Schloss Telč und auf der Burg Točník. In den Barrandov-Studios in Prag wurde dann Rom erbaut, einschließlich einer getreuen Kopie der Sixtinischen Kapelle. Auch mehrere tschechische Schauspieler sind in ´Borgia´ zu sehen. Zurzeit entsteht bereits die zweite Reihe des Mehrteilers, und die Wahl fiel wieder auf Tschechien. Im April wurde zum Beispiel auf der westböhmischen Burg Švihov gedreht. Mit der Ausstrahlung der Serie hat man in Tschechien erst im März dieses Jahres im privaten TV-Sender Barrandov begonnen. Sie läuft dort jeden Samstag um 20 Uhr. Am kommenden Samstag wird die zehnte Folge gezeigt, so dass sich die Serie bereits ihrem Ende nähert, und man wird bald auch die Reaktionen und Urteile zusammenfassen können. Übrigens wurde im März im Theater Hybernia in Prag auch ein Musical namens Lucrezia Borgia von Libor Vaculík, Petr Malásek und Václav Kopta uraufgeführt. Die römische Familie Borgia ist im Kulturleben hierzulande also reichlich vertreten.

Karolína Peake
Zum Schluss der heutigen Sendung wollen wir noch eine Frage aus Österreich beantworten. Sie geht aus der aktuellen politischen Berichterstattung hervor, bezieht sich aber auf ein sprachliches Problem. Gestellt wurde sie von Ingmar Schäfer aus Salzburg:

„Ich lese täglich sehr interessiert Ihre Nachrichten als Newsletter. Anlässlich der Berichterstattung zur Regierungskrise stelle ich mir folgende Frage, die Sie mir vielleicht beantworten können: Bei meinen böhmischen Verwandten, die nach dem Krieg in der Tschechoslowakei bleiben durften, genauso wie bei meiner Großmutter, die vor der Annexion tschechoslowakischer Staatsbürger war, wurde der Nachname offiziell verweiblicht. Dadurch entstand z. B. bei meiner Großmutter die etwas seltsam anmutende Form ´Schönherrová´. Nun wird bei der Berichterstattung über Karolína Peake immer ihr unveränderter Nachname verwendet, obwohl der Name ´Peake´, englisch ausgesprochen, doch auch in der tschechischen Sprache nicht weiblich klingt - oder etwa doch? Ist nun Frau Peakes Nachname auch offiziell ´Peake´, oder steht in ihrem Pass dann doch ´Peaková´ oder ähnlich? Bei der tschechischen Berichterstattung z. B. über Frau Merkel ist mir aufgefallen, dass - tschechisch - dann ´Merkelová´ verwendet wird. Falls Frau Peake auch auf Tschechisch ´Peake´ heißt, könnten sich dann alle Frauen, z. B. deutscher Herkunft, offiziell ohne die tschechische, weibliche Endung ´-ová´ u. ä. umbenennen? Hat es da in der Handhabung oder Gesetzeslage Veränderungen gegeben?“

´Merkel besucht Clinton´
Die Ableitung der weiblichen Nachnamen von den männlichen mit Hilfe des Suffixes –ová bezieht sich sowohl auf tschechische als auch auf ausländische Namen. In der Alltagssprache ist sie nicht verpflichtend, wird also in keinem Gesetz vorgeschrieben. Die Nutzung wird allerdings empfohlen, da sie aus der Struktur der tschechischen Sprache entsteht: die grammatische Bedeutung des Wortes wird durch verschiedene Suffixe ausgedrückt. Sie ermöglicht ein einfacheres Verständnis und vermeidet unklare Aussagen. Als Beispiel können wir den Satz nennen: ´Merkel besucht Clinton´. Im Deutschen ist klar, dass die Bundeskanzlerin Subjekt des Satzes ist und die US-Außenministerin besucht. Die Wortfolge im Tschechischen ist aber lockerer und wenn man sagt: ´Merkel navštíví Clinton´, kann es sowohl bedeuten, dass Merkel Clinton besucht, als auch dass Merkel von Clinton besucht wird. Mit den Suffixen und ihrer Deklination wird aber alles klar ausgedrückt: ´Merkelová navštíví Clintonovou´.

Der Mann von Karolína Peake ist Australier und daher darf ihr Namen ohne –ová gebraucht werden
Es gibt allerdings Unterschiede zwischen der alltäglichen Kommunikation und offiziellen Dokumenten, die einen rechtlichen Charakter haben: maßgebend ist das Gesetz über Matrikeln, Namen und Nachnamen aus dem Jahr 2004. Darin wird festgelegt, dass die weiblichen Nachnamen in bestimmten Fällen in der männlichen Form eingetragen werden können und zwar wenn die Namensträgerin eine Ausländerin, oder eine Bürgerin, die einen dauerhaften Aufenthalt im Ausland hat, oder eine Bürgerin, die nicht die tschechische Nationalität hat, beziehungsweise eine Bürgerin ist, deren Ehemann Ausländer ist. Der letztgenannte Fall gilt eben für die stellvertretende Ministerpräsidentin Karolína Peake. Ihr Mann ist Australier und daher darf ihr Namen ohne –ová gebraucht werden.

Und damit möchten wir uns für heute verabschieden. Schreiben Sie uns weiterhin an: Radio Prag, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Sie können uns natürlich auch eine E-Mail schreiben an: [email protected]. Sowohl dieses Hörerforum als auch alle weiteren Beiträge unserer Sendungen können Sie im Internet nachlesen und auch anhören, und zwar unter www.radio.cz. Wir wünschen Ihnen einen schönen Feiertag, bis bald und auf Wiederhören!