Philip Morris-Studie: Raucher entlasten Staatskassen

Raucher

Während der tschechische Gesundheitsminister Bohumil Fiser gerade der Regierung einen neuen Gesetzesvorschlag zum Kampf gegen die Raucher unterbreitete, erregt nun endlich auch eine bereits vor mehreren Wochen vorgelegte Studie des Tabakgiganten Philip Morris die Aufmerksamkeit der tschechischen Öffentlichkeit. Olaf Barth berichtet.

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Die Studie, die die Consulting-Firma Arthur Little International im Auftrage des größten Tabakproduzenten der Welt erstellte, kommt zu folgendem aufschlussreichen Fazit: Die Tschechische Republik hat dank ihrer Raucher im Berechnungszeitraum 1999 5,9 Milliarden Kronen - rund 300 Millionen DM - gespart. Wie das, werden Sie vielleicht fragen? Auch darauf gibt die Studie eine Antwort. Diese Summe hätte der Staat nämlich aufbringen müssen, um die Rente, die Gesundheits- und Sozialversorgung jener Bürger sicherzustellen, die in besagtem Jahr an den Folgen ihres Tabakkonsums gestorben sind. Was meint der Vorsitzende der tschechischen "Liga gegen Krebs", Zdenek Dienstbier, zu einer solchen Rechnung:

"Die Studie, die der amerikanische Konzern Philip Morris erstellt hat, muss ich als absolut unethisch bezeichnen und als etwas, das in einer zivilisierten Welt überhaupt nicht vorkommen sollte. Ganz abgesehen davon, dass man den Gewinn eines Unternehmens nicht gegen die Leiden von Individuen aufrechnen kann, sind sie auch aus rein ökonomischer Sicht falsch. Zwar nimmt der Staat sicher einen hohen Betrag durch die Tabaksteuer ein, aber vergleicht man dies mit dem, was er Tag ein Tag aus für die medizinische Versorgung jener ausgeben muss, die an den Folgen des Rauchens leiden, dann sind die Kosten mindestens dreimal so hoch. "

Interessant ist sicher auch, dass sich ein Tabakkonzern, der seit Jahren Prozesse führt, in denen er die Gesundheitsschädlichkeit seiner Produkte bestreitet, sich eine Studie erstellen lässt, in der - wenn auch auf äußerst zynische Weise - letzten Endes nichts anderes zum Ausdruck gebracht wird, als dass Rauchen tödliche Gesundheitsschäden hervorruft.

Warum also eine solche Studie?

Remi Calvet, Pressesprecher von Philip Morris, erklärt, dass man lediglich Angaben und Argumente für die in Tschechien seit einiger Zeit stattfindende Debatte über die Kosten der Gesundheitsversorgung von Rauchern zusammenstellen wollte. Mit anderen Worten, man war bemüht, mit guten Argumenten neue Lobbyisten unter den tschechischen Abgeordneten zu werben, um möglichst raucherfreundliche Gesetze durchzudrücken. Dieser Schuss dürfte aber wohl nach hinten losgegangen sein.

Gesundheitsminister Fiser beabsichtigt gemäß seinem am Dienstag der Regierung vorgelegten Gesetzesvorschlag, strengere Maßnahmen zum Schutz von Jugendlichen, aber auch von Nichtrauchern durchzusetzen. Diese betreffen vor allem öffentliche Gebäude wie Polizeireviere, Gerichte, Behörden, Banken u.w., auf die das Rauchverbot ausgedehnt werden soll. Auch Gaststätten werden demnach künftig mehr und besser belüftete Nichtraucherplätze schaffen müssen. Die Strafen für Zuwiderhandlungen sollen ebenfalls deutlich erhöht werden.

Nach einer Schätzung des Gesundheitsministeriums sterben jährlich in Tschechien 23.000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Autor: Olaf Barth
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