PKS will nach Kauf von Schlecker-Filialen Marktführer in Tschechien werden

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Die insolvente Drogeriekette Schlecker kämpft ums Überleben. In Deutschland, wo Schlecker 1975 gegründet wurde, kommt die Sanierung nicht voran. Anders sieht es da in Tschechien aus: Hier haben die 145 Filialen der deutschen Firma seit Anfang Mai einen Käufer aus dem eigenen Land gefunden: das Unternehmen p.k. Solvent (PKS). Der Kaufpreis wurde zwar nicht bekanntgegeben, mit 700 Geschäften der Marke „Teta“ aber gehört PKS zu den zweitgrößten Drogerieanbietern im Land.

Die insolvente Drogeriekette Schlecker ist im Ausland in zehn Ländern aktiv. Seit dem Jahr 2007 auch in Tschechien, in dem Schlecker die hiesige Drogeriemarke Droxi übernahm. Deren Geschäfte gehörten fortan zur Tochterfirma Schlecker-International GmbH und sind daher auch nicht Teil des Insolvenzverfahrens.

Vor einer Woche teilte das Unternehmen p.k. Solvent in Prag mit, dass der Übernahmevertrag für die Schlecker-Niederlassung in Tschechien bereits unterzeichnet sei. Was aber hat PKS dazu bewogen, diesen Kauf zu tätigen? Dazu sagte der Marketingchef und Pressesprecher der Firma, David Vejtruba, gegenüber Radio Prag:

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„Ich denke, dass war eine interessante Gelegenheit zur rechten Zeit. Wir gehören zu den Investoren, die genügend Mittel für Investitionen haben. Dadurch können wir jetzt in unser zukünftiges Wachstum investieren.“

Nach Aussage von Vejtruba kann PKS mit der Übernahme der Schlecker-Filialen nun auch seine Position auf dem tschechischen Markt weiter ausbauen, und zwar insbesondere in den größeren Städten. Zur Marktführerschaft äußerte er sich allerdings noch ein wenig zurückhaltend:

David Vejtruba (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Ich würde es so sagen: Gegenwärtig streiten wir uns mit unserem größten Konkurrenten, der Firma DM Drogerie, um die führende Position auf dem tschechischen Markt. In diesem Wettbewerb versuchen wir natürlich unsere Position so gut es geht zu verbessern.“

Mit der Übernahme der Schlecker-Filialen kommt das Unternehmen nun auf einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Und das – welch zufällige Fügung – im 20. Jahr des Bestehens von p.k. Solvent. PKS wurde nämlich 1992 gegründet und begann mit einer Drogerie in einem Wohnhaus in Prag. Seitdem ist das Unternehmen hierzulande bis ganz nach oben durchgestartet und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 4,88 Milliarden Kronen (195 Millionen Euro) vor Steuern. Angesichts dieser Solvenz dürfen auch die Beschäftigten der tschechischen Schlecker-Filialen hoffen, an den Richtigen geraten zu sein:

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„Momentan ist es unser Ziel, den Umsatz der Schlecker-Geschäfte aufrechtzuerhalten, denn das war ein Grund für den Kauf. Und der zweite Grund ist natürlich der, dass wir uns bemühen werden, möglichst alle Arbeitnehmer weiterzubeschäftigen.“

Das wiederum sei letztlich auch Inhalt des Kaufvertrags, den PKS mit der tschechischen Schlecker-Tochter abgeschlossen hat, bekräftigte Vejtruba:

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„Die Situation ist so: Es wurde ein Kaufvertrag zur 100-prozentigen Übernahme der Aktien von der Firma Schlecker ČR abgeschlossen. Das hat für die Beschäftigten erstmal keine direkten Auswirkungen. Sie sind weiter Arbeitnehmer der Aktiengesellschaft Schlecker ČR. Wir verfolgen nun das Ziel, diese Aktiengesellschaft zu stabilisieren und sie in die Geschäftsaktivitäten von p.k. Solvent einzugliedern.“

In Tschechien ist es Schlecker also gelungen, die hiesigen Filialen quasi im „Gesamtpaket“ zu veräußern. Der Übernahme- beziehungsweise Integrierungsprozess in die Strukturen des neuen Mehrheitseigners wird jedoch nicht ewig dauern, bemerkte Vejtruba:

Foto: Shape Art
„Die Geschäfte werden den Namen Schlecker noch bis zum Ende des Jahres tragen. Dann aber steht fest: Nach dem 31. Dezember finden sie in Tschechien keine Drogerie mehr, die den Namen Schlecker trägt.“

Und wie soll es danach mit den jetzigen Schlecker-Filialen weitergehen?

