Prager Aufstand 1945: Kampf ums Altstädter Rathaus

Altstädter Rathaus (Quelle: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY 4.0)

Unmittelbar vor Ende des Zweiten Weltkriegs brach der sogenannte Prager Aufstand aus. Die militärische Erhebung des tschechischen Widerstandes gegen die deutschen Besatzer begann am 5. Mai 1945 durch eine Meldung im tschechischen Radio.

Altstädter Rathaus (Quelle: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY 4.0)

Altstädter Ring mit der Pařížská-Straße (Quelle: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY 4.0)
An vielen Orten in Prag brachen Kämpfe aus. Einer der Brennpunkte war der Altstädter Ring mit dem dortigen Rathaus. Der Historiker und Archivar Václav Ledvinka hat das Geschehen dort in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks beschrieben:

„Die Kämpfe um das Rathaus wurden am 5. Mai um etwa 12.30 Uhr eröffnet. Gleich am Nachmittag drangen deutsche Panzer durch die Pařížská-Straße auf den Altstädter Ring vor und fingen an, das Rathaus zu beschießen. Am nächsten Tag wiederholte sich dieses Szenario. Das Rathaus wurde von Menschen verteidigt, die sich dort freiwillig versammelt hatten. Ihr großes Problem war allerdings, dass sie nicht genug Waffen hatten. Erst im Laufe des 6. Mai gelang es, einige Panzerfäuste aus den Štefánik-Kasernen ins Altstädter Rathaus zu bringen. Die Aufständischen setzten dann mindestens vier deutsche Panzer außer Gefecht.“

Václav Ledvinka (Foto: Jan Sklenář, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Doch die Besatzer gingen mit schwerer Armeetechnik in den Gegenangriff. Am 7. und 8. Mai wurden Panzerverbände der SS-Einheiten nach Prag verlegt, sie waren auf Truppenübungsplätzen südlich der Stadt gestanden. Weitere Einheiten drangen von Nordost her in die Stadt ein. Beim Vorrücken der deutschen Einheiten kam es zu einem großen Blutvergießen in vielen Vorstädten Prags. Václav Ledvinka:

„Am 7. Mai Nachmittag war die Lage für die Aufständischen kritisch. Die Deutschen besetzten zunächst den Hauptbahnhof und anschließend auch den Masaryk-Bahnhof, wo es zu einem Massaker kam. Aus mehreren Richtungen fuhren die Panzer auch auf den Altstädter Ring. Das Gefecht verwandelte sich in eine systematische Beschießung des Rathauses.“

Zweimal flog auch ein Aufklärungsflugzeug über den Platz, einmal wurde eine Bombe dort abgeworfen. Am 7. Mai geriet das Rathaus das erste Mal in Brand, aber die Verteidiger konnten das Feuer noch löschen:

Altstädter Rathaus (Quelle: Archiv des Nationalmuseums in Prag, CC BY 4.0)
„Zu den schwersten Gefechten kam es erst am Vormittag des 8. Mai. Die Aufständischen verteidigten das Rathaus bis zum Nachmittag. Dann mussten sie es verlassen, weil die deutschen Schützen erneut das Gebäude in Brand setzten.“

Die Flammen loderten gleich an mehreren Stellen, so dass sie nicht mehr gelöscht werden konnten.

„Um 16 Uhr – genau als die Kapitulation der deutschen Truppen in Prag in der Bartolomějská-Straße unterzeichnet wurde und der Waffenstillstand in Kraft treten sollte – zerstörten deutsche Panzer noch mit den letzten Schüssen des Zweiten Weltkriegs in der Stadt den Ostflügel des Rathauses. Um 17 Uhr kamen tschechische und deutsche sogenannte Parlamentarier auf den Altstädter Ring und beendeten das Gefecht. Der Kampf ums Altstädter Rathaus ging also erst eine Stunde nach dem offiziellen Waffenstillstand zu Ende.“

Der vernichtende Brand des Altstädter Rathauses konnte erst am nächsten Tag unter Kontrolle gebracht werden. Bis heute besteht dadurch eine Bebauungslücke an der Westseite des Altstädter Rings, sie erinnert an die Ereignisse vom Mai 1945.