Corona-Krise und erhöhte Tabaksteuer: Absatz von Zigaretten ist rückläufig

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 2020 wurden in Tschechien 600 Millionen Zigaretten weniger verkauft als im Jahr zuvor. Grund dafür ist nicht nur die Corona-Krise. Auch die Anhebung der Steuer auf Tabakerzeugnisse zeigt ihre Wirkung. Und die Preissteigerung wird sich auch 2021 fortsetzen.

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12,25 Milliarden Zigaretten gingen in Tschechien im vergangenen Jahr über den Ladentisch. Im Jahresvergleich brach der Verkauf damit um fast fünf Prozent ein. Diese Daten hat das Marktforschungsunternehmen Nielsen erhoben. Der Rückgang setzte demnach im Frühjahr 2020 ein, als die Regierung den Notstand ausrief. Plötzlich wurden nur noch rund 12 Prozent so viele Glimmstängel verkauft wie zu normalen Zeiten. Grund dafür seien die geschlossenen Restaurants und auch die dichten Grenzen gewesen, sagt Nielsen-Mitarbeiterin Jana Navrkalová:

Der Einfluss der Corona-Krise sei deutlich geworden während des verlangsamten Saisonstarts im Juni 2020, der auf fehlende Touristen zurückzuführen gewesen sei sowie auf die verringerten Möglichkeiten, sich mit Freunden zu treffen, so die Marktexpertin. (Web: „Der Einfluss der Corona-Krise wird deutlich während des verlangsamten Saisonstarts im Juni 2020, der auf fehlende Touristen zurückzuführen war sowie auf die verringerten Möglichkeiten, sich mit Freunden zu treffen.“)

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Beim verringerten Absatz von Zigaretten macht sich auch die Steuererhöhung für Tabakprodukte bemerkbar. Diese wirke sich erwartungsgemäß auf den Verkaufspreis aus, führt Navrkalová aus:

„Der Durchschnittspreis für eine Zigarettenschachtel ist sprunghaft angestiegen, von den bisher stabilen 91 Kronen aus dem Jahr 2019 auf aktuell 107 Kronen.“

Auf den Euro umgerechnet macht dies einen Unterschied von 60 Cent aus.

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Die Tabaksteuer steigt auch in diesem Jahr weiter an. Im Februar werden weitere zehn Prozent draufgelegt. Dann könnten Raucher, die nach Angaben des Staatlichen Gesundheitsinstituts etwa ein Viertel der tschechischen Bevölkerung ausmachen, bis zu 130 Kronen (5 Euro) für eine Packung Zigaretten hinlegen. Tomáš Tesař ist Leiter der Kommunikationsabteilung beim tschechischen Ableger von British American Tobacco:

„Die Tabakwirtschaft wird leider wieder von einer deutlichen Erhöhung der Verbrauchsteuer betroffen sein. Darum kommt es erneut zu einem beträchtlichen Preisanstieg. Die tschechischen Raucher müssen sich auf einen Zuschlag von durchschnittlichen acht Kronen (30 Cent, Anm. d. Red.) pro Packung einstellen.“

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Die Steuererhöhungen sollen auch in den kommenden Jahren weitergehen. Die Tabakfirmen warnen, dass dies zur Ausweitung des Schwarzmarktes führen könnte. Sie befürchten einen zunehmenden Schmuggel mit billigeren Produkten aus dem Ausland. Eine Untersuchung des Unternehmens Philip Morris ergab, dass sich die Menge an illegalen Zigaretten auf dem Markt seit dem Frühjahr 2020 bis zum Jahresende verdoppelt hat.

Die Branche hofft nun auf eine Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen, genauer auf die Wiederbelebung des kleinen Grenzverkehrs zu Einkaufszwecken. Uneingeschränkte Reisemöglichkeiten haben für Zigarettenhersteller aber auch ihre Nachteile, sagt Jiří Sochor, Sprecher der Firma JTI:

Geschmuggelte Zigaretten  (Foto: HM Revenue & Customs,  Flickr,  CC BY 2.0)

„Obwohl die Anti-Corona-Maßnahmen in bedeutendem Umfang auch gesetzeswidrige Aktivitäten erschwert haben, erwarten wir nicht, dass diese Entwicklung anhält. Im Gegenteil. Wenn die Lockerungen einsetzen, werden Schmugglertrassen aus Weißrussland und der Ukraine wiederbelebt werden. Dies wird an Intensität nur zunehmen, da die Preise für legal erworbene Zigaretten hierzulande steigen und sich die wirtschaftliche Lage im Land verschlechtert. Das gilt sowohl für geschmuggelte Zigaretten als auch für die Fälschungen.“

Die Verbraucher reagieren auf Preisänderungen empfindlich. Die Erhebungen von Nielsen zeigen nämlich auch, dass Preiserhöhungen der häufigste Grund dafür sind, dass Menschen mit dem Rauchen aufhören wollen. Gesundheitliche Bedenken stehen dem nach. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sterben in Tschechien jährlich 16.000 Menschen an den Folgen des Zigarettenkonsums.