„Wir haben zwei bis drei konzeptionelle Wege über die wir nachdenken. Derzeit werden sie von uns in der Praxis getestet, deshalb kann ich jetzt noch nicht sagen, ob wir die Geschäfte von Schlecker später in unsere Teta-Kette eingliedern werden, ob sie eigenständig bleiben werden oder ob es für sie noch eine andere Lösung geben wird. Das wird ganz stark davon abhängen, was uns die Verbraucher in der Testphase sagen werden.“

Foto: Archiv des Einkaufszentrums Chomutovka
Der bisherige Erfolg von PKS beruht vor allem darauf, dass sie ihre Geschäftsidee, ein kompetenter Partner für unabhängige Drogisten zu sein, sehr gut umgesetzt haben. Das gelang mit der Marke „Teta“, die mit 700 Geschäften der größte Drogerieanbieter im Land ist. Der Beitritt der unabhängigen Drogisten zur Franchise Teta wird aber laut Vejtruba bald nicht mehr ausreichen, um weiter in Tschechien sowie auf dem Drogeriemarkt der Slowakei, in den PKS 2009 eingestiegen ist, dominieren zu können:

„Natürlich wird die Franchise auch in Zukunft ein wichtiger Baustein in unserer Strategie bleiben. Aber wir wollen jetzt den nächsten Schritt machen und weitere Segmente des Kleinhandels bedienen. Da denken wir eben zuerst an neue Kleinhandelsgeschäfte in den größeren Städten, und dafür eignet sich die Struktur der Schlecker-Geschäfte für uns sehr gut.“

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Ähnlich äußerte sich auch einer der beiden Gründer von p.k. Solvent, Martin Moravec. Man plane auf dem Markt mit mehr als einer Marke zu agieren und in diese Strategie passen die Schlecker-Filialen sehr gut hinein, sagte PKS-Vorstand Moravec laut einer Mitteilung der Schlecker-Insolvenzverwaltung.

In den 20 Jahren seit der Firmengründung hat sich PKS in Tschechien also zu einem führenden Drogerieunternehmen entwickelt, was es nun zu untermauern gilt. Auf dem Weg zu dieser Führungsposition haben die namenhaften Konkurrenten für PKS durchaus eine wichtige Rolle gespielt, meint Vejtruba:

DM Drogerie
„Firmen wie Schlecker oder DM Drogerie waren für uns in gewisser Weise immer ein motivierender Faktor beziehungsweise sind es immer noch. Unsere Geschäftsidee, den unabhängigen Drogisten zu helfen, konnten wir nämlich nur deshalb umsetzen, weil wir uns bezüglich der Konkurrenzfähigkeit an diesen großen Firmen orientiert haben.“

Nun aber hat sich Schlecker aus dem Kreis der Konkurrenten verabschiedet. Eine Tatsache, die man so sicher nicht voraussehen konnte. Andererseits könne man jetzt erst recht mit Stolz auf die eigene Entwicklung schauen, findet Vejtruba:

„Wir sind natürlich zufrieden damit, dass unsere Firma diese Entwicklung genommen hat und heute sehr stabil ist. Deshalb können wir den Beschäftigten der tschechischen Schlecker-Filialen nun auch zeigen, dass sie in uns einen verlässlichen Arbeitgeber und Partner gefunden haben. Und innerlich sind wir auch erfreut darüber, jetzt weitaus besser als Schlecker dazustehen.“

Der Kaufpreis für das tschechische Filialnetz werde nicht bekanntgegeben, erklärten p.k. Solvent und Schlecker nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags auf Nachfrage von Journalisten. Der Erlös werde in die Insolvenzmasse der in Deutschland insolventen Drogeriekette einfließen, sagte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung.