Präsidentschaftskandidaten: Táňa Fischerová setzt auf „Nicht-Kampagne“

Táňa Fischerová (Foto: Jan Profous, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Im Januar kommenden Jahres wird der tschechische Staatspräsident erstmals von den Bürgern direkt gewählt. In einer Serie stellen wir Ihnen die neun Präsidentschaftskandidaten vor. Drei Frauen bewerben sich um das Amt des Staatsoberhauptes, unter ihnen auch Táňa Fischerová.

Táňa Fischerová (Foto: Jan Profous, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Táňa Fischerová ist in der breiten Öffentlichkeit vor allem als Moderatorin wohltätiger Adventskonzerte bekannt. Die 65-jährige Schauspielerin gehört keiner Partei an, aber sie hat Erfahrungen in der Politik: 2002 wurde sie als unabhängige Kandidatin für die heute nicht mehr existierende Freiheitsunion (US-DEU) ins Abgeordnetenhaus gewählt. Vor kurzem nach den Beweggründen für ihre Kandidatur gefragt, sagte die Schauspielerin, sie habe keine persönlichen Ambitionen, aber sie übernehme gerne Aufgaben, die sie für wichtig halte:

„Ich mache dies, weil ich finde, dass auch jemand kandidieren sollte, der von keiner politischen Partei und keinem reichen Sponsor unterstützt wird. Ein anderer Grund ist die Möglichkeit, während der Kampagne mit Menschen zusammenzutreffen, mit ihnen über Dinge zu sprechen, die ich für grundlegend halte. Dazu gehören neue Wirtschaftsmodelle sowie die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wandels. Die Bürger nehmen es zunehmend wahr, wie ich während der Diskussionen immer wieder zuhöre.“

Motto: „Die Liebe herrscht nicht, sie kreiert“
Auf der Webseite der Präsidentschaftskandidatin Fischerová steht ihr Motto: „Die Liebe herrscht nicht, sie kreiert.“ Fischerová bezeichnet ihre Kampagne als „Nicht-Kampagne“: Sie arbeitet weder mit einer PR-Agentur zusammen, noch akzeptiert große Summen von eventuellen Sponsoren. Als Spende darf man ihr maximal 10.000 Kronen (400 Euro) zuschicken. Denn sie findet es überflüssig, Millionen für eine Wahlkampagne auszugeben:

„Ich glaube erstens, dass ein Werbeplakat nichts über einen Menschen aussagt. Das ist nur eine Medienmassage. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass die Millionensummen, die eine derartige Kampagne kostet, anderswo dringender gebraucht werden. Drittens führt dies schließlich dazu, dass jemand, der das Geld nicht hat, sich in der Politik nicht durchsetzen kann. Ohne eine einzige Krone ist es mir und meinen Mitarbeitern gelungen, über 70.000 Unterschriften für meine Kandidatur zu sammeln. Und das ist ein hervorragendes Ergebnis.“

Fischerová hat ihren Worten zufolge seit ihrer Arbeit im Abgeordnetenhaus einen Kreis von ähnlich denkenden Menschen um sich gesammelt. Sie finde aber auch weiterhin immer wieder neue Sympathisanten, so die Kandidatin:

„Während meiner Kampagne habe ich viele junge Menschen kennengelernt, die organisatorische Begabung haben und enthusiastisch sind. Dadurch entsteht ein Netz von aktiven Menschen, die in öffentlichem Angelegenheiten mitreden wollen. Sie investieren ihre Zeit und Kreativität, und das ist die Grundlage für eine gut funktionierende Gesellschaft.“

Laut den letzten Umfragen tschechischer Meinungsforschungsinstitute gehört Táňa Fischerová zu Kandidaten mit den geringsten Chancen auf einen Erfolg bei den Präsidentenwahlen.