Poulencs „Dialogues des Carmélites“ in der Prager Staatsoper
Zum ersten Mal in der Geschichte wird in der Prager Staatsoper die Oper „Dialogues des Carmélites“ („Gespräche der Karmelitinnen“) von Francis Poulenc aufgeführt. Die Premiere der Inszenierung findet an diesem Donnerstag, 21. Mai, statt.
Poulencs Opus „Gespräche der Karmelitinnen“ von 1957 gilt als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts. Das Libretto beruht auf dem gleichnamigen Bühnenstück. Dieses entstand nach einem Drehbuch von Georges Bernanos, der sich wiederum durch die Novelle „Die Letzte am Schafott“ von Gertrud von Le Fort inspirieren ließ. Das Werk behandelt Ereignisse, die sich 1794 im Karmelitinnenkloster in Compiègne abspielten. Die Geschichte endet mit der Hinrichtung der 16 Ordensschwestern in Paris.
Der Musikdirektor der Prager Staatsoper und Dirigent Hermann Bäumer studierte die Oper musikalisch ein. Die Regie hatte Barbora Horáková Joly. Das folgende Gespräch mit der Regisseurin entstand kurz vor der Premiere.
Frau Horáková, die Oper stützt sich unter anderem auf die Novelle von Gertrud von Le Fort. Sie fanden jedoch eine Parallele mit den Ereignissen, die sich in den 1950er Jahren in der Tschechoslowakei abspielten…
„Ja, genau. Ich finde sehr stark, wie viele Parallelen man entdeckt und wie universell diese Geschichten sind. Eine meiner großen Inspirationen war der Roman ‚Bílá Voda‘ – ‚Weißwasser‘ von Kateřina Tučková, die die Verfolgung der Ordensschwestern in den 1950er Jahren in der Tschechoslowakei beschreibt. Es ist zwar ein anderes Land, aber eine ähnliche Geschichte. Für mich ist das eine universelle Erzählung über die Überwindung von Angst und über die Kraft, die Menschen in sich finden, wenn sie an etwas Höheres glauben. Ich bin immer fasziniert von Menschen, die den Mut finden, auch wenn es sie ihr Leben kostet, für die Zukunft zu kämpfen.“
In der Oper gibt es gleich mehrere starke Frauenrollen. Würden Sie eine davon besonders hervorheben?
„Ich muss sagen, ich verstehe und liebe alle diese Personen. Jede von ihnen hat eine besondere Kraft, was faszinierend ist. Jede hat eine andere Geschichte. Das finde ich stark.“
Die norwegische Mezzosopranistin Tone Kummervold übernahm die Rolle einer der Ordensschwestern – der Mutter Marie von der Menschwerdung. Sie habe die Partie bereits vor zwei Jahren in der Oper in Oslo gesungen, erzählte die Mezzosopranistin gegenüber Radio Prag International.
„Das war damals mein Debüt in dieser Rolle. Es ist jedoch etwas anderes, die Partie in einer anderen Inszenierung zu singen. Obwohl ich die Rolle kenne, habe ich einige Zeit gebraucht, um sie nach den Vorstellungen des Dirigenten und der Regisseurin zu interpretieren. Es war ein sehr interessanter Arbeitsprozess.“
Die Rolle sei für die Sängerin anspruchsvoll, meint Tone Kummervold. Und zudem entwickele sich die Ordensschwester während des Stücks – aus einer sehr harten und konservativen Person werde eine Frau, die ihr Herz für die Protagonistin Blanche de la Force öffne, so Kummervold. Blanche, die zuvor Zuflucht in ihrem leeren Elternhaus gesucht hatte, schließt sich am Ende den Ordensschwestern auf dem Schafott an.
Der Abschluss der Oper, bei dem die Ordensschwestern eine nach der anderen in den Tod gehen, gilt als besonders stark. Tone Kummervold dazu:
„Das ist fantastisch geschrieben. Ich sitze immer mit Tränen in den Augen da. Es ist zu hören, wie eine Stimme nach der anderen aus dem Nonnenchor verschwindet.“
Tone Kummervold lobt sowohl die Zusammenarbeit mit dem Dirigenten, als auch mit der Regisseurin. Sie merkt an:
„Sie ist so engagiert und unglaublich gut vorbereitet. Sie arbeitet sehr gut mit jedem einzelnen von uns, um die Charaktere der Personen zum Ausdruck zu bringen.“
Die Premiere von Poulencs Oper „Gespräche der Karmelitinnen“ findet um 19 Uhr in der Prager Staatsoper statt. Die zweite Premiere steht am Sonntag, 24. Mai, auf dem Programm. Reprisen gibt es am 28. und 31. Mai und am 4., 7. und 13. Juni. Es gibt noch Restkarten.
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