Polen fühlen sich bei Lebensmittelexport nach Tschechien diskriminiert

Foto: Ambro, FreeDigitalPhotos.net

Tschechien und Polen sind nicht nur Nachbarländer, sondern werden auch als zwei sehr gut befreundete Nationen wahrgenommen. Dissonanzen sind höchst selten, und wenn welche auftreten, werden sie in der Regel ziemlich schnell behoben. Seit Montag aber muss sich Tschechiens Agrarminister Marian Jurečka mit massiven Vorwürfen aus Warschau auseinandersetzen. Es geht um Lebensmittelkontrollen, bei denen sich die polnische Seite benachteiligt fühlt.

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Am Montag machten polnische Zeitungen mit der Schlagzeile auf, dass Lebensmittel ihres Landes in Tschechien weit strenger kontrolliert würden als Produkte aus anderen europäischen Ländern. Als Beleg dafür wurde ein Dokument vom 19. August diesen Jahres zitiert, wonach die Einfuhrkontrollen der tschechischen Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion (SZPI) gezielt auf polnische Produkte ausgerichtet seien. Das war zu jener Zeit, als Russland auf die Sanktionen aus Brüssel mit einem Einfuhrstopp für Lebensmittel aus der EU antwortete. In Tschechien habe man lediglich auf diese neue Situation reagiert, sagt der Sprecher der Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion, Pavel Kopřiva:

Pavel Kopřiva (Foto: ČT24)
„Es bestand die objektive Gefahr, dass viele Lebensmittel, die ursprünglich für den russischen Markt vorgesehen waren, nun auf dem Markt der Europäischen Union angeboten würden. Und damit auch in der Tschechischen Republik.“

Außerdem sei dieses Dokument aus dem Zusammenhang gerissen worden, so der Sprecher. Auch Agrarminister Marian Jurečka betont, dass die damaligen Maßnahmen lediglich dem Schutz des tschechischen Markts vor einem Überangebot von Lebensmitteln zu Dumpingpreisen galten:

„Aus Polen kommen die meisten Lebensmittelimporte zu uns, und zugleich ist das Land ein großer Exporteur nach Russland, wo die Anforderungen an die Qualität der Waren niedriger liegen. Als unsere Nachbarn ihre Produkte nicht mehr nach Russland ausführen konnten, bestand die berechtigte Gefahr, dass die Waren in großer Zahl auf dem tschechischen Markt landen. Doch diese Lebensmittel hätten nicht unseren Anforderungen an Qualität, Zusammensetzung oder Etikettierung der Produkte entsprechen müssen. Die Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion hatte daher die Aufgabe, noch stärker als sonst auf diese Dinge zu achten.“

Marian Jurečka (Foto: Jiří Mastík, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Allgemein aber stehen laut Jurečka polnische Lebensmittel nicht unter besonderer Beobachtung:

„Auf lange Sicht kann ich sagen, dass prozentual gesehen Lebensmittel aus Deutschland, der Slowakei und aus Frankreich weit mehr kontrolliert werden als polnische.“

In einem Telefonat mit seinem polnischen Amtskollegen Marek Sawicki am Dienstag hat Jurečka nun versucht, dies alles auch so zu erklären. Zudem will er einen schriftlichen Nachweis nach Warschau schicken. Diesem sei eindeutig zu entnehmen, dass es sich bei den Lebensmittelkontrollen nicht um eine gezielte Kampagne gegen Polen handle, sagte Jurečka.

TV-Werbespot des tschechischen Mobilfunkanbieters T-Mobile (Foto: Archiv T-Mobile)
Die ganze Sache hätte man gerne schon früher ohne dieses öffentliche Tamtam aus der Welt geschafft. Aber für wohl noch größere Aufregung sorgte in den letzten Tagen ein TV-Werbespot des tschechischen Mobilfunkanbieters T-Mobile, denn in diesem werden die polnischen Nachbarn, gelinde gesagt, etwas veräppelt. Das war dann doch wohl zu viel Tobak, deswegen ist diesmal der Streit so eskaliert.