Pilsen jubelt: Nach Eishockey-Titel nun auch Landesmeister im Fußball

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Seit Samstag hat auch Tschechien wieder einen neuen Fußballmeister. Es ist der FC Viktoria Pilsen, der damit nach 2011 die begehrte Trophäe zum zweiten Male in die westböhmische Bierstadt holte. Und weil im Jahr zwischen diesen beiden Titeln die Meisterschaft von Slovan Liberec gewonnen wurde, steht auch fest: Seit 1976 ist die Hauptstadt Prag erstmals wieder drei Jahre lang ohne Krone.

FC Viktoria Pilsen - FC Hradec Králové (Foto: ČTK)
Der abschließende 30. Spieltag der Saison 2012/13 wurde am 1. Juni ausgetragen. Auch an jenem Samstag regnete es in ganz Böhmen.

Das Wetter schlage ihnen zwar etwas auf das Gemüt, doch der Regen bringe wohl auch Glück, bejubelte ein Pilsener Fan schon nach knapp einer Minute das erste Tor seiner Mannschaft in Hradec Králové / Königgrätz. Nach der unerwarteten Heimniederlage gegen Liberec am vorletzten Spieltag war der Vorsprung der Pilsener auf Sparta Prag bis auf zwei Punkte geschrumpft. Beim Absteiger und Tabellenletzten aus Hradec Králové aber hatten die Blau-Roten ihre zweite Chance. Und die nutzten sie. Schon wenig später erzielte Procházka den zweiten Treffer für die Gäste:

Pavel Horváth (Foto: ČTK)
„Natürlich half uns die schnelle Führung. Nach zehn Minuten stand es 2:0. Da war das Spiel eigentlich schon entschieden“, rekapitulierte Kapitän Pavel Horváth das letzte Punktspiel seines Teams.

Pilsen gewann die Begegnung am Ende mit 3:0. Mit dem gleichen Resultat setzte sich 100 Kilometer westlich Sparta im Lokalderby gegen Dukla Prag durch, doch das half den Hauptstädtern nicht weiter. Das dritte Jahr in Folge blieb für sie nur der Vizerang. Der von deutschen Vereinen umworbene Jungstar Václav Kadlec:

„Uns fehlten nur zwei Punkte. Man könnte sagen, wir haben sie beim Spiel in Pilsen verloren, da entschied ein fragwürdiger Elfmeter gegen uns. Danach aber gab es noch viele Begegnungen, und in einigen haben wir Punkte verschenkt.“

Marek Matějovský (Foto: Archiv Sparta Prag)
Spartas Kapitän Marek Matějovský aber hat das 0:1 in Pilsen immer noch nicht verdaut:

„Wir wissen, dass wir einige Spiele vergeigt haben. Aber wenn am Ende zwei Punkte fehlen, dann muss ich einfach genau an dieses Spiel erinnern.“

Stein des Anstoßes in jener Partie war eine klare Schwalbe von Pilsens Nationalspieler David Limberský. Für seine Unsportlichkeit, die der Referee so nicht gesehen hatte, entschuldigte sich Limberský im Nachhinein, musste aber dennoch im Prager Rückspiel die pausenlose Pfiffe der Sparta-Fans über sich ergehen lassen. Nach dem Sieg in Hradec Králové aber ließ Limberský keine Zweifel mehr aufkommen:

„Wir haben die meisten Punkte gewonnen, und mich interessiert nicht, wie wir das geschafft haben. Wir sind einfach die Besten. Punkt!“

Pilsner Spieler feiern (Foto: ČTK)
Zu dieser Einschätzung pflichtete ihm auch Kapitän Horváth bei:

„Falls wir eine Krise hatten, dann war sie ziemlich kurz. Auf verlorene Spiele haben wir schnell reagiert, und deshalb sind wir jetzt auch die Besten.“

In Pilsen hat man daher nach 40 Tagen erneuten Grund zum Feiern. Nach dem Sieg der Eishockeyspieler sind auch die Fußballer nationale Meister geworden. Die Bierstadt ist somit jetzt die neue Sport-Hauptstadt des Landes.

Autor: Lothar Martin
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