Polizeischutz für kritische Infrastruktur: Neue Spezialeinheit am Prager Flughafen
Sie braucht nur ein paar Minuten für einen Eingriff: Am Prager Flughafen läuft eine neue Polizeieinheit Streife. Sie ist auf Bombendrohungen oder Terroranschläge trainiert.
Da macht man besser keine Witze. Ende Juli wurden die Sonderpolizisten zur Sicherheitskontrolle eines Flugreisenden hinzugerufen, der wohl aus Frust wegen der langen Wartezeit sarkastisch geäußert hatte, er sei ein Terrorist.
„Eine solche Situation dürfen wir leider nicht unterschätzen. Werden wir hinzugezogen, rechnen wir natürlich mit der schlimmsten Variante, dass es sich um eine reale Bedrohung handeln könnte“, rekapituliert der Leiter der Spezialeinheit, Jan Kubo. Obwohl sich bestätigte, dass der kontrollierte Mann bei der Abfertigung nur gescherzt hatte, wurde er an diesem Tag in kein Flugzeug mehr gelassen.
Schutz für Touristen und Staatspräsidenten
Die Mitglieder der neuen Polizeieinheit am Prager Václav-Havel-Flughafen sind an ihrer grünen Uniform zu erkennen. Organisatorisch gehört die Abteilung zur tschechischen Fremdenpolizei. Die Spezialbeamten begleiten von jetzt ab Regierungsdelegationen oder Staatspräsidenten. Manchmal müssten sie aber auch gegen alkoholisierte und aufgebrachte Reisende vorgehen, und das mitunter direkt im Flugzeug, fährt Kubo fort:
„Ein Mensch, der aggressiv wird, kann alles an Bord als Waffe benutzen. Wenn dann aber unsere Mitglieder dazukommen, beruhigen sich meist auch die härtesten Kerle wieder.“
Darum sind die Polizisten mit den verschiedenen Flugzeugmodellen vertraut und trainieren regelmäßig einen Zugriff an Bord. Derart ausgebildet, stünden sie auch zur Unterstützung der Schnellen Eingreiftruppe namens Urna bereit, erläutert Kubo:
„Terrorismus oder eine Flugzeugentführung – das sind die schlimmsten Fälle, die eintreten können. Unsere Einheit kann für Urna einen Rundum-Service leisten, also die Kollegen direkt an Bord bringen und für sie alle Informationen zusammentragen.“
Sondereinheiten auch für Akw
Die Sonderformation unter Kubos Leitung ist seit Anfang Juli auf dem Prager Flughafen stationiert. Sie ist bisher die dritte Spezialeinheit dieser Art bei der tschechischen Polizei. Einen ähnlichen Schutz haben hierzulande nur die Atomkraftwerke – seit 2010 gibt es eine Gruppe für die Anlage in Temelín, seit 2016 auch in Dukovany. Die Beamten wachen somit über die kritische Infrastruktur Tschechiens. Gerade ein Flughafen würde zu den sogenannten weichen Zielen gehören, so Kubo:
„Vor allem sollen die Reisenden wissen, dass es hier eine Einheit gibt, die in jeglicher Situation für ihren Schutz sorgt.“
Das gilt natürlich auch für die Menschen, die vor Ort arbeiten – an den Schaltern, in der Abfertigungshalle oder aber in den Geschäften und Restaurants. Zur Hochsaison werden auf dem Areal des Václav-Havel-Flughafens pro Tag rund 100.000 Personen gezählt. Und die Zahl der Reisenden nimmt seit Ende der Corona-Krise jedes Jahr zu. Denisa Hejtmánková, die Sprecherin des Betreiberunternehmens, informiert über die aktuelle Statistik:
„Der Prager Flughafen hat in der ersten Hälfte dieses Jahres 8.224.302 Reisende abgefertigt. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum ist dies ein Anstieg von fast sechs Prozent.“
Bis Ende 2026 könnte die Jahresbilanz dann fast 19 Millionen Fluggäste betragen, fügt Hejtmánková hinzu. Auf eine wachsende Zahl an Reisenden bereite sich auch die Spezialeinheit der Polizei vor, betont Jan Kubo. So solle demnächst ein Verhandlungsspezialist ins Team aufgenommen werden.







