Weder schadstoffhaltig noch marktgefährdend: Kein Einfuhrstopp für ukrainisches Getreide in Tschechien

Tschechien plant vorerst nicht, Getreideimporte aus der Ukraine einzuschränken. Kontrolleure sind jetzt zu dem Ergebnis gekommen, dass die aus dem Kriegsland importierten Nahrungsmittel keine Schadstoffe aufweisen.

Polen, Ungarn und die Slowakei haben jüngst einen Einfuhrstopp für Getreide aus der Ukraine verhängt. Die große Angst der Länder: Die günstigen Lebensmittelrohstoffe aus dem Land könnten die lokalen Märkte kaputtmachen. In Tschechien plant man bisher keinen vergleichbaren Schritt. Darüber informierte Landwirtschaftsminister Zdeněk Nekula (Christdemokraten) in dieser Woche. Es gebe keinen Grund für eine solche Maßnahme, sagt er – und diese Ansicht bekräftigte der Ressortchef am Donnerstag noch einmal. Denn lediglich 4000 Tonnen Weizen seien im vergangenen Jahr aus dem Kriegsland eingeführt worden:

„Tschechien produziert aber ungefähr fünf Millionen Tonnen Weizen. Die Importe aus der Ukraine stellen im Vergleich zu unserer Produktion also weniger als ein Zehntelprozent dar.“

Häufig würden Desinformationen über die Getreideimporten aus der Ukraine nach Tschechien verbreitet, warnte Nekula. Vorschläge, die Einfuhr hierzulande zu verbieten, seien populistisch, so der Ressortchef. Auf europäischer Ebene werden in der kommenden Woche die Landwirtschaftsminister der EU-Mitgliedsstaaten zusammenkommen und sich zur Lage besprechen.

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Im Nachbarland Slowakei hatten die ukrainischen Getreideimporte nicht nur zur Sorge vor Dumpingpreisen im Land geführt. In Proben konnten dort auch schädliche Pestizide nachgewiesen werden. Nekula ließ daraufhin in Tschechien ebenfalls Untersuchungen durchführen. Bis zu 400 potentiell schädliche Stoffe können die Kontrolleure ermitteln.

„Vor allem haben wir die Lebensmittel auf Mykotoxine und Pestizide untersucht. Es wurde aber auch überprüft, ob Schwermetalle wie Blei oder Cadmium enthalten sind.“

Für die Tests verantwortlich war die staatliche Landwirtschafts- und Lebensmittelinspektion (SZPI). Deren Leiter Martin Klanica informierte über die Ergebnisse der Überprüfung:

„Bisher haben wir 30 Proben entnommen. Vor allem handelte es sich um Weizen. Es wurden aber auch Mais, Roggen und Gerste überprüft. Bisher haben alle Proben die Anforderungen erfüllt.“

An den Lebensmittelkontrollen beteiligte sich zudem die staatliche Veterinärverwaltung (SVS). Vor allem Geflügel und Eier wurden dabei untersucht. Die Nahrungsmittel aus der Ukraine seien dabei bisher nicht negativ aufgefallen, hieß es vonseiten der Behörde.

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Autoren: Ferdinand Hauser , Jan Bílek
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